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Gillamoos: Politiker analysieren Wahlen in Ostdeutschland | BR24

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Politiker aller Parteien geben auf dem Gillamoos ihre Einschätzung zu den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg ab.

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Gillamoos: Politiker analysieren Wahlen in Ostdeutschland

Das Gillamoos ist seit jeher das Volksfest bei dem sich Politiker aller Parteien gegenseitig - mehr oder weniger scherzhaft - verbal attackieren. Doch heuer standen die Wahlen des Wochenendes im Fokus - und mehr als eine Wunde musste geleckt werden.

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Nachdem die Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen am Sonntag die politische Landschaft durchgerüttelt haben, war es unausweichlich, dass sie auch beim diesjährigen Gillamoos thematisiert würden. Das niederbayerische Volksfest, bei dem sich Vertreter der Parteien traditionell gegenseitig aufs Korn nehmen, hat am Montag in Abensberg begonnen.

"Die entscheidende Antwort auf diese beiden Wahlen muss sein, dass in Berlin nicht ständig um sich selber gekreist, nicht ständig mit sich selber beschäftigt wird, sondern endlich auf die Fragen der Zukunft eingegangen wird," so die Kurz-Analyse des bayerische Ministerpräsidenten und CSU-Chefs Markus Söder (CSU) auf dem Gillamoos. "Die Welt wackelt, wir brauchen einen festen Stand aus und für Deutschland, meine Damen und Herren." Obwohl seine Partei bei den Wahlen quasi außen vor war. Und so konnte der Ministerpräsident dann auch leicht sagen "wenn andere schwächer werden, meine Damen und Herren, wir bleiben hier."

Kühnert hält seine erste Bierzelt-Rede

Kein gutes Abschneiden aber mit einem blauen Auge davongekommen - unter diesem Motto trat Juso-Chef Kevin Kühnert ans Rednerpult. "Die SPD hat gestern in Brandenburg ein paar Prozentpunkte verloren, aber deutlich weniger als das, was zu erwarten war," so Kühnerts Fazit, bei seiner nach eigenen Angaben ersten Bierzelt-Rede - nicht ohne Sticheln gegen den selbstbewussten Markus Söder: "Ich finde, wenn wenige Meter weiter hier einer steht, als Ministerpräsident der CSU, der ein paar Monate, nachdem man minus zehn Prozentpunkte bei der Landtagswahl geholt hat, rumläuft, als könnte er vor Kraft nicht mehr gehen, dann darf die SPD auch mal stolz darauf sein, mit einem satten Ergebnis die Mehrheit in Brandenburg geholt zu haben. Herzlichen Glückwunsch".

Mit Blick auf ein mögliches Dreierbündnis aus SPD, Linkspartei und Grünen kommentierte der bayerische Ministerpräsident im vollen Hofbräu-Zelt auf dem Gillamoos den Linksruck, den er bei den Grünen ausmacht: "Wer so handelt, zeigt nur, dass er im Endeffekt nach links will und Rot-Rot-Grün kann und darf niemals das Zukunftsmodell für unser Land werden, meine Damen und Herren."

Freie Wähler hoffen auf Beteiligung an Regierung in Brandenburg

Der Fraktionschef der Grünen im Bundestag, Anton Hofreiter, hielt sich bei seinem Besuch in Abensberg alle Optionen offen: angesichts der Dramatik der Wahlergebnisse könne man sich keinen Gesprächen verschließen. "Die Ergebnisse sind für uns erst einmal die besten Ergebnisse, die wir in Ostdeutschland jemals erzielt haben", sagte Hofreiter. "Aber natürlich sind die Ergebnisse der Rechtsradikalen erschreckend und machen deutlich, dass alle demokratischen Parteien den Kampf gegen die Rechtsradikalen intensivieren müssen."

Auch Freie Wähler-Chef Hubert Aiwanger hofft auf eine Regierungsbeteiligung in Brandenburg und sagte bei seinem Heimspiel im niederbayerischen Abensberg: "Wir Freien Wähler stehen auch in Brandenburg bereit, Verantwortung für das Land zu übernehmen, genau so wie wir es in Bayern schon bewiesen haben."

Kuhle: "Politische Debatte wieder in die Mitte (...) zurückholen"

Für die Liberalen zeigten die Wahlen vor allem eins: alle Demokraten müssten zusammenstehen. Konstantin Kuhle, Bundestagsabgeordneter aus Niedersachsen zollte deshalb auch den beiden Ministerpräsidenten von SPD und CDU in Brandenburg und Sachsen, Dietmar Woidke und Michael Kretschmer, höchsten Respekt, dass sie die AfD zumindest noch etwas in Schach gehalten hätten.

Bei aller Debatte dürfe man aber nicht vergessen, die AfD repräsentiere noch nicht einmal 20 Prozent der Menschen hierzulande. "Wir reden von morgens bis abends über diese braune Truppe und kümmern uns nicht um das Thema Wirtschaftspolitik, kümmern uns nicht um das Thema Bildung, kümmern uns nicht um das Thema Digitalisierung, das Thema Rente, und deswegen müssen wir dringend in Deutschland auch die politische Debatte wieder in die Mitte der Gesellschaft zurückholen," so Kuhles Forderung.

AfD: Wir sind die "neue Volkspartei"

Die AfD-Politiker dagegen freuten sich außerhalb des Festgeländes über ihr Wahlergebnis. "Denn spätestens seit gestern ist gewiss, die AfD ist die neue Volkspartei in Deutschland", rief Katrin Ebner-Steiner, die bayerische Fraktionsvorsitzende, mehreren hundert Zuhörern zu.

Ramelow hofft auf schwaches AfD-Ergebnis bei Wahl in Thüringen

Das will der Ministerpräsident von Thüringen in seinem Land verhindern. Im Oktober sind dort Wahlen: "Wir sind ein starkes Bundesland und wir lassen uns nicht in die Knie bringen", so der Linke Bodo Ramelow bei seinem Auftritt auf dem Gillamoos. "Ich habe keine Lust, dass man sich über die AfD definiert. Wir definieren uns über die Demokraten und wir sagen an der Seite der Menschen: Gemeinsam sind wir stark."

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BR24 zum politischen Schlagabtausch beim Gillamoos