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Gifte in der Nahrungskette: Chemie-Altlasten in Bayern | BR24

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Die Anwohner sind verunsichert - wie groß ist die Gefahr wirklich? In Landshut wurden im Boden des sogenannten BMI Geländes Rückstände eines möglicherweise krebserregenden Stoffes gefunden. In einer Infoveranstaltung wurden jetzt Details bekannt.

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Gifte in der Nahrungskette: Chemie-Altlasten in Bayern

Sie kommen in der Regel über das Wasser, die Nahrung oder die Atemluft in unseren Körper: PCB, PFC und PCP sind hartnäckige Überlebenskünstler aus den Altlasten der Chemie-Industrie. In Landshut, Senden und Burgkirchen ist die Angst besonders groß.

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Chemische Stoffe sind oder waren einmal wichtig für die Herstellung von Produkten – vom Löschschaum über Holzschutzmittel bis hin zu elektronischen Bauteilen wie etwa Kondensatoren. Sie heißen Polychlorierte Biphenyle (PCB), per- und polyfluorierte Chemikalien (PFC) oder Pentachlorphenol, das altbekannte PCP.

Aus dem Grundwasser auch in die Muttermilch

Das Problem bei den polyfluorierten Chemikalien, also PFC, ist zum Beispiel deren Persistenz und Akkumulation. Das heißt: Die Chemikalie ist sehr stabil und reichert sich deshalb immer weiter an. Wird PFC fortlaufend in die Umwelt eingebracht, sammelt es sich erst im Grundwasser, dann im Oberflächenwasser, dann im Fisch und schließlich im Mensch. Und wird der Mensch zur Mutter, wird das PFC über die Muttermilch ans Kind weitergegeben.

Genau das ist in Burgkirchen an der Alz im Landkreis Altötting passiert. Dort wurden "Verwandte" des PFC, nämlich PFOA und PFOS, nachgewiesen. Ursache dort war der sogenannte Chemiepark Gendorf, wo seit dem Zweiten Weltkrieg Frostschutzmittel, Sprengstoffe und seit den 50er-Jahren PVC hergestellt wurden; PVC ist zum Beispiel in Folien.

Viel Löschschaum im Einsatz, viel PFC im Boden

Sehr viel PFC kam in Bayern auch über Löschschaum in den Boden, vor allem dort, wo etwa Betriebsfeuerwehren viel geübt haben, an Flughäfen, Raffinerien und Militärstandorten: Nürnberg, Ansbach und Manching sind Beispiele.

PCB ist wegen seiner ursprünglich sehr wertvollen Eigenschaften sehr weit verbreitet und in die Umwelt eingebracht. Es ist schwer entflammbar, beständig, widersteht Säuren und Laugen und wurde deshalb für Isolatoren in Trafos und Kondensatoren – Beispiel Landshut – verwendet, aber auch als Weichmacher in Kunststoffen und Dichtungen. Im schwäbischen Senden ist das Gelände einer ehemaligen Uhrenfabrik das Problem.

Trotz Verbots langer Nachlauf bei PCB

Aber auch bei PCB gilt: Es bleibt in der Nahrungskette. Seit 1983 ist PCB verboten. In jenem Jahr wurden weltweit noch 1,5 Millionen Tonnen PCB produziert. Und daran "knabbern" wir bis heute. Aber am Beispiel Muttermilch sieht man: Die Belastung ist seit dem Verbot deutlich zurückgegangen, von 1980 bis 1997 auf ein Drittel.

PCB darf man übrigens nicht mit PCP verwechseln, Pentachlorphenol, das vor allem in Holzschutzmitteln und Textilien war und in Deutschland seit den 80ern nicht mehr verwendet wird.

Vermeiden, erkennen, sanieren

Gefährliche Chemie aus der Produktion verbannen, das heißt: ungefährliche Ersatzprodukte finden.

Als Verbraucher sollte man genau hinschauen, was man kauft, etwa bei der derzeit so beliebten Outdoor-Bekleidung, die teilweise mit PFC hergestellt wird. PFC-freie Schlafsäcke oder Anoraks sind gekennzeichnet.

Ansonsten: sanieren. Belastete Böden zum Beispiel kann man abtragen, reinigen, deponieren, abkapseln oder zumindest abdecken, sodass keine Belastung mehr ins Grundwasser kommt. Ist das Grundwasser belastet, darf es nicht mehr verwendet werden, nicht zum Trinken, aber auch nicht zum Gießen von Gemüse oder Waschen von Lebensmitteln. Und dann: Warten.

Knapp 17.000 Orte im "Altlastenkataster" gelistet

Im sogenannten Altlastenkataster sind alle bekannten belasteten Flächen verzeichnet und was da gerade passiert oder nicht passiert. Von der Tankstelle bis zur Chemiefabrik sind in Bayern derzeit 16.864 Orte mit Altlasten registriert. Zu finden ist das Kataster auf der Website des Bayerischen Landesamtes für Umwelt unter lfu.bayern.de.