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Gewinner in Corona-Zeiten: Bio-Produkte und die Abo-Kiste | BR24

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Xenia Borsig packt Abokisten im Landgut Schloss Hemhofen

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    Gewinner in Corona-Zeiten: Bio-Produkte und die Abo-Kiste

    Die Corona-Pandemie macht durchweg negative Schlagzeilen: steigende Kurzarbeiterzahl, Insolvenzen, Einschränkungen. Die Bio-Abo-Kiste hingegen hat ihren Umsatz kräftig steigern können. Viele legen seit Corona mehr Wert auf gesunde Ernährung.

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    Von
    • Claudia Grimmer

    In die klassische Box kommen in dieser Jahreszeit Kohlrabi, Salat, Poree, Brokkoli, aber auch Kresse, Kartoffeln, Paprika und Tomaten. Andere Abo-Kisten sind halb Gemüse und Obst, andere enthalten nur Rohkost. Im Angebot neben Knabber-Gemüse-Box eine mit leichter Kost. Doch nicht nur Obst und Gemüse werden als Abo-Kiste bestellt. Das Sortiment hat sich noch einmal in Corona-Zeiten stark erweitert: Von Eiern über Safran bis hin zu Toilettenpapier.

    Ein Anbieter in Franken: Landgut Schloss Hemhofen

    Unten im Keller des Schlosses Hemhofen (Lkr. Erlangen-Höchstadt) herrschen gerade einmal acht Grad. Josef Arlt steht vor einer Waage und packt zu Kartoffeln, Nüssen und Zwiebeln auch noch Bananen, Salat und Orangen in eine Abo-Kiste. Dann schiebt er sie weiter auf einem Rollband zu seiner Kollegin Xenia Brosig. Die gibt Eier, Getreide, Marmelade und Kakao dazu. Anschließend komplettiert die Käse-, Wurst-, Fleisch- und Geflügelabteilung die grüne Kiste, die dann in einen großen Gewölbekellerraum zu den anderen gestapelten Abo-Kisten kommt. In der nächsten Stunde wird sie der Fahrer holen und zur Kundschaft im Großraum Erlangen und Nürnberg fahren.

    Nachfrage nach Abo-Kisten doppelt so hoch

    Die Nachfrage nach Abo-Kisten, die einmal in der Woche oder einmal im Monat, aber auch nur ab und zu geliefert werden, hat sich im Landgut Schloss Hemhofen seit März fast verdoppelt. Seit 28 Jahren gibt es sie schon, doch vor allem in Corona-Zeiten ist die Nachfrage gestiegen. Die Konsequenz: Auch das Sortiment musste mitwachsen. Die Leute, so erzählt Xenia Brosig, wollen in Corona-Zeiten eher ganze Körner wie Weizen und Roggen verstärkt selber mahlen. Auch Mehlsorten wie Dinkelmehl oder auch Leinsaat waren Spitzenreiter in den Kisten. Dazu passend die entsprechenden Öle. "Es gibt jetzt auch besondere Schnäpschen, die gern gekauft werden." Und auch die Nachfrage nach heimischen Käse und Bio-Schweinefleisch ist extrem gestiegen.

    "Unser Umsatz hat sich fast verdoppelt und was uns überrascht hat ist, dass die Kunden dabeigeblieben sind." Hannah Winkler von Morenfels, Chefin Landgut Schloss Hemhofen

    Die Freude am Kochen und das Homeoffice sind Gründe

    Alle im Lockdown, ein Großteil im Homeoffice oder auch viele, die Angst vor Ansteckung haben, waren Gründe für die Zunahme der Kundschaft. Aber auch ein anderes Bewusstsein für Gesundheit und gesundes Essen. Bioware einfach online bestellen und in Kürze landet es direkt vor der Haustüre - das war und ist der einfachste Weg Kinder, Beruf zuhause und Haushalt unter einen Hut zu bringen. Zudem stieg die Freude am Kochen und da tun sich viele nun etwas Gutes und greifen zur Bioware. Für das Landgut bedeutete dies bereits im ersten Lockdown: die Logistik auszubauen, aber auch die Zahl der Beschäftigten. Es sind einige neue Fahrer dazugekommen und das Büro und die Packstation wurden personell verstärkt.

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    Die Abokiste ist voll im Trend

    Corona verstärkt den nationaler Trend

    Die Pandemie hat den Wunsch nach gesunder Ernährung verstärkt, aber auch den Wunsch regionale Anbieter zu unterstützen. Bio-Lebensmittel liegen im Trend. Laut der Gesellschaft für Konsumforschung, GfK, stieg die Nachfrage nach Lebensmitteln aus ökologischer Erzeugung in der ersten drei Monaten der Corona-Krise deutlich an. Sowohl das Informationsportal Ökolandbau als auch die Landesvereinigung für den ökologischen Landbau, LVÖ, bestätigen den Trend: "Immer mehr Menschen entscheiden sich beim Einkauf für Bio-Produkte. Insbesondere regionale Angebote sind gefragt." Dazu beigetragen hat, dass gespartes Geld aus nicht angetretenen Urlaubsreisen oder Restaurantbesuche in hochwertigere Lebensmittel investiert wurden.

    Der Umfang der ökologisch bewirtschafteten Fläche in Deutschland stieg nach Angaben des Bundeslandwirtschaftsministeriums allein im Jahr 2019 um 7,7 Prozent auf rund 1,6 Millionen Hektar. Damit wurde rund ein Zehntel der landwirtschaftliche Fläche ökologisch bewirtschaftet.

    Die Corona-Zeit brachte Aufwind für Bio

    Die Bio-Super-Markt-Kette Alnatura hat zum ersten Mal über eine Milliarde Euro im Jahr erwirtschaftet. Einhundert Millionen Euro mehr Umsatz als im Geschäftsjahr davor. Die Darmstadter Firma hat zudem Landwirte animiert auf Bio umzusteigen. Erst die Klimaschutz-Debatte und dann Corona wirkte für den Biomarkt wie ein Wachstumsschub.

    Die Menschen setzen verstärkt auf Regional, die Geschäftsführer auf kurze Lieferwege und deshalb ein Netz aus regionalen Lieferanten. Im Jahr 2020 gab es in der deutschsprachigen Bevölkerung ab 14 Jahre rund 14,02 Millionen Personen, für deren Haushalt Lebensmittel in Bioläden eingekauft wurden. Das ergab eine Allensbacher-Umfrage aus dem vergangenem Jahr. Die Zahl der angebotenen Bio-Produkte steigt nach der Statistik des Bundesamtes von Jahr zu Jahr an. Dabei profitieren aber nicht nur Abo-Kisten-Anbieter oder reine Bioläden, auch Supermärkte haben sich dem Trend angepasst und Bio ins Sortiment aufgenommen. Sie profitieren ebenfalls vom Trend.

    "Der Umsatz mit Bio-Lebensmittel erreichte im Jahr 2019 eine neue Rekordsumme. Der deutsche Lebensmittelhandel setzte mit dem Verkauf von Lebensmitteln in Bio-Qualität rund 11,97 Milliarden Euro um. In den vergangenen zehn Jahren konnte der Umsatz mit Bio-Lebensmitteln damit verdoppelt werden." Bundesamt für Statistik, 18.02.2020

    Der Green Deal von Europa

    2019 verabschiedete die Europäische Kommission den Green Deal, der zentraler Bestandteil der EU-Klimapolitik werden soll. Ziel ist es die Treibhausgase bis 2050 auf null zu reduzieren. Das beinhaltet auch Anreize zum Aufbau einer Grünen Wirtschaft und die verstärkte Förderung der ökologischen Landwirtschaft. Künftig sollen 25 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen ökologisch bewirtschaftet werden.

    "Die Strategie 'Vom Hof auf den Tisch' und die Biodiversitätsstrategie der Kommission haben unter anderem zum Ziel, den Anteil der ökologisch bewirtschafteten landwirtschaftlichen Fläche bis 2030 auf 25 Prozent zu steigern." Europäische Kommission

    Eigentlich sollte die neue Ökoverordnung bereits zum 1. Januar 2021 in Kraft treten. Auf Wunsch der Mitgliedstaaten wurde der Start auf 1. Januar 2022 verschoben.

    Der Green Deal soll für einen fairen Wettbewerb für Landwirte sorgen und das Vertrauen der Verbraucher stärken. Für 2021 plant die Kommission zusätzliche Mittel in Höhe von 40 Millionen Euro für die ökologische Landwirtschaft bereitzustellen. Mit diesen Mitteln sollen Absatzförderungsmaßnahmen und Informationskampagnen über den EU-Bio-Sektor, "zur Bewerbung seiner Qualität und zur Ankurbelung der Nachfrage kofinanziert" werden.

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