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Gewerkschaft: Strafanzeige gegen Mamminger Gemüsehof | BR24

© BR/Sarah Beham

Strafanzeige gegen Mamminger Gemüsehof: Ein Beratungsprojekt des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) will an dem durch den Corona-Ausbruch bekannt gewordenen Hof mehrere Verstöße festgestellt haben.

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Gewerkschaft: Strafanzeige gegen Mamminger Gemüsehof

Ein Beratungsprojekt des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) will am Mamminger Gemüsehof, der durch den Corona-Ausbruch bekannt wurde, mehrere Verstöße festgestellt haben. Es hat Strafanzeige gestellt. Der Landwirt schweigt dazu.

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Von
  • Sarah Beham
  • Astrid Dachs
  • BR24 Redaktion

Die Beratungsstelle "Faire Mobilität - Arbeitnehmerfreizügigkeit sozial, gerecht und aktiv" hat gegen den Mamminger Gemüsehof Strafanzeige erstattet, der wegen eines massiven Corona-Ausbruchs unter den Erntehelfern in die Schlagzeilen geriet. Das bestätigte ein Sprecher der Landshuter Staatsanwaltschaft dem BR auf Anfrage.

Sozialabgaben nicht gezahlt?

Bei der Strafanzeige gehe es darum, dass Sozialabgaben nicht richtig abgegeben wurden bzw. Arbeiter nicht gemeldet waren, so der Staatsanwaltschaftssprecher. Es werde noch nicht gegen den Hofbetreiber ermittelt, derzeit werde die Strafanzeige erst noch geprüft. Sollten sich die Vorwürfe bestätigen, müsste der Zoll eingeschaltet werden.

Kein Mindestlohn gezahlt?

Der Sprecher der Staatsanwaltschaft betonte aber auch: Bisher handle es sich nur um Vorwürfe. Weitere Vorwürfe der Beratungsstelle der Gewerkschaft DGB, die Arbeitnehmer aus den mittel- und osteuropäischen EU-Staaten bei gerechten Löhnen und fairen Arbeitsbedingungen auf dem deutschen Arbeitsmarkt unterstützen will, lauten: Den Saisonarbeitern am Mamminger Gemüsehof würden Personalausweise abgenommen, sie hätten keinen Arbeitsvertrag und seien nicht angemeldet, außerdem würden sie keinen Mindestlohn bezahlt bekommen.

Landwirt äußert sich nicht zu den Vorwürfen

Ein weiterer Vorwurf: Der Landwirt wäre gegenüber einem Saisonarbeiter handgreiflich geworden. Der Landwirt des Mamminger Gemüsehofs wollte sich auf BR-Anfrage zu den Vorwürfen nicht äußern. Dagegen bezog Friedrich Allinger von der Sozialversicherung für Landwirtschaft, Forsten und Gartenbau (SVLFG) Stellung, er ist Arbeitsbereichsleiter für Prävention in Bayern und kennt den Betrieb in Mamming.

Betriebe könnten sich Schwarzarbeit "heute nicht mehr leisten"

Allinger habe noch nichts davon gehört, dass Personalausweise abgenommen worden seien. Dass die Arbeiter keinen Arbeitsvertrag hätten, würde nicht funktionieren, so Allinger, der Zoll überprüfe das bei der Finanzkontrolle Schwarzarbeit. "Die Betriebe können sich das heutzutage nicht mehr leisten, Leute schwarz arbeiten zu lassen", so Allinger.

Betriebe müssen über alles Buch führen

Dass der Mindestlohn nicht ausgezahlt werde, erklärt Allinger wie folgt: Der Betrieb strecke Geld für Dinge des täglichen Bedarfs wie Shampoo oder Zigaretten vor, hierzu gebe es Einkaufslisten. Was verbraucht und eingekauft werde, werde vom Mindestlohn abgezogen. "Also Mindestlohn minus persönliche Ausgaben. Die Betriebe müssen über alles Buch führen. Das gibt es nicht mehr: Unter Mindestlohn arbeiten", so Allinger.

Gerüchte um Handgreiflichkeiten

Zum Vorwurf der Handgreiflichkeit sei Allinger nichts bekannt. Von der Dingolfinger Polizei heißt es zu diesem Vorwurf: "Seitens einer Körperverletzung sind uns Gerüchte zugetragen worden – hier war niemand von uns vor Ort." Es wurde keine Anzeige wegen Körperverletzung erstattet, aber die Straftat sei der Polizei über die Presse zugetragen worden und sei daher vermerkt, so der Polizeisprecher.

💡 Hintergrund:

Der Mamminger Gemüsehof geriet wegen eines massiven Corona-Ausbruchs in die Öffentlichkeit. Anfang August haben sich dort weit über 200 Erntehelfer mit dem Coronavirus infiziert. Bei dem Mamminger Hof handelt es sich um einen großen Gemüsehof, der Erdbeeren, Gurken, Kohl und Rote Bete anbaut. Bei einem weiteren Betrieb in Mamming (Mamminger Konserven) wurden ebenfalls über 200 Saisonarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet. Es gab offenbar Kontakte zwischen den Saisonarbeitskräften der beiden Mamminger Betriebe.

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