BR24 Logo
BR24 Logo
Bayern

Gewalttat in Augsburg: Wirbel um privates Video | BR24

© BR

Wie hat sich der tödliche Faustschlag gegen einen 49-jährigen Augsburger genau zugetragen? Die zufällige Videoaufnahme eines Zeugen wirft aus sicht der Verteidiger neue Fragen auf.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Gewalttat in Augsburg: Wirbel um privates Video

Nach dem Streit, der für einen Augsburger Feuerwehrmann tödlich endete, melden sich nun zwei Verteidiger der Verdächtigen zu Wort: Ein privates Dashcam-Video ist aufgetaucht. Was darauf zu sehen sei, ziehe Tatvorwürfe in Zweifel, so die Anwälte.

Per Mail sharen
Teilen

Mehrere Tage nach dem Tod eines Feuerwehrmanns auf dem Augsburger Königsplatz ist ein privates Video aufgetaucht, das für Kontroversen sorgt. Eine Taxi-Dashcam hat es aufgenommen. Es zeigt angeblich den tödlichen Schlag und was kurz vorher geschah. Mindestens zwei Verteidigern liegt es vor. Sie sprechen von einer "wechselseitigen Schubserei".

15 Sekunden Dashcam-Video

Anwalt Werner Ruisinger verteidigt im Bayerischen Rundfunk einen der festgenommen Verdächtigen. Er hat das Video gesehen, das etwa 15 Sekunden lang dauert, von schlechter Qualität sei und wohl von der Dashcam eines Taxis stammt.

Zu sehen sei eine Gruppe, die am Königsplatz herumsteht, so Ruisinger. Dann bewege sich ein Mann auf die Gruppe zu, es komme zum Handgemenge, der Mann weiche zurück. Dann sehe man, wie von der Seite ein Schlag fällt.

"Eine wechselseitige Schubserei" vor tödlichem Schlag?

Die Polizei hatte erklärt, das Opfer sei von der Gruppe umzingelt worden. Dies sei auf dem Video aber nicht zu sehen, so Ruisinger. Deshalb lasse sich der Tatvorwurf der Beihilfe zum Totschlag für seinen 19 Jahre alten Mandanten "auf keinen Fall" halten. Dafür müsse ein Tatbeitrag jedes Einzelnen zu erkennen sein. Der Haftbefehl gegen seinen Mandanten sei zu Unrecht erlassen worden, sagt der Anwalt.

Ähnlich äußert sich Klaus Rödl, der Anwalt eines weiteren Verdächtigen. Auch ihm liegt das Video vor. "Es gab offenbar eine wechselseitige Schubserei", so Rödl. Aber nicht alle standen um den Mann herum. Ein, zwei seien auch weggegangen.

Vorwurf gegen mutmaßliche Mittäter laut Anwalt nicht zu halten

Es sei wichtig, von wem die Aggression ausging, wenngleich die Tat selbst – also der tödliche Schlag durch den Haupttäter – durch nichts zu rechtfertigen sei. Auch nicht durch Notwehr, betont der Anwalt weiter.

Für die Haftbefehle gegen die anderen jungen Männer der Gruppe, allesamt gebürtige Augsburger mit teils mehreren Staatsangehörigkeiten, sei die Situation aber sehr wohl bedeutend, so Rödl. Auch er glaubt, dass das Gesehene den Tatvorwurf der Beihilfe zum Totschlag im Fall seines Mandantens in Frage stellt.

Polizei will sich zu Video vom Königsplatz nicht äußern

Beide Anwälte betonen, die Videos der polizeilichen Überwachungskameras am Königsplatz noch nicht gesehen zu haben. Akteneinsicht sei beantragt.

Die Polizei will sich zu den Äußerungen der Verteidiger und dem fraglichen Video nicht äußern und verweist auf die Staatsanwaltschaft. Die hat sich auf BR-Anfrage bislang nicht geäußert.

Feuerwehrmann mit einem Schlag getötet

Ein 49 Jahre alte Mitarbeiter der Augsburger Berufsfeuerwehr war am Freitagabend mit seiner Frau und einem befreundeten Paar auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs. Auf dem Heimweg kam es zum Streit mit einer Gruppe junger Männer. Der 49-Jährige wurde bei der Auseinandersetzung mit einem Schlag getötet, sein 50-jähriger Begleiter wurde verletzt. Die Frauen blieben körperlich unverletzt.

Bei dem 17-jährigen Hauptverdächtigen handelt es sich um einen Deutschen, der auch die türkische und die libanesische Staatsbürgerschaft besitzt. Ein weiterer Tatverdächtiger ist den Angaben zufolge Italiener, fünf Verdächtige haben laut dem Augsburger Kripo-Chef Gerhard Zintl neben der deutschen auch noch andere Staatsangehörigkeiten.