BR24 Logo
BR24 Logo
Kommunalwahlen

Gewalttat in Augsburg: Wie es für die Verdächtigen weitergeht | BR24

© BR

Nach der tödlichen Attacke auf dem Augsburger Königsplatz sind alle sieben Tatverdächtigen wieder in Untersuchungshaft. Kurz vor Weihnachten waren sechs von ihnen auf freien Fuß gesetzt worden.

Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Gewalttat in Augsburg: Wie es für die Verdächtigen weitergeht

Im Fall des getöteten 49-Jährigen in Augsburg sind sechs zwischenzeitlich freigelassene Verdächtige wieder in U-Haft. Die Entscheidung des Oberlandesgerichts München anzufechten, ist nach Angaben ihrer Anwälte schwierig.

Per Mail sharen
Teilen

Die Tat hatte ganz Deutschland erschüttert: Nach einem Besuch auf dem Augsburger Christkindlesmarkt soll eine Gruppe Jugendlicher einen 49-Jährigen angegriffen haben – der Mann kam dabei ums Leben. Insgesamt sieben junge Männer hatte die Polizei festgenommen, sechs von ihnen waren zwischenzeitlich frei gekommen. Nun sitzen wieder alle in Untersuchungshaft.

Landgericht sah keinen dringenden Tatverdacht

Erst am Montag hatten sechs der sieben Beschuldigten die Untersuchungshaft verlassen – nach einer Entscheidung des Landgerichts Augsburg. Es gab den Haftbeschwerden ihrer Anwälte statt und hob die Haftbefehle gegen die jungen Männer auf.

Nun hat das Oberlandesgericht München diese Entscheidung kassiert. Das OLG sieht einem Verteidiger zufolge bei den sechs vor Kurzem freigelassenen Verdächtigen doch Flucht- und Verdunklungsgefahr. Daher habe es die ursprünglichen Haftbefehle wegen Beihilfe zum Totschlag wieder in Kraft gesetzt, sagte Anwalt Michael Menzel.

Die sechs Beschuldigten waren am Nikolaustag auf dem Augsburger Königsplatz, als ein Siebter aus der Gruppe den 49-jährigen Feuerwehrmann mit einem Schlag getötet haben soll. Der 17-Jährige sitzt seit seiner Festnahme wegen Totschlags in U-Haft.

Anwalt: Keine vielversprechenden Mittel gegen OLG-Entscheidung

Die Jugendkammer des Landgerichts hatte für die sechs Beschuldigten, denen Beihilfe vorgeworfen wird, keinen dringenden Tatverdacht gesehen. Ein gemeinschaftliches Umzingeln des Opfers gab es demnach nicht.

Anwalt Menzel erläuterte, das OLG wolle indes wissen, wie eng der Zusammenhalt zwischen den Jugendlichen und jungen Männern gewesen sei und ob es doch eine Gruppendynamik gegeben habe. Dafür wolle es die weiteren Ermittlungen abwarten.

Sein Kollege, der Verteidiger Helmut Linck, betonte, das Oberlandesgericht sei offenbar der Auffassung, dass der momentane Stand der Ermittlungen ausreiche, um den dringenden Tatverdacht der Beihilfe zum Totschlag zu bejahen.

Linck vertritt einen inzwischen 18-jährigen Beschuldigten. Er sieht im Moment keine Möglichkeit, die Entscheidung des Oberlandesgerichts München anzufechten. Dem BR sagte Linck, zum jetzigen Zeitpunkt gehe er davon aus, dass keine vielversprechenden Mittel zur Verfügung stünden.

Hohe Hürden für Gang nach Karlsruhe

Ein weiterer Anwalt der sechs zwischenzeitlich freigekommenen Beschuldigten hatte angekündigt, Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe prüfen zu wollen. Doch die Hürden dafür seien hoch, meint auch Anwalt Ulrich Swoboda. Auch er vertritt einen der sechs jungen Männer.

Swoboda sprach davon, dass dieser Weg extrem schwierig sei. Für den Gang nach Karlsruhe müsse man einen Verfassungsrechtler mit ins Boot holen.

Offizielle Begründung des OLG steht noch aus

Somit sieht es derzeit danach aus, dass neben dem 17-jährigen Hauptverdächtigen auch die anderen sechs Beschuldigten in Untersuchungshaft bleiben - und sich dann vor Gericht verantworten müssen, sollte dieses die Anklage der Staatsanwaltschaft zulassen.

Die offizielle Begründung des OLG steht derweil noch aus – und auch die Augsburger Staatsanwaltschaft will sich erst am Montag zu den neuen Entwicklungen in dem Fall äußern.

© BR

BR-Reporter Andreas Herz zu der Entscheidung des Oberlandesgerichts München sechs Verdächtige wieder in Untersuchungshaft zu nehmen.