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Gewalttat in Augsburg: Staatsanwaltschaft widerspricht Anwälten | BR24

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Nach dem Streit, der für einen Augsburger Feuerwehrmann tödlich endete, melden sich nun zwei Verteidiger der Verdächtigen zu Wort: Ein privates Dashcam-Video ist aufgetaucht. Was darauf zu sehen sei, ziehe Tatvorwürfe in Zweifel, so die Anwälte.

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Gewalttat in Augsburg: Staatsanwaltschaft widerspricht Anwälten

Wirbel um ein Video, das die tödliche Attacke auf einen Feuerwehrmann in Augsburg zeigen soll: Wegen der Dashcam-Aufnahme ziehen Anwälte zweier Tatverdächtiger die Haftbefehle in Zweifel. Die Staatsanwaltschaft reagiert prompt.

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Nach der tödlichen Attacke auf einen 49-Jährigen in Augsburg hat die Kripo auch eine Dashcam ausgewertet, die die Gewalttat aufgezeichnet hatte. Das betonte die Staatsanwaltschaft, nachdem Anwälte von zwei Tatverdächtigen wegen des Videos Zweifel an den Ermittlungen geäußert hatten.

Der 49-jährige Feuerwehrmann war am Freitagabend bei einem Streit mit einer Gruppe junger Männer auf dem Augsburger Königsplatz getötet worden. Ein 17-Jähriger, der das Opfer mit einem Schlag gegen den Kopf getötet haben soll, sitzt wegen Totschlags in Untersuchungshaft. Gegen sechs weitere Jugendliche beziehungsweise junge Männer wurden Haftbefehle wegen Beihilfe zum Totschlag erlassen.

Verteidiger äußern Zweifel an Ermittlungen

Anwalt Werner Ruisinger hat nach eigenen Angaben das Video gesehen, das etwa 15 Sekunden lang dauert und von der Dashcam eines Taxis stammt. Darauf sei nicht erkennbar, dass das Opfer von den Jugendlichen umzingelt worden sei, wie dies von der Polizei dargestellt werde, sagte Ruisinger dem BR. Deshalb lasse sich der Tatvorwurf der Beihilfe zum Totschlag für seinen 19 Jahre alten Mandanten "auf keinen Fall" halten. Dafür müsse ein Tatbeitrag jedes Einzelnen zu erkennen sein. Der Haftbefehl gegen seinen Mandanten sei zu Unrecht erlassen worden, sagte der Anwalt.

Das Video zeige eine andere Situation als im Haftbefehl geschildert, sagte auch der Anwalt Klaus Rödl, der ebenfalls einen der Tatverdächtigen vertritt. "Es gab offenbar eine wechselseitige Schubserei", so Rödl. Aber nicht alle standen um den Mann herum. Ein, zwei seien auch weggegangen. Es sei wichtig, von wem die Aggression ausging, wenngleich die Tat selbst – also der tödliche Schlag durch den Haupttäter – durch nichts zu rechtfertigen sei. Auch nicht durch Notwehr, betonte der Anwalt weiter.

Staatsanwaltschaft: Video ist "nur ein Ausschnitt"

Die Augsburger Staatsanwaltschaft teilte mit, dass das Dashcam-Video bekannt und in die Ermittlungen eingeflossen sei. Aber ein einzelnes Video sei "nur ein Ausschnitt und zeigt nicht unbedingt alles", erklärte Oberstaatsanwalt Matthias Nickolai. Er verwies auch auf die Auswertung der Videoüberwachung am Königsplatz sowie weitere Erkenntnisse, etwa durch Zeugenaussagen. Auf die Gesamtbetrachtung stützten sich die Haftbefehle, die eine Jugendermittlungsrichterin erlassen habe.

Die Ermittler seien mit dem ihnen vorliegenden Material zum Ergebnis gekommen, dass sich beim Hauptverdächtigen der dringende Verdacht des Totschlags und der gefährlichen Körperverletzung ergebe. "Bei den anderen sechs Beteiligten besteht der dringende Tatverdacht der Beihilfe zum Totschlag und der gemeinschaftlich begangenen gefährlichen Körperverletzung", erklärt Nickolai weiter. Dass der Tatvorwurf der Beihilfe zum Totschlag gegen einen 19-Jährigen "auf keinen Fall" haltbar sei, wie es dessen Anwalt Ruisinger erklärt hat, sieht die Staatsanwaltschaft damit anders.

Die Anwälte Ruisinger und Rödl betonen, die Videos der polizeilichen Überwachungskameras am Königsplatz noch nicht gesehen zu haben. Akteneinsicht sei beantragt.