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Gewalttat in Augsburg: Sechs Verdächtige aus U-Haft entlassen | BR24

© BR/Barbara Leinfelder

Das Landgericht Augsburg hat die Haftbefehle gegen sechs Verdächtige, die am Nikolaustag bei der Gewalttat am Augsburger Königsplatz dabei waren, aufgehoben. Die Männer seien bereits auf freiem Fuß. Jetzt ist nur noch der Hauptverdächtige in Haft.

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Gewalttat in Augsburg: Sechs Verdächtige aus U-Haft entlassen

Das Landgericht Augsburg hat die Haftbefehle gegen sechs Verdächtige, die am Nikolaustag bei der Gewalttat am Augsburger Königsplatz dabei waren, aufgehoben. Die Männer seien bereits auf freiem Fuß. Jetzt ist nur noch der Hauptverdächtige in Haft.

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Die Jugendkammer des Augsburger Landgerichts hat nach entsprechender Prüfung der Haftbeschwerden sechs Haftbefehle im Augsburger Tötungsdeliktverfahren aufgehoben. Sechs von sieben ursprünglich Festgenommenen seien damit wieder auf freiem Fuß, so Landgerichtssprecher Christian Engelsberger.

Augsburger Landgericht: Spontane Handlung eines Einzelnen

Die Jugendkammer sieht auf der Basis der bisherigen Erkenntnisse, Beweismittel und Videoaufnahmen bei keinem der sechs Beschuldigten den dringenden Tatverdacht der Beihilfe zum Totschlag. Laut Gericht handelte es sich bei dem tödlichen Schlag gegen den Kopf des 49-jährigen Opfers vielmehr um "eine spontane, sofort abgeschlossene Handlung des siebten Mannes". Der 17 Jahre alte Hauptverdächtige sitzt noch in Untersuchungshaft.

Das Gericht sah bei einem Teil der Beschuldigten, die sich in unmittelbarer Nähe des Tatorts befanden, keinen Vorsatz. Ein gemeinschaftliches "Umzingeln" des Opfers sei nicht festzustellen, so das Gericht. Den Beschuldigten sei keine objektive Beihilfe vorzuwerfen.

Keine Flucht- oder Verdunkelungsgefahr

Im Fall des verletzten Begleiters des Opfers sei bei zwei Beschuldigten der dringende Tatverdacht der gefährlichen Körperverletzung gegeben. Die Kammer geht hier allerdings nicht von einer Flucht- oder Verdunkelungsgefahr aus, die eine Inhaftierung rechtfertigen würde, so Landgerichtssprecher Engelsberger.

Anwalt eines Verdächtigen lobt Augsburger Landgericht

Anwalt Klaus Rödl, der einen der jungen Männer vertritt, sagte dem BR, er habe "vollen Respekt vor der Entscheidung des Landgerichts, welche offensichtlich allein aufgrund der Rechtslage und nicht beeinflusst von dem Druck der öffentlichen Meinung" ergangen sei.

Staatsanwaltschaft prüft Entscheidung

Die Augsburger Staatsanwaltschaft hatte den Männern, die jetzt aus der Haft entlassen worden sind, Beihilfe zum Totschlag und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen und wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr Haftbefehl beantragt. Dass die Jugendkammer sechs der Haftbefehle aufgehoben hat, hat die Staatsanwaltschaft "zur Kenntnis genommen", sagte Sprecher Matthias Nickolai: "Es ist nichts Ungewöhnliches, dass es bei der strafrechtlichen Bewertung von Sachverhalten unterschiedliche Einschätzungen gibt, insbesondere wenn es sich um die subjektive Tatseite, also die Vorstellung von Beschuldigten bei der Tat geht. Daher prüfen wir die Erfolgsaussichten von Rechtsbehelfen." Grundsätzlich kann die Staatsanwaltschaft das Oberlandesgericht anrufen, um Entscheidungen des Landgerichts überprüfen zu lassen.

Tödlicher Schlag am Königsplatz

Die tödliche Attacke hatte sich am Nikolausabend in der Augsburger Innenstadt ereignet. Dort war ein 49-Jähriger mit seiner Frau und einem befreundeten Paar unterwegs. Am Königsplatz kam es zu einem Streit mit einer Gruppe junger Männer. Der 49-Jährige wurde bei der Auseinandersetzung mit einem Schlag getötet, sein 50-jähriger Begleiter wurde verletzt. Die Frauen blieben körperlich unverletzt.

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Gut zwei Wochen nach der tödlichen Attacke auf einen Feuerwehrmann auf dem Augsburger Königsplatz hat das Landgericht Augsburg die Haftbefehle gegen sechs der sieben Tatverdächtigen aufgehoben. Ihre Anwälte hatten Haftbeschwerde eingelegt.