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Bildrechte: BR / Lilian Landesvatter

Wie schützt man Kinder vor Cybermobbing oder Pornographie auf dem Smartphone? Digitalministerin Gerlach hat gemeinsam mit der Polizei eine bayernweite Aufklärungs-Kampagne gestartet. Ein Beispiel aus Aschaffenburg.

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Gewalt und Pornos auf Schüler-Handys: Polizei-Kampagne gestartet

Auf Handys von Kindern landen immer häufiger gewaltverherrlichende oder pornografische Inhalte. Deshalb haben die Polizei Unterfranken und Digitalministerin Gerlach in Aschaffenburg eine bayernweite Präventionskampagne gestartet.

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Von
  • BR24 Redaktion
  • Lilian Landesvatter

10.15 Uhr an der Maria-Ward-Schule in Aschaffenburg: Die 18-jährige Madeleine ist am Gymnasium und hat Präsenzunterricht. Jetzt zur Pause checkt sie erstmal auf ihrem Handy, ob sich ihre Freundinnen gemeldet haben oder neue Bilder auf Instagram sind. Madeleine weiß aber auch dass Ungeahntes plötzlich auf ihrem Handy aufploppen kann.

Als sie 14 Jahre alt war, hat sie von einer fremden Nummer ein pornographisches Bild geschickt bekommen, völlig unvermittelt. Heute ist sie 18 und kann mit Abstand auf ihre unangenehme Erfahrung blicken. „Ich habe mich damals in erster Linie belästigt gefühlt. Verunsichert, weil ich zunächst nicht unbedingt wusste, was man da jetzt macht. Und weil ich auch nicht damit gerechnet hatte - weil kein Mädchen in dem Alter damit rechnet“, sagt Madeleine.

Präventionskampagne startet in Unterfranken

Pornografie, Gewalt und Cybermobbing auf dem Smartphone – die bayernweite Präventionskampagne „DEIN Smartphone – DEINE Entscheidung“ soll Kinder besser davor schützen. Neben der Polizei Unterfranken begleitet auch Digitalministerin Judith Gerlach aus Aschaffenburg den Start der Kampagne. „Unsere Kinder werden zunehmend in einer digitalen Welt groß. Aber nur, weil sie "digital natives" sind (mit dem Internet aufgewachsen), heißt das nicht automatisch, dass sie auch mit den Herausforderungen der digitalen Welt gleich klar kommen“, so die Digitalministerin. Daher sei es wichtig, Eltern für Risiken im Netz zu sensibilisieren und Kinder aufzuklären.

Gefährliche Inhalte auf dem Smartphone nehmen zu

Immer häufiger verbreiten sich gefährliche Inhalte über Schüler-Handys, zum Beispiel Pornografie. „In Unterfranken gibt es fast jede Woche einen solchen Fall“, sagt Polizeipräsident Gerhard Kallert. Aber allein der Besitz von beispielsweise kinderpornografischem Material sei bereits strafbar. Momentan laufe dazu bundesweit sogar eine Strafverschärfung. „Das ist im Bewusstsein natürlich insbesondere der Kinder und Jugendlichen so noch nicht angekommen“, so Polizeipräsident Kallert. Die Motivation sei daher, aktiv zu werden, bevor sich Jugendliche strafbar machten.

Aufklärungs-Unterricht für 4. und 5. Klassen

Künftig geplant ist auch, dass Präventionsbeamte der Polizei Schülerinnen und Schüler der fünften Klasse zu dem Thema aufklären. Marcus Nendel ist einer von sechs Experten der Polizeiinspektion Aschaffenburg, der für die Unterrichtseinheiten zuständig ist.

„Wir werden den Kindern Beispiele zeigen, sie Aufgaben lösen lassen. Aber auch zum Beispiel Bilder von ihnen fertigen, die wir dann ein bisschen verunstalten. Und dann fragen wir die Kinder, ob es ihnen recht wäre, wenn man diese Bilder im Internet veröffentlichen würde. Die Antwort ist klar - das wollen sie natürlich nicht“, so Nendel.

Der Unterricht soll an vierten und fünften Klassen stattfinden. Denn gerade zum Übertritt an die weiterführenden Schulen, werden die Kinder oft mit Smartphones ausgerüstet, weiß Präventionsbeamter Nendel. Die Erfahrung im Umgang mit dem Handy und dem Internet fehle dann aber oft noch.

Opfer würden sich oft schämen, für das was sie geschickt bekommen, meint Digitalministerin Gerlach. Madeleine hat es damals geschafft sich ihren Eltern anzuvertrauen, als sie plötzlich ein pornografisches Bild auf dem Handy hatte. Sie hat den Fall gemeldet. Und konnte ihn so für sich abschließen.

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