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Gewalt im Ankerzentrum: Security-Firma spricht von Konsequenzen | BR24

© picture alliance/Andriy Popov

Im Bamberger Ankerzentrum soll ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes gewaltsam gegen einen Asylbewerber vorgegangen sein (Symbolbild)

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    Gewalt im Ankerzentrum: Security-Firma spricht von Konsequenzen

    Ein Video dokumentiert den Übergriff von Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes Fair Guards Security auf einen Asylbewerber im Bamberger Ankerzentrum. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft und im Unternehmen ist von personellen Konsequenzen die Rede.

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    Der Bayerische Flüchtlingsrat hatte ein Gewaltvideo aus dem Ankerzentrum in Bamberg veröffentlicht und Anzeige gegen einen Sicherheitsmitarbeiter erstattet. Auch die Regierung von Oberfranken hatte die Polizei eingeschaltet, die Staatsanwaltschaft ermittelt. Nachdem sie Anfragen des BR zunächst unbeantwortet ließ, hat sich jetzt auch die betroffene Sicherheitsfirma Fair Guards Security zu dem Vorfall geäußert.

    Fair Guards Security: "Arbeiten den Vorgang intern auf"

    Man arbeite den Vorgang "selbstverständlich" intern auf, heißt es. Je nach Ausgang der Ermittlungen, schließe man personelle Maßnahmen nicht aus. Weitere Angaben wolle er wegen laufender Ermittlungen nicht machen, teilte der Geschäftsführer von Fair Guards Security, Stefan Ketterer, in einer Nachricht an den BR mit.

    Ermittlungen wegen gefährlicher Körperverletzung im Ankerzentrum

    Die Staatsanwaltschaft in Bamberg ermittelt unterdessen wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung gegen einen namentlich bekannten Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes. Der Vorfall hat sich laut Staatsanwaltschaft am 26. Februar 2019 im Bamberger Ankerzentrum ereignet. Er sei der Behörde erst Ende Juni 2020 bekannt geworden, nachdem der Bayerische Flüchtlingsrat ein Handyvideo veröffentlichte, das den mutmaßlichen Übergriff zeigt.

    Video zeigt Übergriff von Security-Mitarbeitern auf Asylbewerber

    Auf dem Video ist zu sehen, wie ein Bewohner der Flüchtlingsunterkunft von mehreren Sicherheitsleuten festgehalten wird. Einer der Wachleute stößt dann den halb am Boden liegenden Mann mit dem Knie in Richtung des Kopfes. Dabei kippt der Bewohner mit dem Oberkörper nach hinten. Danach wird er von den Sicherheitsleuten in Bauchlage gebracht, offenbar um fixiert zu werden.

    Anlass für den Konflikt soll laut Bayerischem Flüchtlingsrat gewesen sein, dass der Bewohner sein Essen entsprechend seiner kulturellen Gewohnheit auf dem Boden und nicht am Tisch einnehmen wollte.

    Staatsanwaltschaft ermittelt mehrfach gegen Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes

    Der Vorfall ist nicht der erste dieser Art im Bamberger Ankerzentrum. Bereits im September 2017 kam es zwischen Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes und Bewohnern zu einer Auseinandersetzung in der Kantine der Einrichtung. Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen mehrere Security-Mitarbeiter wegen gefährlicher Körperverletzung.

    Die Ermittlungen wurden jedoch im Sommer 2018 eingestellt, "da ein Tatnachweis nicht mit der für eine Anklageerhebung erforderlichen Wahrscheinlichkeit geführt werden könne". Gegen diese Einschätzung hatte ein ehemaliger Bewohner Mitte Juni 2020 Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht eingelegt.

    Fair Guards Security wegen Rechtsstreit weiter aktiv

    Trotz diverser Ermittlungen gegen Mitarbeiter von Fair Guards Security blieb der Sicherheitsdienst über die zunächst festgelegte Vertragslaufzeit hinaus im Ankerzentrum Bamberg aktiv. Grund ist ein Rechtsstreit zwischen dem Freistaat und einem weiteren Bewerber.

    Das auf dem früheren US-Gelände in Bamberg entstandene Ankerzentrum ist die erste Anlaufstelle für Asylbewerber in Oberfranken. Es ist eines von bundesweit acht Ankerzentren. Die Abkürzung Anker steht für Ankunft, Entscheidung und Rückführung.

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