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Gewalt im Ankerzentrum Bamberg: Staatsanwaltschaft ermittelt | BR24

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Die Staatsanwaltschaft Bamberg ermittelt gegen den Mitarbeiter einer Security-Firma. Der Mann soll im Februar vergangenen Jahres im Bamberger Ankerzentrum auf einen Asylbewerber eingetreten haben, der bereits am Boden lag.

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Gewalt im Ankerzentrum Bamberg: Staatsanwaltschaft ermittelt

Die Staatsanwaltschaft Bamberg ermittelt gegen einen Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes Fair Guards Security. Grund ist ein Video, das einen Übergriff des Mannes auf einen Asylbewerber im Bamberger Ankerzentrum zeigen soll.

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Nachdem der Bayerische Flüchtlingsrat ein Handyvideo veröffentlicht und Anzeige erstattet hatte, ermittelt nun die Staatsanwaltschaft in Bamberg wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung gegen einen namentlich bekannten Mitarbeiter der Firma Fair Guards Security.

Security tritt in Bamberg auf Asylbewerber ein

Der Vorfall hat sich laut Staatsanwaltschaft am 26. Februar 2019 im Ankerzentrum in Bamberg ereignet. Er sei der Behörde bisher nicht bekannt gewesen, teilte Andre Libischer von der Staatsanwaltschaft dem Bayerischen Rundfunk auf Anfrage mit. Das Video zeigt, wie ein Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes auf dem Außengelände des Ankerzentrums in Bamberg auf einen Asylbewerber eintritt, der bereits am Boden liegt. Anlass für den Konflikt soll laut dem Bayerischen Flüchtlingsrat gewesen sein, dass der Bewohner sein Essen entsprechend seiner kulturellen Gewohnheit auf dem Boden einnehmen wollte. Die Regierung von Oberfranken erklärte bereits, den Mitarbeiter bis zur Klärung des Falles nicht mehr im Bamberger Ankerzentrum arbeiten zu lassen.

Flüchtlingsrat rechnet mit weiteren Übergriffen im Ankerzentrum

Die Sicherheitsfirma Fair Guards hat sich bisher gegenüber dem Bayerischen Rundfunk nicht zu Vorwürfen geäußert. Das Video sei dem Bayerischen Flüchtlingsrat über den Nachrichtendienst WhatsApp von Geflüchteten zugespielt worden, sagte Thomas Bollwein vom Bayerischen Flüchtlingsrat. Die Flüchtlings-Hilfsorganisation geht davon aus, dass es noch mehr Fälle von Gewalt durch den Sicherheitsdienst in Bamberg gibt. Das Problem sei jedoch, dass betroffene Bewohner meist Angst hätten, Anzeige zu erstatten, so Bollwein weiter.

Staatsanwaltschaft ermittelt mehrfach gegen Mitarbeiter von Fair Guards Security

Bereits im September 2017 kam es im Ankerzentrum Bamberg zwischen Sicherheitsmitarbeitern und Bewohnern zu einer Auseinandersetzung in der Kantine der Einrichtung. Die Staatsanwaltschaft ermittelte gegen mehrere Security-Mitarbeiter wegen gefährlicher Körperverletzung. Die Ermittlungen wurden jedoch im Sommer 2018 eingestellt, "da ein Tatnachweis nicht mit der für eine Anklageerhebung erforderlichen Wahrscheinlichkeit geführt werden könne," teilte ein Sprecher des Oberlandesgerichtes mit.

Früherer Bewohner des Ankerzentrums legt Verfassungsbeschwerde ein

In der Begründung des Oberlandesgerichts heißt es außerdem, dass an der Richtigkeit der Aussagen eines mutmaßlichen Opfers und zweier Zeugen "erhebliche Zweifel" bestünden. So habe man etwa keine entsprechenden Verletzungen bei dem Mann feststellen können. Daraufhin hatte der ehemalige Bewohner Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht gegen die Einschätzung des Oberlandesgerichtes eingelegt. Der Asylbewerber und sein Anwalt wollen erreichen, dass doch noch Anklage gegen die Sicherheitsmitarbeiter erhoben wird.

Fair Guards Security wegen Rechtsstreits weiter aktiv

Trotz diverser Ermittlungen gegen Mitarbeiter von Fair Guards Security blieb der Sicherheitsdienst über die zunächst festgelegte Vertragslaufzeit hinaus im Ankerzentrum Bamberg aktiv. Grund ist ein Rechtsstreit zwischen dem Freistaat und einem weiteren Bewerber.

Das auf dem früheren US-Gelände in Bamberg entstandene Ankerzentrum ist die erste Anlaufstelle für Asylbewerber in Oberfranken. Es ist eines von bundesweit acht Ankerzentren. Die Abkürzung Anker steht für Ankunft, Entscheidung und Rückführung.

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