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Gewalt im Ankerzentrum Bamberg: Regierung äußert sich | BR24

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Die Staatsanwaltschaft Bamberg ermittelt gegen den Mitarbeiter einer Security-Firma. Der Mann soll im Februar vergangenen Jahres im Bamberger Ankerzentrum auf einen Asylbewerber eingetreten haben, der bereits am Boden lag.

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Gewalt im Ankerzentrum Bamberg: Regierung äußert sich

Der Bayerische Flüchtlingsrat hat ein Video veröffentlicht. Es soll einen gewaltsamen Übergriff eines Security-Mitarbeiters auf einen Asylbewerber im Bamberger Ankerzentrum zeigen. Die Regierung von Oberfranken zieht jetzt erste Konsequenzen.

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Wie die Regierung von Oberfranken auf Nachfrage des Bayerischen Rundfunks mitteilt, lag ihr das vom Bayerischen Flüchtlingsrat veröffentlichte Video zunächst nicht vor. Es zeigt, wie ein Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes in der Bamberger Unterkunft für Flüchtlinge auf einen Asylbewerber eintritt, der bereits am Boden liegt.

Regierung: Sicherheitsdienst musste einschreiten

Dem Video sei ein schon länger öffentlich bekannter Vorfall im Bereich des Speisesaals des Ankerzentrums, nahe der Essensausgabe, mit dem betreffenden Asylbewerber vorausgegangen, so die Regierung weiter. Dort habe der Sicherheitsdienst einschreiten müssen. Der Bayerische Flüchtlingsrat hatte hingegen davon gesprochen, dass der Asylbewerber angegriffen wurde, weil er entsprechend seiner kulturellen Gepflogenheiten eine Mahlzeit nicht am Tisch, sondern auf dem Boden sitzend einnehmen wollte.

Regierung leitet Video aus Bamberger Ankerzentrum an Polizei weiter

Das Video zeige aber eine sich daran anschließende Szene im Freien, die der Behörde bisher nicht bekannt gewesen sei, so die Regierung von Oberfranken. Eine Sprecherin sagte weiter, da die Regierung Vorwürfe möglicher Gewaltanwendung sehr ernst nehme, werde sie in Zusammenarbeit mit den Strafverfolgungsbehörden prüfen, ob das Video neue Erkenntnisse liefere. Die Regierung von Oberfranken habe das Video deshalb umgehend der für die Anker-Einrichtung Bamberg zuständigen Polizeidienststelle zugeleitet. Der betreffende Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes soll bis zur Klärung des Falls nicht mehr in der Einrichtung eingesetzt werden.

Flüchtlingsrat übergibt Handyvideo der Staatsanwaltschaft

Der Bayerische Flüchtlingsrat hatte zuvor Anzeige gegen den bisher unbekannten Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes im Ankerzentrum Bamberg erstattet. Dazu hatte der Rat ein Handyvideo veröffentlicht und der Staatsanwaltschaft Bamberg übergeben. Es soll als Beweismaterial dienen. Auf dem Video ist zunächst zu sehen, wie ein Bewohner der Flüchtlingsunterkunft von mehreren Sicherheitsleuten festgehalten wird. Einer der Wachleute stößt dann den halb am Boden liegenden Mann mit dem Knie in Richtung des Kopfes. Dabei kippt der Bewohner mit dem Oberkörper nach hinten. Danach wird er von den Sicherheitsleuten in Bauchlage gebracht, offenbar um fixiert zu werden.

Viele Vorwürfe gegen Security-Mitarbeiter am Ankerzentrum

In den vergangenen Monaten und Jahren wurden schon mehrere gewaltsame Übergriffe von Mitarbeitern des Sicherheitsdienstes auf Asylbewerber gemeldet. Unter anderem legte ein ehemaliger Bewohner des Bamberger Ankerzentrums im Februar 2020 Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein. Die Beschwerde richtet sich gegen ein Urteil des Oberlandesgerichtes Bamberg, das einen mutmaßlich gewalttätigen Security-Mitarbeiter aus Mangel an Beweisen nicht angeklagt hatte.

Die auf dem früheren US-Gelände in Bamberg entstandene Anker-Einrichtung ist die erste Anlaufstelle für Asylbewerber in Oberfranken. Es ist eines von bundesweit acht Ankerzentren. Die Abkürzung Anker steht für Ankunft, Entscheidung und Rückführung.

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Neue Vorwürfe gegen Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes am Ankerzentrum in Bamberg. Ein Video soll einen Übergriff auf einen Asylbewerber zeigen.

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