Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Bespuckt, bedroht, geschlagen: Gewalt gegen Polizisten nimmt zu | BR24

© BR

Die Gewalt gegen Polizisten in Bayern hat im vergangenen Jahr erneut zugenommen. 2018 registriert Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sogar einen neuen Höchststand seit Beginn der Aufzeichnungen vor neun Jahren.

9
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Bespuckt, bedroht, geschlagen: Gewalt gegen Polizisten nimmt zu

Die Gewalt gegen Polizisten in Bayern hat im vergangenen Jahr erneut zugenommen. Mit 7.689 Fällen wurde 2018 sogar ein neuer Höchstwert registriert. Bayerns Innenminister Herrmann hat daher angekündigt, die Ausrüstung der Polizei zu verbessern.

9
Per Mail sharen
Teilen

Insgesamt wurden laut Innenministerium bayernweit im vergangen Jahr knapp 7.700 Fälle von verbaler oder körperlicher Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten erfasst. Rund 17.400 Polizeibeamte wurden beleidigt, bespuckt, bedroht, geschlagen oder verletzt. Darunter waren knapp 4.400 Gewaltdelikte inklusive elf versuchter Tötungsdelikte.

Ein solches Ausmaß an Hass und Gewalt gegen Einsatzkräfte sei absolut inakzeptabel, so Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bei der Vorstellung der Zahlen. Insgesamt wurden mehr als 2.500 Beamte verletzt - ebenfalls ein neuer Höchststand.

Angreifer hauptsächlich junge Männer

Den größten Anteil der Straftaten machen der auf Initiative Bayerns ins Strafgesetzbuch aufgenommene "Tätliche Angriff", Widerstände gegen Polizeivollzugsbeamte und Beleidigungen aus. Die Tatverdächtigen waren zu knapp 90 Prozent Männer - zwei Drittel standen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss. Dabei finden die meisten Übergriffe abends, nachts oder am Wochenende statt.

"Wir erkennen auch, dass das ein Männerphänomen ist - überwiegend junge Männer - und wir haben einen unübersehbar steigenden Anteil im Ausländer-, vor allem im Zuwandererbereich." Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann

So wurden 2018 insgesamt rund 800 tatverdächtige Zuwanderer erfasst – im Vorjahr waren es rund 630.

Bestmöglicher Schutz für Polizisten

Herrmann bekräftigte, dass Polizeibeamtinnen und Beamte bestmöglich geschützt werden müssten. Rund 100 Millionen Euro seien dafür in den letzten Jahren ausgegeben worden. Neben neuen Uniformen wurden neue Schutzausrüstungen sowie Einsatzstöcke angeschafft. Außerdem werde die Bayerische Polizei bis Herbst mit rund 1.400 BodyCams ausgestattet.

"Jeder Angriff gegen unsere Polizistinnen und Polizisten ist ein Angriff gegen unsere Gesellschaft und unsere demokratischen Grundwerte. Das dürfen und werden wir nicht dulden." Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann

Deshalb werde die Ausrüstung kontinuierlich verbessert.

SPD fordert mehr Beamte in Polizei und Justiz

Damit ist auch die Opposition zufrieden. Ebenso bei der Strafverfolgung der Täter, sagt der innenpolitische Sprecher der Landtags-SPD, Stefan Schuster.

"Die Gesetze sind ausreichend, aber es fehlt das Personal bei der Polizei und der Justiz, um die Täter zur Rechenschaft zu ziehen. Also wäre unsere Forderung: Mehr Personal bei der Polizei und bei der Justiz." Stefan Schuster, innenpolitischer Sprecher der SPD Fraktion im Landtag

Wer Polizisten attackiert, greift unseren Staat an, darin sind sich alle einig.

"Polizeibeamte haben die Anfeindungen satt"

"Die Akzeptanz der staatlichen Autorität ist gesunken", stellt der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft Rainer Nachtigall fest. Auch Einsatzkräfte der Feuerwehr und Rettungskräfte würden vermehrt angegangen - vermutlich weil sie als Uniformträger pauschal mit den Polizeibeamten in einen Topf geworfen würden, mutmaßt Nachtigall.

Insbesondere die Polizeibeamten, die tagtäglich auf Streife und permanent Anfeindungen ausgesetzt sind, hätten dies inzwischen satt. Die meisten seien anders als früher deshalb auch nicht mehr bereit, über kleinere Beleidigungen hinwegzusehen und brächten diese mittlerweile zur Anzeige.

© BR

"Die Polizisten haben den Alltagswahnsinn satt", so der Landesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft

Auch Gewalt durch Polizisten steigt

Aber nicht nur die Zahl der Übergriffe auf Polizisten ist gestiegen. Laut Statistik des Bayerischen Landeskriminalamtes (BLKA) gab es 2018 auch mehr Ermittlungen gegen Polizisten, die gewalttätig geworden sind. In rund 380 Fällen wurde wegen Körperverletzungsdelikten ermittelt. Dabei konnte laut BLKA in 28 Fällen ein rechtswidriges Verhalten im Rahmen der polizeilichen Ermittlungen festgestellt werden. Im Jahr 2017 waren es noch 272 Fälle, von denen 43 Mal ein rechtswidriges Verhalten festgestellt wurde.