BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Gewalt gegen Polizei und Retter in Bayern nimmt weiter zu | BR24

© BR

Gewalt gegen Polizei und Retter nimmt weiter zu

67
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Gewalt gegen Polizei und Retter in Bayern nimmt weiter zu

Tendenz weiter steigend: Im Freistaat gibt es mehr Gewalt gegen Polizeibeamte und Angehörige der Rettungskräfte. Das zeigt der Blick in die Statistiken, noch bevor Innenminister Herrmann Zahlen zur "Gewalt gegen Polizeibeamte in Bayern" präsentiert.

67
Per Mail sharen

Die vor einer Woche (28. Mai) veröffentlichten bundesweiten Zahlen waren deutlich: "Jeden Tag werden in Deutschland durchschnittlich 200 Polizistinnen und Polizisten Opfer von Gewalt", resümierte BKA-Präsident Holger Münch. 2019 zählten die Behörden bundesweit 36.126 Fälle. Das sind fast 3.000 Fälle (8,6 Prozent) mehr als im Vorjahr, so das aktuelle Lagebild des Bundeskriminalamtes (BKA) in Wiesbaden.

Demnach wurden 69.466 Polizisten Opfer von Widerstandshandlungen und tätlichen Angriffen, das waren 5,4 Prozent mehr als 2018. Für den Straftatbestand "Widerstand gegen und tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte und gleichstehende Personen" sieht das Gesetz Haftstrafen von bis zu fünf Jahren vor.

Bayerische Zahlen werden 2019 neuen Höchststand erreichen

Die aktuellen bayerischen Zahlen werden für 2019 auch wieder Höchststände erreichen, so ein Sprecher des Bayerischen Innenministeriums gegenüber dem Bayerischen Rundfunk. So ist im Freistaat die Zahl der verletzten Polizeibeamten aktuell um 30 auf 2.600 gestiegen, davon 20 Schwerverletzte. Weitere Zahlen will Innenminister Joachim Herrmann am Vormittag vorstellen, zusammen mit einem Maßnahmenpaket zum besseren Schutz von Polizisten.

Im letzten Erhebungsjahr 2018 wurden in Bayern 17.367 Polizistinnen und Polizisten bespuckt, bedroht oder geschlagen.

Polizisten dankbar für schnelle Justiz und Body-Cams

In der aktuellen Statistik noch nicht messbar ist die Einführung der 1.400 Body-Cams, den kleinen Kameras, die Polizisten seit Ende letzten Jahres direkt am Körper tragen können. Die ersten Erfahrungen seien aber sehr gut, heißt es aus dem Ministerium. Potentielle Angreifer würden von den Kameras abgeschreckt.

Auch auf Seiten der Justiz gebe es Verbesserungen, die der Polizeiarbeit zugutekommen. Strafverfahren würden schneller und konsequenter geführt und vor Gericht gebracht. Ein Autofahrer, der auf der Flucht vor einer Kontrolle einen Polizisten mitgeschleift hatte, wurde so etwa bereits eineinhalb Monate nach der Tat unter anderem zu einer Bewährungsstrafe und Führerscheinentzug verurteilt.

Polizeigewerkschaften: weniger Alkohol-Aggression in Corona-Zeiten

Zu Polizeieinsätzen während des Corona-bedingten Lockdowns liegen dem Innenministerium noch keine Zahlen vor. Die beiden Polizeigewerkschaften in Bayern DPolG (Deutscher Beamtenbund) und GdP (Deutscher Gewerkschaftsbund) teilten auf BR-Anfrage mit, dass es einerseits weniger große Einsätze gab, da wegen der Ausgangsbeschränkungen Fußballspiele, Konzerte oder große Partys ausfielen und sich auch weniger Verkehrsunfälle ereigneten.

Andererseits sei die Stimmung allgemein oftmals gereizt und Bürger zeigten immer weniger Respekt vor Uniformen und Amtsträgern, so die Polizeigewerkschaften. Positiv sei jedoch, dass wegen Corona Ladendiebe keine Chance hatten, und dass die Polizei deutlich weniger mit öffentlicher Aggression und Gewalt durch Alkohol zu tun hatte.

In Corona-Zeiten mehr Lob und Anerkennung für Rettungsassistenten

Sönke Lase, Rettungsdiensleiter beim Münchner Roten Kreuz berichtet dem BR für seine rund 500 hauptamlichen Mitarbeiter ebenfalls von weniger Attacken von Alkoholisierten während des Corona-Lockdowns.

Rundweg positiv sei, dass viele Passanten oder Patienten den Rettungsassistenten häufig Respekt und Anerkennung für ihren Job aussprechen. Das tue gut und motiviere seine Mitarbeiter spürbar, so Lase. Pöbeleien und Verbalattacken auf Rettungssanitäter nähmen aber grundsätzlich eher zu. Der allgemeine Respektverlust vor Helfern in Uniform hat auch in Corona-Zeiten nicht nachgelassen. Schließlich müsste bei Einsätzen jetzt auch nach Covid19 Bezug gefragt werden, was viele als Affront werten, so der BRK-Rettungsdiensleiter für München.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!