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Getötetes Baby in Otterfing: Zehn Jahre Haft für Mutter | BR24

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Im Prozess um ein getötetes Baby in Otterfing (Landkreis Miesbach) hat das Landgericht München die Mutter zu zehn Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt. Der Vater des Kindes muss ebenfalls ins Gefängnis.

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Getötetes Baby in Otterfing: Zehn Jahre Haft für Mutter

Im Prozess um ein getötetes Baby in Otterfing hat das Landgericht München die Mutter zu zehn Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt. Der Vater des Kindes muss ebenfalls ins Gefängnis. Beide protestierten bei der Urteilsverkündung.

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Das Landgericht München hat eine 29 Jahre alte Frau aus Nigeria zu zehn Jahren Haft wegen Totschlags verurteilt, weil sie ihr drei Monate altes Kind getötet hat. Der Vater des Kindes wurde wegen versuchten Totschlags durch Unterlassen zu drei Jahren Haft verurteilt.

Schwere Misshandlung des Babys

Die Details waren nur schwer zu ertragen: Gebrochene Arme, Beine und Rippen, fünf Schädelfrakturen, Hirneinblutungen - das Baby sei eindeutig durch massive wiederholte Gewalteinwirkung gestorben, sagte der Richter. Die Tat bezeichnete er als "spontane nächtliche Überforderungsaktion" der mehrfachen Mutter.

Vater war untätig

Weil das Baby unruhig gewesen sei und geschrien habe, habe sie es in ihrer kleinen Wohnung in Otterfing (Landkreis Miesbach) wiederholt grob gepackt, hoch gerissen, geschüttelt, herumgeschleudert. Der Vater habe das natürlich mitbekommen, so der Richter weiter, er hätte den Notruf wählen und gegenüber dem Arzt wahrheitsgemäße Angaben machen müssen, um das schwer verletzte Kind noch zu retten. Doch er habe das unterlassen.

Protest gegen das Urteil

Im Prozess hatten die beiden den Tod des kleinen Mädchens als Fall von plötzlichem Säuglingstod dargestellt. Am Ende der Ausführungen des Richters begann die Mutter zu weinen, beim Verlassen des Gerichtssaals protestierte sie laut gegen das Urteil.

Immer wieder sprach die gebürtige Nigerianerin von "Innocence" – von Unschuld. Ihr mitangeklagter Partner hatte während der Worte des Richters immer wieder den Kopf geschüttelt und ebenfalls protestiert. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, innerhalb einer Woche ist noch eine Revision möglich.

Zunächst überlebt das Baby die Hausgeburt knapp

Die Verurteilte, die schon vier Kinder hat, lebte mit ihrem Lebensgefährten in einer Einzimmerwohnung in Otterfing. Das fünfte Kind kam bei einer dramatischen Hausgeburt auf die Welt. Als von Hausbewohnern herbeigerufene Sanitäter zu dem Paar in die Wohnung kamen, soll das Baby in einer Blutlache kaum noch atmend auf dem Boden gelegen haben.

Nach wenigen Tagen daheim war das Baby tot

Ärzte konnten das Baby damals retten. Es blieb mehr als drei Monate in einem Münchner Krankenhaus. Als das Kind schon wieder einige Tage bei seinen Eltern lebte, war die 29-Jährige vom Gewimmer und Weinen des Kindes offensichtlich überfordert.