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Getöteter Augsburger Feuerwehrmann: Was bisher geschah | BR24

© picture alliance/Stefan Puchner/dpa

Getöteter Augsburger Feuerwehrmann: Chronologie der Ereignisse

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    Getöteter Augsburger Feuerwehrmann: Was bisher geschah

    Die Tat bewegt Augsburg bis heute: Auf dem Königsplatz soll ein Jugendlicher einen 49-Jährigen mit einem Schlag gegen den Kopf getötet haben. Er war Feuerwehrmann. Auch dessen Begleiter wurde verprügelt. Heute beginnt der Prozess. Eine Chronologie.

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    Freitag, 6. Dezember: Die Tat

    In Augsburg vergnügen sich die Leute auf dem Weihnachtsmarkt bei Glühwein und Bratwurst. Nirgends Masken, Corona ist im Dezember 2019 noch weit weg. Unter den Menschen ist auch ein 49-Jähriger aus dem Landkreis Augsburg. Mit seiner Frau und einem befreundeten Paar ist er in die Stadt gefahren. Nach 22 Uhr brechen sie wieder auf, ihr Weg führt sie zum zentralen Königsplatz.

    Dort treffen sie auf eine Gruppe von insgesamt sieben jungen Männern. Es kommt zu einem Wortwechsel, wohl gefolgt von Schubsereien. Dann eskaliert der Streit. Ein damals 17-Jähriger schlägt dem Mann offenbar gegen den Kopf. Das Opfer stürzt, fällt zu Boden. Auch der 50-jährige Begleiter des Feuerwehrmannes wird attackiert und ins Gesicht geschlagen. Die beiden Ehefrauen sehen alles mit an, bleiben zumindest körperlich unverletzt. Ein alarmierter Notarzt versucht, den gestürzten Mann wiederzubeleben. Ohne Erfolg.

    Samstag, 7. Dezember: Augsburg ist fassungslos

    Auf dem Facebook-Profil von Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl erscheint ein neuer Post: "Trauer macht mein Herz schwer. Augsburg ist Schauplatz einer folgenschweren Gewalttat geworden", schreibt der CSU-Politiker. Die Tat sei "bestürzend" und mache "fassungslos". Gribl gibt bekannt, dass der Verstorbene Mitglied der Berufsfeuerwehr Augsburg war. Der Mann sei aber privat in der Stadt unterwegs gewesen. Am Tatort legten Menschen Blumen nieder, Kerzen und Grablichter brannten. Bundesweit ist der Fall in den Medien.

    Sonntag, 8. Dezember: Die ersten Festnahmen

    Die sieben jungen Männer fliehen nach der Tat. Die Polizei leitet umgehend eine Fahndung ein, befragt Zeugen, wertet die Bilder der vielen neuen Überwachungskameras am Königsplatz aus. Dann, am Sonntag, die ersten Festnahmen: Die Kripo kann einen Hauptverdächtigen sowie einen möglichen Mittäter ermitteln.

    Bei dem mutmaßlichen Haupttäter handelt es sich um einen in Augsburg geborenen 17-Jährigen mit deutscher sowie türkischer und libanesischer Staatsangehörigkeit. Der zweite Festgenommene ist Italiener und ebenfalls 17 Jahre alt. Die beiden Jugendlichen sind der Polizei bereits bekannt.

    Sonntag, 8. Dezember: Feuerwehr nimmt Abschied

    Am Tatort Schweigen, als ein Feuerwehrmann auf seiner Trompete spielt. Dutzende Kameraden bilden einen Kreis um die vielen Kerzen und Schilder, die im Gedenken an den Getöteten am Tatort aufgestellt worden sind. Passanten kommen hinzu.

    Zum Gottesdienst im Augsburger Vorort Neusäß, wo das Opfer gewohnt hat, kommen später etwa 300 Einsatzkräfte der Berufsfeuerwehr Augsburg und der Freiwilligen Feuerwehr Neusäß. Der Familienvater war seit 1991 bei der Berufsfeuerwehr in Augsburg beschäftigt gewesen. Vor dem Altar, umgeben von etlichen Flaggen von Wehren aus der Region, steht ein Foto des Toten. Sein Feuerwehrhelm wird in die Kirche getragen.

    Montag, 9. Dezember: Kritik an den Ermittlungen

    Sechs der sieben verdächtigen jungen Männer sind inzwischen festgenommen. Doch in den sozialen Medien wird die Polizei kritisiert, weil sie zwar einen Zeugenaufruf startet, aber keine öffentliche Fahndung mit Fotos und Täterbeschreibung veröffentlicht.

    User argwöhnen, der Migrationshintergrund der Augsburger sei der Grund dafür. Die Polizei antwortet darauf umgehend: "Wenn wir schnell die Fotos veröffentlicht hätten, hätte die Gefahr bestanden, dass wir die Ermittlungen dadurch gefährden", so Polizeisprecher Markus Trieb. "Wir haben das Bildmaterial ausgewertet und konnten somit schnell die Tatverdächtigen weitestgehend identifizieren", erklärt Trieb weiter.

    Montag, 9. Dezember: Haftbefehl gegen sieben junge Männer

    Während auf Facebook noch über die Ermittlungsarbeit debattiert wird, wird auch der siebte Verdächtige gefasst. Der Ermittlungsrichter erlässt Haftbefehl gegen alle sieben, sie kommen in Untersuchungshaft. Dem Hauptverdächtigen wird Totschlag und gefährliche Körperverletzung vorgeworfen. "Der Schlag war unvermittelt, von der Seite und mit voller Wucht und hat so zum Tode geführt", sagt Kripo-Chef Zintl.

    Danach habe die Gruppe den Begleiter des Mannes attackiert und durch Schläge ebenfalls schwere Verletzungen im Gesicht zugefügt. Den übrigen sechs wird Beihilfe zum Totschlag und gemeinschaftlich begangene gefährliche Körperverletzung vorgeworfen.

    Mittwoch, 11. Dezember: Wirbel um privates Video

    Zwei Verteidiger der Verdächtigen melden sich zu Wort. Ein privates Dashcam-Video ist aufgetaucht. Es soll aus einem Taxi stammen und 15 Sekunden lang sein. Was darauf zu sehen sei, ziehe Tatvorwürfe in Zweifel, so die Anwälte. Sie sprechen von einer "wechselseitigen Schubserei".

    Die Polizei hatte erklärt, das Opfer sei von der Gruppe umzingelt worden. Dies sei auf dem Video aber nicht zu sehen, so Anwalt Werner Ruisinger. Deshalb lasse sich der Tatvorwurf der Beihilfe zum Totschlag für seinen 19 Jahre alten Mandanten "auf keinen Fall" halten. Dafür müsse ein Tatbeitrag jedes Einzelnen zu erkennen sein. Der Haftbefehl gegen seinen Mandanten sei zu Unrecht erlassen worden, sagt der Anwalt. Die Staatsanwaltschaft widerspricht.

    Dienstag, 17. Dezember: Shitstorm gegen Oberbürgermeister

    In einer Anzeige der Stadt nennt Augsburgs Oberbürgermeister Kurt Gribl die Tat einen "tragischen Vorfall". Daraufhin bricht in den sozialen Netzwerken ein Shitstorm über Gribl herein. Der Tenor: Er verharmlose die Tat. Gribl sagt, die Nachrichten an seine Adresse seien geprägt gewesen durch eine "inakzeptable Aggressivität, Respektlosigkeit, Pietätlosigkeit und Übergriffigkeit" bis hin zu strafrechtlich relevanten Drohungen und Beleidigungen. Augsburgs OB teilt mit, dass, wenn mit der Anzeige "aufrichtige Gefühle der Trauer" verletzt worden sein sollten, er sich dafür entschuldige. Seine Entschuldigung gelte ausdrücklich nicht den Personen, die das Geschehene und Gesagte politisch instrumentalisiert hätten.

    Mittwoch, 18. Dezember: Tauziehen um Haftbeschwerden

    Das Amtsgericht lehnt eine Beschwerde von Anwälten ab. Es ist der Beginn eines fast beispiellosen juristischen Tauziehens um die Rechtmäßigkeit der Untersuchungshaft der sechs Mit-Verdächtigen.

    Das sinngemäße Argument der Strafverfolger: Die jungen Männer handelten aus einer Gruppendynamik heraus und unterstützten so die Tat. Das zusammengefasste Argument der Anwälte: Die sechs Mit-Verdächtigen haben mit der tödlichen Tat nicht direkt zu tun und seien teils schon weitergelaufen.

    Das Amtsgericht folgt eher den Argumenten der Staatsanwaltschaft. Das Landgericht als nächste Instanz stützt dagegen eher die Argumente der Anwälte, die sechs werden aus der U-Haft entlassen. Dann ist das Oberlandesgericht am Zug und entscheidet, dass die jungen Männer wieder in U-Haft müssen. Schließlich wendet sich ein Anwalt an das Bundesverfassungsgericht.

    Mittwoch, 11. März: Verfassungsgericht entscheidet über U-Haft

    Nach dem Tauziehen bis hin zum Oberlandesgericht reicht der Anwalt eines Verdächtigen Verfassungsbeschwerde gegen die U-Haft seines Mandanten ein. Und das Bundesverfassungsgericht nimmt sich den Fall tatsächlich vor - und gibt dem Anwalt recht.

    Das Bundesverfassungsgericht bemängelt, dass im Fall des 17-Jährigen keine schlüssige Darstellung einer konkreten Tat vorliegt, die einen dringenden Tatverdacht und damit die Untersuchungshaft begründet. Daraufhin wird der junge Mann aus der U-Haft entlassen, in der Folge auch die anderen fünf Mit-Verdächtigen. Nur der mutmaßliche Haupttäter bleibt in Untersuchungshaft.

    Dienstag, 20. Oktober: Prozessbeginn gegen drei junge Männer

    Vor dem Landgericht Augsburg beginnt der Prozess gegen drei der ursprünglich sieben verdächtigen jungen Männer. Den drei Angeklagten - zwei zur Tatzeit Jugendlichen und einem Heranwachsenden - wirft die Staatsanwaltschaft Körperverletzung vor, dem 17-jährigen Hauptangeklagten darüber hinaus Körperverletzung mit Todesfolge. Er soll dem Opfer unvermittelt einen Faustschlag ins Gesicht versetzt haben. Der Schlag war laut Anklage so heftig, dass der Mann an einer Hirnblutung noch vor Ort verstarb. Der Tat voraus ging laut Staatsanwaltschaft eine verbale Auseinandersetzung und eine Schubserei.

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