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Gesundheitsamt Nürnberg am Limit: Auch Soldaten helfen jetzt mit | BR24

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Durch die Corona-Krise kommen die Gesundheitsämter an ihre Grenzen. In Nürnberg unterstützt nun die Bundeswehr.

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Gesundheitsamt Nürnberg am Limit: Auch Soldaten helfen jetzt mit

Die Corona-Pandemie ist für das Gesundheitsamt Nürnberg eine Ausnahmesituation. Seit März haben die Mitarbeiter 100.000 positiv Getestete und ihre Kontaktpersonen angerufen. Damit die Arbeit bewältigt werden kann, hilft sogar die Bundeswehr.

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Von
  • Florian Weber

Normalerweise arbeiten rund 190 Menschen im Gesundheitsamt in Nürnberg. Wegen Corona musste ihre Zahl kräftig aufgestockt werden. 275 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind es aktuell. Auch 28 Bundeswehrsoldatinnen und -soldaten helfen mittlerweile bei der Bearbeitung der Corona-Fälle mit. Die Helfer stammen aus allen ganz unterschiedlichen Bereichen der Bundeswehr: Dem Sanitätslehrregiment, dem Heeresmusikkorps und dem Panzerpionierbataillon.

Personal beim Gesundheitsamt kann nicht unendlich wachsen

Das Personal im Gesundheitsamt soll aber noch weiter aufgestockt werden: Unter anderem sollen in Kürze fünf Mitarbeiter des Nürnberger Flughafens zum Team stoßen. Doch irgendwann ist beim Personal die Grenze erreicht, sagt Nürnbergs Gesundheitsreferentin Britta Walthelm (Grüne). Die Zahl der Mitarbeiter könne nicht exponentiell steigen wie die Infektionszahlen. Neue Mitarbeiter müssten zunächst geschult werden und bräuchten auch Computer und Räume, so Walthelm.

Mitarbeiter im Gesundheitsamt Nürnberg am Anschlag

Die vielen neuen Mitarbeiter sind im Gesundheitsamt bitter nötig, denn die Infektionszahlen in Nürnberg steigen und steigen. Aktuell liegt die Sieben-Tage-Inzidenz in Nürnberg bei 122,89. Allein seit Donnerstag haben sich laut LGL in Nürnberg 207 Menschen neu mit dem Coronavirus infiziert. Das Gesundheitsamt, sagt Gesundheitsreferentin Britta Walthelm, arbeitet am Anschlag.

"Wir bitten um Verständnis, wenn es zu Wartezeiten bei Anrufen kommt. Es geben wirklich alle ihr Bestes." Britta Walthelm, Nürnberger Gesundheitsreferentin

Immerhin: Durch die Aufstockung des Personals auch mit Soldaten sei es gelungen, den Rückstau bei Quarantäne-Entlassungen komplett abzubauen.

Positiv Getestete müssen "zügig von der Straße"

Priorität haben für die Gesundheitsreferentin vor allem die Anrufe bei positiv Getesteten, um diese "zügig von der Straße" zu bekommen sowie die Information enger Kontaktpersonen, um Infektionsketten zu durchbrechen. Personen, die sich in Quarantäne befinden, würden nicht mehr täglich vom Gesundheitsamt angerufen, um den Aufwand für die Mitarbeiter zu verringern. Diese täglichen Anrufe waren zu Beginn der Pandemie noch die Regel. Im Übrigen: Wenn das Gesundheitsamt nicht anruft, entbindet das nicht von der Quarantäne-Pflicht. Wer den Verdacht hat, dass er infiziert ist, muss sich sofort isolieren.

Auch bei negativem Test: 14 Tage Quarantäne sind Pflicht

Wer vom Gesundheitsamt in Quarantäne geschickt wurde, muss diese im Normalfall auch 14 Tage lang durchziehen, so Walthelm. Das liege an der Inkubationszeit des Coronavirus. "Da hilft leider auch nicht, wenn sie ein negatives Testergebnis zwischendrin vorweisen, weil es könnte ja sein, dass das Testergebnis eine Infektion noch nicht widerspiegelt."

Nürnberger Gesundheitsreferentin hofft, dass Teil-Lockdown wirkt

Auch das Nürnberger Gesundheitsamt hofft darauf, dass der Teil-Lockdown eine positive Wirkung hat. Nicht nur, dass die Infektionskurve sich abflachen könnte – je weniger Kontakte die Menschen hätten, desto weniger Menschen würden infiziert und desto weniger Arbeit habe das Gesundheitsamt bei der Suche nach Kontaktpersonen. Doch ob sich diese Hoffnung erfüllt, wird sich erst Ende November zeigen, wenn der Teil-Lockdown endet – hoffentlich.

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Beitrag vom 23.10.2020: Das Würzburger Gesundheitsamt sucht Ärzte und Medizinstudenten zur "dringenden Unterstützung" der überlasteten Mitarbeiter. Sie sollen Isolierte und Kontaktpersonen managen oder Schulen und Krankenhäuser beraten.