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© Rita Rott
Bildrechte: Rita Rott

Ein schöner Arbeitsplatz für eine Jury: Bewertungs-Unterlagen für den Wettbewerb um die beste Weide-Wiese liegen im Gras.

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    Gesucht: Bayerns schönste Weide-Wiese

    Jedes Jahr küren die Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und der BUND Naturschutz (BN) die schönste Wiese für Weidevieh. Dieses Jahr sucht die Jury im Landkreis Mühldorf. Wer bewirtschaftet die Gewinner-Wiese?

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    Von
    • Tanja Gronde

    Schwindegg, Mühldorf und Maithenbeth: Das waren am Donnerstag nur einige Haltestellen für die Tour einer Jury auf der Suche nach der schönsten Weidefläche im Landkreis Mühldorf. Alljährlich begeben sich die Landesanstalt für Landwirtschaft und der BUND Naturschutz gemeinsam auf die Suche nach einer Wiese, die eine herausragende Artenvielfalt hat und für die Kühe gut ist, die auf ihr grasen. Zum elften Mal gibt es diesen Wettbewerb schon; jedes Mal wird in einer anderen Gegend Bayerns gesucht.

    Große Wiesen-Auswahl in Mühldorf

    Der Landkreis Mühldorf ist eigentlich eher für Ackerbau und hohen Ertrag bei Wiesen bekannt. Deswegen war Marion Ruppaner vom Bund Naturschutz auch freudig überrascht, dass sich 27 Landwirtinnen und Landwirte mit ihren Wiesen für den Wettbewerb angemeldet hatten. Alle Wiesen wurden in den letzten Wochen begutachtet. Die "Top Sechs" bekamen dann noch einmal Besuch von einer Fachjury aus Landwirtschafts-Experten und Naturschützern.

    Futter in allen Farben

    "Eine gute Wiese erkennt man auf den ersten Blick", sagt Marion Ruppaner vom Bund Natuschutz: Auf ihr wachsen Margeriten, aber auch Orchideen. Und man hört die Wiese: Bienen summen, Grillen zirpen, Vögel singen. Punkte gibt es also für viele Wiesenblumen, Kräuter und seltene Pflanzen – Punktabzug dagegen für Pflanzen, die dem Weidevieh gefährlich werden können, wie Ampfer oder Jakobs-Greiskraut.

    Naturschutz und Landwirtschaft im Team

    "Naturschutz und Landwirtschaft Hand in Hand": Das ist die Devise des Wettbewerbs. Stark gedüngte Wiesen sind zwar ertragreicher, aber schlecht für die Umwelt. Deswegen bekommen Landwirte auch Fördergelder, wenn sie wertvolle, oft aber auch schwer zu bearbeitende Flächen weiter bewirtschaften und auch Kühe grasen lassen. Denn die Hälfte der rund 2.700 heimischen Pflanzenarten in Bayern wachsen auf Wiesen, und wiederum davon die Hälfte sei vom Aussterben bedroht, so das Umweltministerium.

    Kühe sind wichtig für die Wiesen

    Die Kuh macht eine artenreiche Wiese nicht "kaputt", sondern schafft sie manchmal erst. Das hat auch Landwirtin Josefine Reißaus festgestellt; sie sagt: "Die Kuh ist der Freund der Wiese." Die Tiere würden durch ihre Tritte beispielsweise Löcher ins Gras reißen. Dadurch könnten sich Blumen ausbreiten oder aussäen, Wildblumen für Insekten. Im Kuhfladen würden Fliegen Eier legen; die Larven dienen wiederum als Futter für die Vögel: ein wichtiger Kreislauf.

    Schon als Kind habe sie von blühenden Wiesen für Kühe geträumt, schmunzelt die Bäuerin. Sie hat vor einigen Jahren umgestellt und aufgehört mit der Milchwirtschaft. Statt dessen investierte das Ehepaar Reißaus in Rinder für den Fleischverkauf und Maschinen für grüne Flächen.

    Kühe lieben Disteln

    Christine Grenzenbach aus dem Landkreis Starnberg hat festgestellt, dass ihre Kühe Feinschmecker sind und sich Kräuter herauspicken: besonders die Kratzdistel – die wird von oben verspeist. Der Klappertopf kommt dagegen an der Seite wieder raus. Und um das für Rinder giftige Jakobs-Kreuzkraut grasen ihre Viecher herum.

    ‘‘Milch von artenreichen Wiesen schmeckt einfach besser als Milch von Kühen, die den ganzen Tag im Stall stehen und nur Silo fressen." Christine Grenzebach, Landwirtin

    Für ihre Leidenschaft bei der Weidehaltung wurde das Ehepaar Grenzebach 2013 "Wiesenmeister" und ist heuer Teil der siebenköpfigen Jury.

    And the winner is ….

    Wer heuer "Wiesenmeister wird", steht erst im Herbst fest. Am 28. September wird der Sieger bei einer Festveranstaltung in Ramsau gekürt. Für die Gewinner der ersten beiden Plätze gibt es Reisegutscheine für Bio-Hotels – Landwirte machen selten Urlaub. Und auch alle anderen bekommen Anerkennung für ihre Arbeit, die die Vielfalt in Bayern erhalten hilft.

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