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© BR/Christoph Dicke
Bildrechte: GEW Bayern

Drei Petitionen an den Landtag sind von rund 75.000 Menschen in Bayern unterschrieben worden. Ihr Ziel: Die Faschingsferien doch noch stattfinden zu lassen. Am Donnerstag wird sich der Bildungsausschuss damit befassen.

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Gestrichene Faschingsferien: Der Widerstand wächst

Digitaler Heimunterricht ist anstrengend. Davon können Schüler, Eltern und Lehrer ein Lied singen. Doch bis zu den Osterferien gibt es keine Verschnaufpause mehr – die Faschingsferien in Bayern sind gestrichen. Doch der Widerstand wächst.

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Von
  • Christoph Dicke

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW Bayern) hat in wenigen Tagen über 36.000 Unterschriften für eine Petition an den Landtag gesammelt, eine ähnliche hohe Zahl brachten zwei Privat-Petitionen zusammen. Das Ziel der Petitionen wie auch eines SPD-Antrags: Die Faschingsferien doch noch stattfinden zu lassen. Der Bildungsausschuss entscheidet darüber am Donnerstag.

In einem sind sich alle Beteiligten einig: Digitalunterricht ist im Schnitt weniger effizient als Präsenzunterricht in der Schule. Und wer sich im Distanzlernen schwertut, fällt schneller zurück als im Präsenzunterricht – wo die Lehrkräfte einfach mehr von der Klasse mitbekommen.

Nachholen oder Erholen?

Aber deswegen gleich die Faschingsferien Mitte Februar zu streichen, um Versäumtes nachzuholen, halten viele für ungut. Denn eingeführt wurde die Ferienwoche vor knapp 20 Jahren, weil die Zeit zwischen Weihnachts- und Osterferien sonst zu lang würde.

Für Michael Schwägerl, dem Vorsitzenden des Bayerischen Philologenverbands, wäre eine Pause Mitte Februar nach fünf Wochen Digitalunterricht dringend nötig: "Wir würden sogar so weit gehen, eine digitalfreie Zeit in den Familien – soweit es geht – einzuräumen. Denn Distanzunterricht ist anstrengend, ist belastend. Das wird Tag für Tag immer deutlicher." Auch in Ferienzeiten kann für die Schule ja Stoff nachgebüffelt werden, deutet Schwägerl an.

Piazolo hofft weiter auf Präsenzunterricht Mitte Februar

Doch Kultusminister Michael Piazolo lässt an der Absage der Faschingsferien nicht rütteln: "Die Entscheidung ist eine harte, die wir aber ganz bewusst gefällt haben – auch für die Bildungschancen. Die Entscheidung steht, weil wir in guter Hoffnung sind, dass wir am 15. Februar wieder zum Präsenzunterricht kommen."

Elternvereinigung fordert mehr Stoff-Streichung

Doch wie viel Präsenzunterricht dann wieder möglich sein wird, hängt von den Coronazahlen ab. Zumindest die Abschlussklassen an Gymnasien sowie FOS und BOS sollen schon am 1. Februar mit dem Wechselunterricht starten.

Die Vorsitzende der Landeselternvereinigung der Gymnasien in Bayern, Susanne Arndt, fordert, den Unterrichtsstoff stark auszudünnen. Denn sie fürchtet, dass durch den bisherigen Distanzunterricht rund ein Drittel der Kinder nicht mehr gut mitkommt. Das hat eine Umfrage unter den Eltern ergeben. "Wenn nicht ganz viel Stoff gestrichen wird, sind viele Kinder nicht in der Lage, so zu folgen, wie sie sonst folgen können."

Plan: Sitzenbleiben wird nicht angerechnet

Das Kultusministerium hat bereits die Prüfungen ausgedünnt und arbeitet an weiteren Empfehlungen, den Unterrichtsstoff auf Schwerpunkte zu reduzieren. Und: Die Lehrkräfte sollten mehr Pausen einplanen. Brückenangebote für Schüler mit Lernrückständen gibt es weiterhin.

Zudem soll die Schulordnung ergänzt werden - zum Beispiel für alle, die dieses oder das letzte Schuljahr wiederholen müssen: Ein Sitzenbleiben wird dann nicht angerechnet auf die Höchstverweildauer an einer Schule. Anfang Februar soll es dann einen Schulgipfel geben mit Eltern-, Schüler- und Lehrerverbänden und dem Kultusminister.

Petitionen dürften wohl scheitern

Die Petitionen wie auch der SPD-Antrag zur Rettung der Faschingsferien dürften allerdings am Donnerstag im Bildungsausschuss des Landtags an der Regierungsmehrheit scheitern.

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