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Geständnis beim Prozessauftakt gegen Abschiebehäftlinge | BR24

© BR/Susanne Pfaller

Prozessauftakt in Ingolstadt gegen Abschiebehäftlinge.

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    Geständnis beim Prozessauftakt gegen Abschiebehäftlinge

    Beim Prozessauftakt gegen zwei Abschiebehäftlinge wegen schwerer Brandstiftung und versuchter Gefangenenmeuterei hat einer der beiden Angeklagten ein Geständnis abgelegt. Ein weiterer Angeklagter streitet eine Tatbeteiligung ab.

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    Vor dem Landgericht Ingolstadt räumte der 25-jährige Mann aus Aserbaidschan ein, am Heiligabend 2018 in der Abschiebehaftanstalt in Eichstätt ein Feuer entfacht zu haben, um von dort fliehen zu können. Ein mitangeklagter 36-jähriger aus Tschetschenien streitet eine eigene Tatbeteiligung ab.

    Motiv: Unzufriedenheit mit Haftbedingungen

    Das Beweismaterial ist erdrückend, zumindest für den Geständigen. Mehrere Videos aus der Haftanstalt zeigen im Wesentlichen das Geschehen. Die Videos decken sich mit dem Geständnis des jüngeren Angeklagten. Der Mann räumt ein, dass er am 24. Dezember 2018 aus Unzufriedenheit mit den Haftbedingungen fliehen wollte. In den Tagen zuvor hatte er versucht, für seinen Plan Mitstreiter zu finden, allerdings ohne Erfolg.

    Am Heiligabend kurz vor 18 Uhr zündete der Mann in der Nasszelle seines Zimmers einen Matratzenberg, Papier und Kleidungsstücke an. Das Chaos nach dem Feuer wollte er zur Flucht nutzen. In den Minuten der Brandlegung war der zweite, ältere Angeklagte bei ihm. Doch beide Männer versichern, dass der sechsfache Familienvater einfach nur zusah, aber selbst nicht aktiv wurde. Um diese Angaben zu überprüfen, werden nun zahlreiche Zeugen gehört.

    Sachschaden von rund 50.000 Euro

    Das Feuer löste einen Tumult unter den 82 Häftlingen aus. Es brauchte ein größeres Polizeiaufgebot, um wieder Ruhe herzustellen. Die Flucht aus der Abschiebeanstalt gelang allerdings keinem. Durch den Brand erlitt ein Mithäftling eine Rauchvergiftung. Als die beiden Angeklagten merkten, dass dieser Mithäftling Hilfe benötigte, haben sie ihm geholfen, den verrauchten Bereich zu verlassen, so ihre Einlassung heute bei Gericht.

    Das Feuer zerstörte ein Zimmer und eine Nasszelle vollständig. Zerstört wurden auch ein Tisch, mit dessen Tischbein der jüngere Angeklagte Brandmelder und Videokameras zerstörte. Insgesamt entstand ein Schaden von rund 50.000 Euro.

    Urteil am Freitag erwartet

    Die beiden Angeklagten befanden sich zur Tatzeit, dem 24. Dezember 2018, zur Sicherung ihrer geplanten Abschiebung in der Abschiebehafteinrichtung JVA Eichstätt. Ihre Asylanträge waren zuvor abgelehnt worden. Seit Weihnachten sitzen die beiden in Untersuchungshaft. Das Urteil fällt voraussichtlich am Freitag.