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Noch immer sind die Therapiebecken leer und die Thermalbäder geschlossen. Dadurch leidet das gesamte Bäderdreieck.

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Geschlossene Thermalbäder: Ganze Region leidet unter Lockdown

Die Region zwischen Bad Füssing, Bad Griesbach und Bad Birnbach ist ein reiner Kurort. Sind Thermalbäder geschlossen, bleiben Gäste fern und ein ganzer Zweig bricht ein. Die Konsequenz: Die Menschen vor Ort können nicht arbeiten und Praxen schließen.

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Von
  • Nadine Cibu
  • BR24 Redaktion

Gerhard Stockner steht auf dem leeren Parkplatz vor seiner Physiotherapiepraxis in Bad Birnbach. Dieser triste Anblick begleitet den 54-Jährigen nun schon seit Wochen, denn durch den Lockdown bleiben auch bei ihm die Patienten aus. Diese sind vor allem Kurpatienten, die normalerweise das gesamte Angebot im Kurort Bad Birnbach wahrnehmen. Sind die Thermalbäder geschlossen, leidet das gesamte Bäderdreieck.

Eine ganze Region leidet

Die Region zwischen Bad Füssing, Bad Griesbach und Bad Birnbach ist eine Art Monokultur. Sie ist ein reiner Kurort. Sind die Thermalbäder geschlossen, bleiben die Gäste fern, der Tourismuszweig bricht ein. Die Konsequenz: Die Menschen vor Ort können ihrer Arbeit nicht mehr nachgehen. So auch Physiotherapeut Stockner. "Mir geht’s eigentlich nicht gut, weil ich auch eine große Verantwortung auch gegenüber meiner Angestellten habe", so Stockner. "Die sitzen alle zuhause. Ich versuche zwar immer wieder, dass mal sporadisch der kommt und dann der – ansonsten ist nur ein Therapeut da, von zehn."

Physiotherapeuten gehen zurück in die Stadt

Dazu kommt noch ein weiteres Problem: Physiotherapeuten in größeren Städten, außerhalb des Bäderdreiecks, können ganz normal arbeiten - denn hier ist man nicht von Kurpatienten oder Touristen abhängig. Eine Mitarbeiterin ist Stockner schon abgesprungen, doch er befürchtet, dass es nicht bei einer Mitarbeiterin bleiben wird sondern ihm nach und nach das Personal weglaufen wird. "Das Problem war: Die Mitarbeiterin ist im September zu uns gekommen, ist extra hierhergezogen, um hier zu arbeiten. Und dann sind wir in den Lockdown. Das Mädchen ist dann da gesessen: Kein Anschluss und mit 60% sein Leben bestreiten. Wie soll das funktionieren?"

Die ersten Praxen mussten schließen

Solche tragischen Geschichten kennt Stefan Speiser nur zu gut. Als Vorsitzender der Vereinigung selbständiger Physiotherapeuten in Bad Füssing, Bad Griesbach und Bad Birnbach hat er für seine Kollegen immer ein offenes Ohr. "Was meinen Sie, wie viele Kolleginnen und Kollegen mir ihr Leid klagen?", so Speiser. "Die Kollegen müssen ihre Altersvorsorge jetzt in die Praxen reinstecken und hinterher wissen sie nicht, wie sie dann mit der Altersvorsorge zurechtkommen sollen."

Gast, Gesundheitsurlauber und Kurpatienten notwendig

Speiser weiß von vier Praxen, die mittlerweile schließen mussten. Und die fünfte steht wohl auch schon auf der Kippe. Das Problem: In Bad Füssing haben sich viele Therapiepraxen angesiedelt. Diese sind hoch gefragt bei den Urlaubern. 92 Praxen gibt es in dem Kurort, bei einer Einwohnerzahl von etwa 7.500. "Allein diese beiden Zahlen zeigen doch: Wir können gar keine einheimischen Patienten haben. Wir brauchen unseren Gast, den Gesundheitsurlauber und den Kurpatienten", sagt Speiser.

Physiotherapeuten fordern eine Perspektive

Deshalb hat sich der Vorstand mit einem Schreiben auch an den Landrat von Passau, Raimund Kneidinger (CSU), gewandt. Seine Bitte: Vergesst uns nicht. Generell wollen die Physiotherapeuten auf ihre prekäre Lage aufmerksam machen. Für sie ist klar: Die Thermen müssen wieder öffnen dürfen und es müssen wieder Kurpatienten und Gesundheitsurlauber in die Kurorte kommen.

Was die Therapeuten vor allem verärgert: Sie selbst und auch die Thermenbetreiber entwickelten vergangenes Jahr ein umfangreiches Hygienekonzept, das funktioniert haben soll. Und dieses wird ihrer Meinung nach nicht berücksichtigt. Die konkrete Forderung oder der Wunsch der Therapeuten ist somit nicht, dass man keine Hygiene- und Schutzmaßnahmen umsetzt oder den Lockdown von heute auf morgen beendet. Die Physiotherapeuten wünschen sich nur eine klare Perspektive für die kommenden Monate.

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Sie brauchen einen Termin beim Physiotherapeuten? Das kann dauern. Gerade in den Städten die Wartezeiten lang. Anders ist die Lage im niederbayerischen Bäderdreieck. Hunderte Physiotherapeuten sind hier ohne Arbeit, weil keine Kurgäste kommen dürfen.

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