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2021 mussten die Gefangenen der JVA Hof nach einem Corona-Ausbruch in den Zellen bleiben. Ein Mann wurde von Mitgefangenen gequält. (Symbolbild)

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Geschlagen, getreten und tätowiert: Häftling wochenlang gequält

Wochenlang soll ein Häftling der JVA Hof von Gefangenen gequält worden sein. Er wurde geschlagen, getreten und gegen seinen Willen tätowiert. Es bestehe die Gefahr, dass er zeugungsunfähig ist. Vor Gericht belasten sich die Angeklagten gegenseitig.

Weil sie einen Mitgefangenen im Hofer Gefängnis fast einen Monat lang gequält und misshandelt haben sollen, müssen sich seit Dienstag zwei Insassen vor dem Landgericht Hof verantworten. Die Taten geschahen während eines massiven Corona-Ausbruchs in der JVA Hof zum Jahreswechsel 2021/22. Damals durften alle Insassen die Zellen rund vier Wochen nicht verlassen.

Häftling musste auf Toilette schlafen

Die beiden 24 und 30 Jahre alten Männer belasteten sich zum Prozessauftakt gegenseitig. Der 30-Jährige räumte grundsätzlich ein, dass er das 34-jährige Opfer in der Dreier-Gemeinschaftszelle unter Druck gesetzt habe, weil ihn dessen lügenhafte Erzählungen und die mangelnde Hygiene gestört hätten. Deshalb durfte der Mann mindestens zwei Nächte nicht in sein Bett, sondern musste in der Toilette der Gemeinschaftszelle schlafen. Der Angeklagte gab auch zu, dass er den Mithäftling mit selbstgebasteltem Werkzeug tätowiert, ihn mehrfach mit den Fäusten geschlagen und ihm auch zweimal massiv in die Genitalien getreten habe.

Gefangener "aufgrund der Misshandlung zeugungsunfähig"?

Laut Staatsanwaltschaft erlitt das Opfer massive Hämatome im gesamten Genitalbereich. Es bestehe die Gefahr, dass er aufgrund der Misshandlung zeugungsunfähig sei. Beim Anblick der Fotos von den Verletzungen heute im Gerichtssaal wurde es dem Angeklagten nach eigenen Angaben schlecht. "Das ist echt eine miese Sache. Ich wollte ihm Schmerzen, aber keinen Schaden zufügen", erklärte der 30-jährige Angeklagte heute auf Fragen des Richters.

34-Jähriger erlitt Verbrennungen zweiten Grades

Das Opfer soll am Freitag, dem zweiten von bislang insgesamt fünf Verhandlungstagen, vor Gericht aussagen. Der 34-Jährige sei sehr naiv und leichtgläubig, in dieser Einschätzung waren sich beide Angeklagten heute einig. So konnten sie ihn zum Beispiel überzeugen, dass er sich zur Behandlung seines Nagelpilzes heißes Wasser über die Füße schütten soll. Der Mann erlitt dabei Verbrennungen zweiten Grades. Der jüngere Angeklagte betonte, dass er an den Misshandlungen nicht direkt beteiligt gewesen sei. Allerdings habe er auch nichts aktiv dagegen unternommen.

"Mindestens einer von Ihnen lügt hier"

Er verwies darauf, dass er bei seinen ersten Gefängnisaufhalten 2015 selbst geschlagen worden sei, weil er über Fehlverhalten von Mitgefangenen geredet habe. Deshalb habe er gegenüber zwei JVA-Bediensteten nichts von den Misshandlungen gesagt, aber darauf hingewiesen, dass der 34-Jährige nicht in die Gemeinschaftszelle passe. Wegen des Corona-Ausbruchs in der JVA sei eine Verlegung aber nicht möglich gewesen, so der Angeklagte.

Der Vorsitzende Richter rief die beiden Angeklagten auf, ihr Aussage-Verhalten in dem Prozess zu überdenken. "Als Angeklagte müssen Sie nichts sagen. Mindestens einer von Ihnen lügt hier. Das dürfen Sie grundsätzlich auch - aber überlegen Sie sich, ob das das richtige Weg hier ist."

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