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Geroldshausen: Diskussion um KZ-Arzt auf Kriegerdenkmal | BR24

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Bildrechte: BR / Thomas Heer

Der Name Eduard Wirths auf dem Kriegerdenkmal in Geroldshausen

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    Geroldshausen: Diskussion um KZ-Arzt auf Kriegerdenkmal

    Das Kriegerdenkmal im unterfränkischen Geroldshausen bei Würzburg sorgt für Wirbel. Denn in den großen Steinblock eingemeißelt ist auch der Name Dr. Eduard Wirths – ein ehemaliger KZ-Arzt. Heute berät der Gemeinderat über das Denkmal.

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    Von
    • Carolin Hasenauer
    • BR24 Redaktion

    "Unseren gefallenen und vermissten Brüdern zum Gedächtnis", so lautet die Aufschrift auf dem Kriegerdenkmal der unterfränkischen Gemeinde Geroldshausen. Doch unter den Namen ist einer, der nicht von einem Kriegsopfer stammt: Dr. Eduard Wirths. Der 1909 in Geroldshausen geborene Wirths war ab 1942 Arzt im Konzentrationslager Dachau, später in Ausschwitz.

    NS-Vergangenheit wegmeißeln?

    70 Jahre lang war der Name auf dieser Tafel kein Thema. "Wie aus heiterem Himmel ist das aufgeploppt", sagt Bürgermeister Gunther Ehrhardt in einem Beitrag des Mitteldeutschen Rundfunks, der Ehrhardt mit der Entdeckung Wirths auf dem Denkmal am 16. November 2020 konfrontiert hat. Ehrhardt berichtet in dem MDR-Fernsehbeitrag von "mehreren Phasen der Aufarbeitung der NS-Zeit" in Geroldshausen, von eigens dazu erschienenen Büchern. "Was soll man da jetzt machen", fragt er mit Blick auf den Fall Wirths: "Einfach den Namen rausmeißeln?" Wäre eine "saubere Sache", der Fall endgültig abgeschlossen, sagt Ehrhardt. Doch so einfach will er es den Geroldshausenern nicht machen.

    Gemeinderat berät über weiteres Vorgehen

    In der heutigen Gemeinderatssitzung will er für eine Informationstafel werben. Wirths war Täter. Er war als KZ-Arzt von Auschwitz beispielsweise Vorgesetzter von Josef Mengele. Er selektierte neu eingetroffene Häftlinge selbst oder organisierte die Selektionen. Damit war er direkt und indirekt an der Ermordung von kranken, schwachen KZ-Insassen beteiligt, indem er sie in die Gaskammern schickte.

    Wirths für Völkermord mitverantwortlich

    "Als Mitorganisator von Auschwitz war und ist Wirths für den dort verübten Völkermord mitverantwortlich", schreibt Christoph Heubner, der Exekutiv Vizepräsident des Internationalen Auschwitz Komitees, in einer Pressemitteilung. Wirths selbst sah sich offenbar anders. Nach seiner Verhaftung durch die Briten äußert er sich kurz vor seinem Suizidversuch in Briefen und Schriftstücken, dass er sich nichts zuschulden habe kommen lassen und sogar versucht habe, Insassen zu helfen.

    Internationales Auschwitz Komitee fordert ehrliche Aufklärung

    Für Auschwitz Überlebende sei die Ehrung dieses Menschen auf dem Ehrenmal seiner Heimatgemeinde nicht nur eine historische Lüge, die sie entsetzt und empört, sondern auch ein trauriges und symptomatisches Zeichen dafür, wie schwer es mancherorts Menschen in Deutschland bis heute fällt, sich ehrlich und schonungslos mit der nahen mörderischen Vergangenheit und dem Leid der Opfer auseinanderzusetzen, so Heubner weiter. Er hoffe auf eine ehrliche Auseinandersetzung des Gemeinderates, der Kirchengemeinden und der Menschen in Geroldshausen. Auch Bürgermeister Ehrhardt ist wichtig, dass die Diskussion um Wirths "im Ort ankommt" und nicht "wie von außen hereingetragen" wirkt: "Wir Geroldshäuser müssen das unter und für uns klären."

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