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Gericht: Unfall im Kernkraftwerk Isar I war fahrlässige Tötung | BR24

© pa/Alois Litzlbauer/picturedesk.com

Das Atomkraftwerk Isar I und Isar II bei Essenbach im Landkreis Landshut.

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    Gericht: Unfall im Kernkraftwerk Isar I war fahrlässige Tötung

    Nachdem ein Arbeiter im Juni 2019 im Kernkraftwerk Isar I tödlich verunglückte, ist eine Ingenieurin am Amtsgericht Landshut wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Abriss-Pläne entlasteten die Ingenieurin vor Gericht.

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    Von
    • Michael Wagner
    • BR24 Redaktion

    Das Amtsgericht Landshut hat eine Ingenieurin am Dienstag wegen fahrlässiger Tötung zu einer Geldstrafe verurteilt. Das bestätigte ein Gerichtssprecher. In dem verhandelten Fall ging es um einen Betriebsunfall im Jahr 2019, bei dem ein Mitarbeiter des Kernkraftwerks Isar I ums Leben gekommen war.

    Strafbefehl auf Freiheitsstrafe gestellt

    Der Ingenieurin, die die Projektleitung für die betreffenden Rückbauarbeiten im Maschinenhaus der Anlage innehatte, war vorgeworfen worden, ihre Sorgfaltspflicht verletzt zu haben: der Unfall sei "vorhersehbar und vermeidbar" gewesen, so die Staatsanwaltschaft, die ursprünglich einen Antrag auf Strafbefehl mit einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung gestellt hatte.

    Neue Beweislage entlastet Ingenieurin

    Das Gericht war damit jedoch nicht einverstanden, es wurde öffentlich verhandelt. Im Prozess wurden dann bis dato noch nicht gesichtete Pläne zum Abriss der Anlage als Beweismittel vorgelegt, die zum Teil vom Landeskriminalamt ermittelt, zum Teil von der Ingenieurin stammten.

    Diese wirkten entlastend für die 34-jährige Angeklagte. Sie waren ihr nach eigener Aussage als Projektleiterin während der Planung der Abrissarbeiten nicht vorgelegen. Zwar schlossen die Pläne nicht aus "dass sie einen Fehler gemacht hat", der sei aber nach Sichtung der Pläne "bei Weitem nicht mehr so gravierend", so der Gerichtssprecher.

    Witwe als Nebenklägerin

    Anklage, Gericht, Verteidigung und die Nebenklägerin, die Witwe des verstorbenen Arbeiters, verständigten sich anschließend auf eine Geldstrafe von 9.900 Euro in Form von 90 Tagessätzen zu je 110 Euro. Das Verschulden der Ingenieurin bei dem Arbeitsunfall, so zeigten sich die einzelnen Parteien einverstanden, war deutlich geringer als ursprünglich angenommen.

    Bei Rückbauarbeiten am KKI war im Juni 2019 ein Mitarbeiter ums Leben gekommen, weil er bei Plasmaschneidearbeiten von einem herabfallenden, über eine Tonne schweren, Metallteil eingequetscht worden war. Der Mann starb noch an der Unfallstelle. Die Kriminalpolizei hatte damals die Ermittlungen übernommen.

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