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Gerechter Umgang mit sozialem Wohnungsbau | BR24

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Sozialer Wohnungsbau in Amorbach

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Gerechter Umgang mit sozialem Wohnungsbau

Vor fünf Jahren hat sich die Odenwaldstadt Amorbach entschieden, die damaligen GBW-Wohnungen im Stadtgebiet zu kaufen. Trotz leerer Kassen. Es war kein leichter Weg, aber er hat sich gelohnt: Für die Menschen, aber auch für die Stadt.

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73 ehemalige GBW-Wohnungen werden seit fünf Jahren vom neu gegründeten Kommunalunternehmen der Stadt Amorbach (Lkr. Miltenberg) betreut: Seither gab es keine Mieterhöhungen. In den Erhalt und die Sanierung der Immobilien wurde aber trotzdem investiert.

Mieter fühlen sich wohl, Stadt ist zufrieden

Zwei Zimmer, Küche, Bad auf etwa 75 Quadratmetern: Das ist seit 38 Jahren das Zuhause von Christel Haenel. Früher gehörte das Mehrfamilienhaus im Amorbach der GBW. Während die Mehrheit der Wohnungen im Besitz der bayerischen Landesbank damals an den Augsburger Immobilienkonzern Patrizia AG verkauft wurde, ist die Stadt Amorbach einen anderen Weg gegangen: Sie hat die insgesamt 73 Wohnungen gekauft.

Kommunalunternehmen musste gegründet werden

Die Stadt Amorbach hat in den 1960er Jahren selbst rund 90 Sozialwohnungen gebaut. Zusätzlich gab es die GBW-Wohnungen, die im Erbbaurecht entstanden sind. Als bekannt wurde, dass diese Wohnungen veräußert werden sollen, läuteten bei Amorbachs Bürgermeister Peter Schmitt (CSU) die Alarmglocken. Die Sorge, dass ein Immobilienkonsortium die Wohnungen übernimmt und die Mieter möglicherweise ihre Wohnungen verlieren könnten, waren sein Antrieb, diesen Weg zu beschreiten.

Nach einer Wirtschaftlichkeitsberechnung war schnell klar: Der Kauf, aber auch der Unterhalt, der ehemaligen GBW-Wohnungen lässt sich realisieren. Wirtschaftlich war es zwar gut dazustellen, die Kommunalaufsicht gewährte der verschuldeten Stadt allerdings den notwendigen Kredit nicht. Also musste ein anderer Weg eingeschlagen werden: Eine "wohlhabende Dame" habe der Stadt das nötige Geld geliehen, sagt Bürgermeister Schmitt: "Dafür haben wir eigens das Kommunalunternehmen gegründet".

"Wirtschaftlich stehen wir gut da und die Mieter sind einfach glücklich, dass die Stadt Amorbach die Verantwortung übernommen hat." Peter Schmitt, Bürgermeister Stadt Amorbach

Geschäftsführer des Kommunalunternehmens der Stadt Amorbach ist Jürgen Schneider. Er kann nach fünf Jahren durchweg positive Ergebnisse verkünden: Jährlich wurden seither Überschüsse erzielt, Wohnungen gezielt saniert und auch an der Miete musste bisher nicht geschraubt werden. Die liegt, wie vor fünf Jahren, bei durchschnittlich etwa 4,50 Euro pro Quadratmeter. Erst zum Jahreswechsel steht eine Mieterhöhung an: Für Christel Haenel bedeutet das, dass sie dann für ihre 75-Quadratmeter-Wohnung etwa 20 Euro mehr zahlen muss, dann also 381 Euro. Das hält sie für moderat, zumal sie erst kürzlich einen modernen Ölofen für ihre Wohnung erhalten hat. Außerdem muss sie, seitdem das Kommunalunternehmen das Sagen hat, auch deutlich weniger "Wassergeld" zahlen. Eine spürbare Entlastung für die Rentnerin.

"Ich bin so glücklich, dass die Stadt Amorbach meine Wohnung übernommen hat. Das hat mir viele Sorgen genommen. Und ich fühle mich jetzt gut versorgt. Man kümmert sich gut um mich!" Christel Haenel, Mieterin