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Geraubte Kinder: NS-Aufarbeitung in Niederbayern | BR24

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Es ist ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte: Während der NS-Zeit wurden Hunderte slowenische Kinder nach Bayern verschleppt. Doch während viele Orte an das Leid erinnern, waren die Benediktinerinnen des Klosters Neustift lang dagegen - bis jetzt.

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Geraubte Kinder: NS-Aufarbeitung in Niederbayern

Es ist ein dunkles Kapitel deutscher Geschichte: Während der NS-Zeit wurden Hunderte slowenische Kinder nach Bayern verschleppt. Doch während viele Orte an das Leid erinnern, waren die Benediktinerinnen des Klosters Neustift lang dagegen - bis jetzt.

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Es ist kein leichter Gang für Milena Žerić. Sie ist zum ersten Mal seit 75 Jahren wieder im Kloster Neustift in Ortenburg bei Passau - diesmal freiwillig. 1943 - mit knapp drei Jahren - wurde sie gewaltsam dorthin gebracht. Sie war eines von über hundert slowenischen Kindern, die in den letzten Kriegsjahren von den Nationalsozialisten ihren Familien entrissen wurden, um im Kloster "germanisiert" zu werden. Ihre Schulter ist kaputt, nachdem ein SS-Mann sie die Treppe hinuntergestoßen hatte. Christoph Schwarz gründete den Verein "Geraubte Kinder", um an Schicksale wie ihres zu erinnern:

"Wenn sie nicht gehorcht haben, hat man sie geschlagen, misshandelt, eingesperrt. Wenn die Kinder aus Hunger gestohlen haben, wurden sie oft verprügelt." Christoph Schwarz, Verein 'Geraubte Kinder'

Betroffene bitten jahrelang vergeblich um Gedenktafel

Die Nationalsozialisten gaben den Kindern deutsche Namen, ihre Muttersprache durften sie nicht mehr benutzen. Bis heute erinnert im Kloster Neustift nichts an diese Zeit: keine Tafel, keine Inschrift, kein Hinweis - obwohl die Kinder von damals die Benediktinerinnen seit Jahren darum bitten. Janez Žmavc kann das nicht verstehen - er wurde als Kind ebenfalls von den Nationalsozialisten entführt: "Wir möchten gerne eine Gedenktafel anbauen, bekommen aber zurzeit noch keine Erlaubnis dafür."

Eine Lösung scheint möglich

Auf Nachfrage des BR entschlossen sich nun die Benediktinerinnen kurzfristig, Milena Žerić und Janez Žmavc zu empfangen. Nach einem kurzen Rundgang ist die Stimmung bei Janez Žmavc bereits deutlich besser. Durch die persönlichen Schilderungen der beiden sei das Verständnis gewachsen, glaubt Žmavcs. Benedektinerinnen-Schwester Gabriele Kren erklärt, sie könne sich eine Erinnerungstafel vorstellen.