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Regionalität ist gefragt - aber oft nicht wirklich definiert. Deshalb gelten Siegel als wichtige Orientierungshilfe im Angebot. Als besonders solide gilt da das Siegel "Geprüfte Qualität Bayern" - das aber nicht allen streng genug ist.

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"Geprüfte Qualität": Wie gut sind Lebensmittel aus Bayern?

Seit 20 Jahren verspricht "Geprüfte Qualität Bayern" Lebensmittel mit höheren Standards und heimischen Zutaten. Die Realität sieht wohl oft anders aus. Verbraucher würden getäuscht, kritisiert ein Aktionsbündnis - und hat eine Petition eingereicht.

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Von
  • Christine Schneider
  • Henning Biedermann
  • Juliane Rummel

Das Siegel "Geprüfte Qualität Bayern" soll garantieren, dass Herkunft und Verarbeitung der Rohstoffe eines Produkts bayerisch sind. Das heißt zum Beispiel: Ein Schwein wird in Bayern geboren, gemästet und geschlachtet. Doch viel mehr sagt diese Qualitätskennzeichnung, die seit 20 Jahren vom Bayerischen Landwirtschaftsministerium vergeben wird, nicht aus.

Auch ein Allgäuer Milchviehbetrieb, bei dem vor zwei Jahren Verstöße gegen das Tierschutzgesetz aufgedeckt wurden, hatte dieses Siegel an der Stalltür.

Auch schlagzeilenträchtige Schlachthöfe haben das Qualitätssiegel

Kritiker bemängeln: Das Regionalsiegel trügen unter anderem auch große Schlachthöfe in Bayern, die alle paar Jahre für Negativ-Schlagzeilen sorgen - wegen des Umgangs mit den Beschäftigten oder wegen Tierschutzverstößen in der Produktion oder bei den Zulieferbetrieben.

Auch was das Tierwohl in den Ställen angeht, wird nur wenig mehr als der gesetzliche Mindeststandard verlangt. Wie in jeder konventionellen Haltung dürfen zum Beispiel Schweine aus Betrieben mit dem Siegel "Geprüfte Qualität Bayern" auf Spaltenboden stehen, ohne Stroh, ohne Auslauf und mit kupierten Schwänzen. Der größte Unterschied: Tiertransporte dürfen nicht länger als vier Stunden dauern – gesetzlich erlaubt wären acht.

Häufig genverändertes Futtermittel

Auch an das Futter werden keine besonderen Ansprüche gestellt. Nicht jeder Landwirt füttert seine Rinder, Schweine oder Geflügel mit Getreide, Mais oder Soja, das er auf seinem eigenen Betrieb anbaut. Oftmals werden Futtermittel zugekauft. Vor allem Soja wird aus Übersee exportiert - und ist zudem meist gentechnisch verändert.

Petition: Mehr Bayerisches auf dem Teller

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und andere Verbände und Organisationen wie der Bund Naturschutz, Greenpeace, Misereor oder die Katholische Landvolkbewegung fordern deshalb, dass die Anforderungen für das Qualitätssiegel nachgeschärft werden. Ihre Online-Petition "Futtermittel aus Europa und mehr Tierschutz" zählt momentan knapp 55.000 Unterstützer und wurde jetzt im Landtag eingereicht.

„Wir wollen nicht, dass Futtermittel verwendet werden, die aus Südamerika kommen, wo Regenwald abgeholzt wird, wo Menschen vertrieben werden und wo Pflanzenschutzmittel verwendet werden, die bei uns längst verboten oder gar nicht erlaubt sind.“ Lucia Egner, Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft e.V

Keine Überarbeitung der Qualitätsanforderungen

Aus dem Landwirtschaftsministerium heißt es dazu: Von den Rinder- und den Schweinehaltern im GQ-Programm bauten ohnehin schon fast alle ihr Futter auf über 50 Prozent der eigenen Flächen an. Würde man eine Flächenbindung vorschreiben, gäbe es noch mehr Nachweispflichten für die Landwirte und somit noch mehr Bürokratie. Das sei nicht praktikabel und den Landwirten nicht zumutbar.

Auch gentechnisch veränderte Futtermittel möchte das Ministerium nicht verbieten. Was dann passieren würde, sehe man in Baden-Württemberg, heißt es. Dort wurde der Verzicht auf Gentechnik im regionalen Qualitätsprogramm verbindlich eingeführt. Daraufhin stieg ein Drittel der Schweinemäster aus dem Programm aus. Der Grund: höhere Kosten für Futtermittel und somit zu teuer.

Bessere Orientierung für den Verbraucher

Nur zu einer Veränderung ist man im Ministerium bereit. Künftig sollen die Produkte mit dem „Geprüfte Qualität Bayern“- Siegel zusätzlich mit Informationen zur Tierhaltung gekennzeichnet werden.

Auf einer Skala von eins bis vier können Verbraucher dann ablesen, unter welchen Bedingungen die Tiere gehalten wurden. Stufe 1 bedeutet, dass gesetzliche Standards erfüllt werden. Stufe 4 kennzeichnet eine „Premiumhaltung“.

Landwirte fordern: Mehr Tierwohl muss bezahlt werden

Landwirt Martin Wernberger im Landkreis Aichach-Friedberg macht seit vielen Jahren bei diesem Siegel mit und leistet freiwillig mehr, als vorgeschrieben ist. Er bietet seinen Schweinen zehn Prozent mehr Platz, Holzspielzeug und neuerdings auch Raufutter zur Beschäftigung. Das bedeutet Haltungsform 2, das Fleisch würde ab Sommer im Handel dieses Label bekommen. Aber wer bezahlt dieses Mehr an Tierwohl?

„Machbar ist alles, aber es muss vergütet werden. Das ist das Problem. Man kann nicht Sachen fordern, die aber keiner bezahlen will oder kann.“ Martin Wernberger

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