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Geplantes ICE-Werk in Metropolregion: Proteste verschärfen sich | BR24

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Seit Wochen wächst massiver Widerstand gegen die Pläne der Bahn, ein ICE-Werk bei Nürnberg zu errichten. Vier der sieben Standort-Vorschläge liegen im Reichswald. Für den Bund Naturschutz und viele Anwohner völlig inakzeptabel.

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Geplantes ICE-Werk in Metropolregion: Proteste verschärfen sich

Rund 160 Menschen haben unter Einhaltung strenger Infektionsschutzmaßnahmen im Nürnberger Stadtteil Altenfurt protestiert. Mit ihrer Mahnmeile wollten sie ein Zeichen gegen das geplante ICE-Werk in einem benachbarten Waldstück im Reichswald setzen.

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Von
  • Roland Zimmermann

Nach bereits drei durchgeführten stillen Lichterwachen ist die Protestkundgebung gegen das geplante ICE-Werk in Nürnberg-Altenfurt die erste mit Rednern gewesen. An ihr haben auch Gegner aus dem benachbarten Markt Feucht im Landkreis Nürnberger Land teilgenommen.

Auch Waldstück bei Feucht als Standort geprüft

Nach den massiven Protesten am Standort Nürnberg-Altenfurt hat die Deutsche Bahn Ende Januar auch zwei Standorte in einem Waldstück bei Feucht in die Untersuchungen zum bevorstehenden Raumordnungsverfahren aufgenommen. Die DB Fernverkehr AG prüft die ehemalige Heeresmunitionsanstalt (MUNA) Feucht sowie einen Bereich südlich davon als mögliche Standorte für das geplante ICE-Werk in der Metropolregion Nürnberg.

Beide Standorte liegen im sogenannten Bannwald, der unter besonderem Schutz steht. Für ihr geplantes ICE-Ausbesserungswerk benötigt die Bahn eine Fläche von bis zu 45 Hektar. Die Gegner befürchten massive Waldrodungen an beiden Standorten, da es dafür keine geeigneten Gewerbeflächen gibt.

Protest jetzt auch in Feucht sichtbar

Um den Protest in Feucht sichtbar zu machen, hat die Ortsgruppe des Bund Naturschutz jetzt Banner und Plakate in der Marktgemeinde aufgehängt. Im April will sie ähnlich wie ihre Nachbarn in Altenfurt mit weiteren Protestaktionen fortfahren, sofern es der Fortgang der Pandemie zulässt. "Ich werde für meinen Reichswald kämpfen, bis ich sterbe", sagte die BN-Vorsitzende Sophie Wurm dem Bayerischen Rundfunk.

Der Reichwald ist an beiden Standorten als Bannwald (grüne Lunge) und Europäisches Vogelschutzgebiet ausgewiesen und somit besonders schützenswert. Die Erlaubnis zur Rodung im Bannwald kann nur unter der Voraussetzung erteilt werden, dass gleichwertiger Ersatz dafür geschaffen wird. Dazu will die Bayerische Staatsregierung der Bahn als Ausgleich 300 Hektar, also gut die sechsfache Fläche an Wirtschaftswald zur Verfügung stellen, der dann zum Naturwald umgewidmet werden soll.

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Bildrechte: BR-Studio Franken/Roland Zimmermann

In Feucht ist der Protest gegen einen Bau des geplanten ICE-Werks genauso groß wie im Nürnberger Stadtteil Altenfurt.

Der Standort des Werks steht aber noch nicht fest

Die Bahn geht mit insgesamt sieben Standortvorschlägen in der Metropolregion ins Raumordnungsverfahren bei der zuständigen Regierung von Mittelfranken. Das hat sie vor knapp zwei Monaten in einer Mitteilung auf der Internetseite zum geplanten ICE-Werk Nürnberg bekannt gegeben.

Standortvorschläge der Bahn sind:

  • Nürnberg – Altenfurt / Fischbach
  • Nürnberg – Rangierbahnhof
  • (neu) Feucht – MUNA-Gelände
  • (neu) Feucht – Gelände südlich des MUNA-Geländes
  • Allersberg – Pyrbaum
  • Fürth – Burgfarrnbach / Veitsbronn
  • Baiersdorf – Poxdorf

Im Raumordnungsverfahren prüft die Regierung von Mittelfranken alle mögliche Standorte unabhängig und objektiv nach festgelegten Kriterien. Da nun Untersuchungen und Unterlagen für die beiden möglichen neuen Standorte in Feucht hinzugekommen sind, verschiebt sich der Beginn des Raumordnungsverfahren um circa ein halbes Jahr auf Herbst 2021. Es wird sechs Monate dauern. Während dieser Zeit werden die Pläne öffentlich an allen sieben Standorten ausgelegt und Betroffene können dabei ihre Einwände dagegen vorbringen. Die DB hält jedoch an den Plänen fest, alle Interessierten bereits im Frühjahr 2021 über die einzelnen Standorte zu informieren.

Wie geht es danach weiter?

Als Ergebnis des Raumordnungsverfahrens könnten im Frühjahr 2022 einer oder mehrere Standorte als dafür geeignet bewertet werden. Dann würde sich die Bahn für einen Vorzugsstandort entscheiden und dafür anschließend das nötige Planfeststellungsverfahren einleiten.

Ausbesserungswerk soll Ende 2028 fertig sein

Die Deutsche Bahn will ihr neues Ausbesserungswerk in der Metropolregion Nürnberg bis Ende 2028 fertiggestellt haben. Es wird aus zwei Modulen bestehen: einer Freifläche und einer unmittelbar angrenzenden Werkstatthalle mit sechs Gleisen und 400 Metern Nutzfläche. Es soll besonders umweltfreundlich und CO2-neutral sein. Dafür will die Bahn 400 Millionen Euro investieren.

Etwa 450 Beschäftigte sollen dann hier rund um die Uhr täglich bis zu 25 ICE-Züge der neuen Generation 3 und 4 reinigen und warten. Zwei Drittel der Arbeiten sollen ähnlich wie in den anderen Werken überwiegend nachts durchgeführt werden.

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