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Im Raum Irlbach in Niederbayern könnte eine neues BMW-Montagewerk für Hochvoltbatterien errichtet werden - die Anwohner sind wenig begeistert.

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Geplantes BMW-Werk in Niederbayern: Anwohner protestieren

BMW will wohl im niederbayerischen Irlbach ein großes Montagewerk für Batterien bauen. Am Abend haben sich Vertreter der betroffenen Gemeinden in Straubing getroffen. Vor dem dortigen Landratsamt warteten bereits wütende Anwohner.

Im Raum Irlbach im niederbayerischen Kreis Straubing-Bogen könnte möglicherweise ein riesiges BMW-Montagewerk für Hochvoltbatterien errichtet werden. In einer gemeinsamen, nicht öffentlichen Gemeinderatssitzung haben sich am Dienstagabend Vertreter der Gemeinden Irlbach und Straßkirchen auf den aktuellen Stand gebracht. Der Autobauer BMW betont ausdrücklich, es gebe noch keine Standortentscheidung. Dennoch regt sich bereits Widerstand.

Sorge vor Versiegelung des Ackerbodens im Gäuboden

Die Bürgerinitiative "Lebenswerter Gäuboden", die am Wochenende gegründet wurde, hat Gemeinderäte sowie Bürgermeister auf ihrem Weg zur Sitzung ins Straubinger Landratsamt mit Trillerpfeifen, Plakaten und lautstarken Buh-Rufen empfangen. Rund 55 Anwohner der Gemeinden protestierten gegen den möglichen künftigen BMW-Standort in Irlbach: "Gäuboden erhalten für uns und unsere Kinder", "Heimat vs. BMW" oder "Wir brauchen unsere Nahrungsquelle" stand auf den Plakaten der Demonstranten.

Sie fürchten nicht nur eine Zunahme des Verkehrs, sondern auch Kostensteigerungen von Wohnungen, Überlastungen von Schulen und Kitas, Konkurrenz um Arbeitsplätze und Grundwasser-Beeinträchtigungen. Vor allem aber setzt sich die Interessensgemeinschaft gegen die Versiegelung des Ackerbodens im Gäuboden ein: "Wir leben im Gäuboden, das ist die Kornkammer Bayerns – wir haben mit Abstand die fruchtbarsten Böden in Bayern. Hier werden Qualitätsspeisekartoffeln und Gemüse angebaut. Wir sind dagegen, dass dieser Ackerboden versiegelt wird und nicht mehr zur Nahrungsproduktion verwendet wird, sondern für die Industrie", so der zweite Sprecher der Bürgerinitiative, Paul Kerl.

Vorwurf: Mangelnde Kommunikation

Ebenso kritisieren die Mitglieder der Interessensgemeinschaft, nicht in die Entscheidungen einbezogen zu werden, beziehungsweise keine Informationen zu erhalten. Von BMW heißt es hierzu auf BR-Anfrage, dass nach einer Entscheidung für einen Standort und Vertragsunterzeichnungen "umfassend informiert" werde. Dann erst beginne die Aufstellung des Flächennutzungs- und Bebauungsplans, der "dann auch unter ausführlicher Teilhabe der Öffentlichkeit stattfinden wird. Hier haben verschiedene Interessensgruppen die Möglichkeit, etwaige Vorbehalte oder Gedanken einzubringen. Wir sind dafür sehr offen und auch dankbar."

BMW auf "Zielgeraden der Standortsuche"

Fest steht, dass BMW ab 2025 einen "wichtigen Meilenstein" zur weiteren Elektrifizierung vornehmen und Fahrzeuge der "Neuen Klasse" produzieren will: "Um die Produktion der dafür erforderlichen Hochvoltbatterien zu ermöglichen und die Versorgung der Fahrzeugwerke sicherzustellen, benötigen wir ein mindestens 50 bis über 100 Hektar großes Industriegrundstück als möglichen Produktions- und Versorgungsstandort in Bayern."

Vom künftigen Standort aus sollen die bayerischen BMW-Werke München, Regensburg und Dingolfing mit Hochvoltbatterien versorgt werden. "Eine gute logistische Anbindung an die bayerischen Werke ist somit ein wichtiges Auswahlkriterium für das Grundstück".

Gebaut werden soll ab Anfang 2024, der Serienbetrieb soll 2026 aufgenommen werden – laut BMW befinde man sich auf der Zielgeraden der Standortsuche und führe letzte Gespräche.

Naturschützer: Flächenverbrauch besorgniserregend

Der Bund Naturschutz (BN) betrachtet den möglichen Bau des neuen BMW-Werks kritisch: Der Autobauer müsse zunächst alle Möglichkeiten ausschöpfen, das geplante neue Batteriewerk an bestehenden Standorten aufzubauen, heißt es in einer Mitteilung der Kreisgruppe Straubing vom vergangenen Freitag. Gleichzeitig aber begrüßt der BN das Vorhaben von BMW, ein neues Werk in Bayern statt im Ausland zu bauen. Der damit verbundene Flächenverbrauch sei aber besorgniserregend.

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