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George-Floyd-Straße in Metten einstimmig abgelehnt | BR24

© pa/Ulrich Baumgarten

Der Marktgemeinderat in Metten hat die Straßenumbenennung einstimmig abgelehnt.

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    George-Floyd-Straße in Metten einstimmig abgelehnt

    Über den Vorschlag, eine Straße im niederbayerischen Metten in "George-Floyd-Straße" umzubenennen, wurde kontrovers diskutiert. Nicht nur im Netz, sondern auch in der Marktgemeinderatssitzung. Die Entscheidung ging dennoch eindeutig aus: abgelehnt.

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    In Metten (Lkr. Deggendorf) wird vorerst keine Straße nach dem getöteten Afroamerikaner George Floyd benannt. Es war eine klare Entscheidung: Der Marktgemeinderat hat den Vorschlag eines Bürgers mit 16:0 abgelehnt. Ganz vom Tisch ist der Straßenname aber noch nicht.

    Umbenennung zu aufwendig, zu teuer und ohne Bezug

    Wie Andreas Moser (Freie Wähler), der Bürgermeister von Metten, dem Bayerischen Rundfunk sagte, habe man sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Es wurde heftig diskutiert und am Ende abgewogen: Die Umbenennung einer Straße hätte zu viele Konsequenzen für die Anwohner gehabt und wäre für ansässige Betriebe sogar ein "Super-Gau" gewesen, so Moser.

    Zum Beispiel wären die Kosten für die Adressänderung von Briefpapier, Stempel, Adressschildern und vieles mehr unverhältnismäßig gewesen. Eine Straße ohne Namen gibt es derzeit nicht in dem Ort. Ein weiterer Punkt war, dass in Metten traditionell Flur-, Orts- und Bürgernamen für Straßen vergeben werden, die im direkten Bezug zu der niederbayerischen Marktgemeinde stehen. "George Floyd" war der erste Vorschlag ohne Bezug.

    "George-Floyd-Straße" wurde in Pool aufgenommen

    Dennoch entschied sich der Marktgemeinderat für einen Kompromiss: Der Name wurde in einen Pool an Vorschlägen aufgenommen. Diese werden im kommenden Jahr wieder hervorgeholt, wenn ein Neubaugebiet erschlossen wird, das neue Straßennamen benötigt.

    Wer oder was steckt hinter dem Bürger-Vorschlag?

    Dem Bürgermeister sei aber wichtig, dass er Mettens Bürger ernst nehme, sagte er dem BR. Vor der Entscheidung hatte er den Mann ins Rathaus eingeladen, dessen Vorschlag die Straßenumbenennung war. "Es handelt sich um einen Kosmopolit", so der Bürgermeister. "Der Herr ist Mitte 70 und war schon in aller Welt zu Hause. In Papua-Neuguinea machte er Erfahrungen mit Rassismus. Seine mittlerweile verstorbene Frau wurde von Australiern angefeindet. Deshalb hatte ihn das Schicksal von George Floyd besonders berührt".

    Dem Mann - erst seit Kurzem Bürger von Metten - sei die Tragweite einer Straßenumbenennung nicht klar gewesen, so Moser. Ihm war es ein Bedürfnis, diesen Antrag zu stellen und mit dem Kompromiss sei er nun zufrieden, heißt es weiter. Bei der Abstimmung am Dienstagabend war ein Mitglied des Marktgemeinderats nicht anwesend - es nahmen 15 Marktgemeinderäte und der Bürgermeister an der Sitzung teil.

    Heftige Diskussion über George Floyd im Netz

    Nicht nur Bürgermeister Moser hat etliche Emails mit Kommentaren zu dem Vorschlag der Straßen-Umbenennung bekommen. Auch im Internet bei BR24 wurde eine "George-Floyd-Straße" in Niederbayern heftig diskutiert. Von einem Aprilscherz war die Rede ("Wenn 1. April wäre, könnte ich diese Meldung entsprechend einschätzen".), von "Gutmenschentum" ("Einem Kriminellen einen Straßennamen zu widmen, ist schon sonderbar. Was deutschen Gutmenschen so alles einfällt?") und davon, dass es momentan andere Probleme gäbe ("Die Eindämmung der Corona-Pandemie und die Linderung der Folgen würde ich sagen. Das wäre auch weitaus vordringlicher fürs Gemeinwohl".).

    Außerdem teilten mehrere BR24-User die Meinung, andere Menschen hätten einen Straßennamen mehr verdient ("Man kann auch Straßen benennen nach Bürgern, die ehrenamtlich im Dienst der Allgemeinheit Arbeit geleistet haben, zum Beispiel Menschen, die bei der Tafel arbeiten oder bei der Feuerwehr oder sonstigen sozialen Einrichtungen.").

    George Floyd war kein unbeschriebenes Blatt

    Der 46-jährige Afroamerikaner George Floyd war im Mai durch Polizeigewalt in Minneapolis in den USA ums Leben gekommen. Ein Video des Vorfalls ging um die Welt und löste heftige Proteste gegen Rassismus aus. Floyd war in der Tat kein unbeschriebenes Blatt: Er hatte mehrmals - unter anderem wegen Drogendelikten, Diebstahls und bewaffneten Raubes - im Gefängnis gesessen.

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