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Bildrechte: pa-dpa/Christin Klose

Das Problem verbindet über Landesgrenzen hinweg. Weil im Odenwald viele Hausärzte kurz vor dem Ruhestand sind, droht ein Ärztemangel. Deshalb startet die "Odenwald-Allianz" jetzt ein Modellprojekt: eine Genossenschaft für die ärztliche Versorgung.

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Genossenschaftsmodell soll Hausärzte in den Odenwald locken

Das Problem verbindet über Landesgrenzen hinweg. Weil im Odenwald viele Hausärzte kurz vor dem Ruhestand sind, droht ein Ärztemangel. Deshalb startet die "Odenwald-Allianz" jetzt ein Modellprojekt: eine Genossenschaft für die ärztliche Versorgung.

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Von
  • Barbara Ecke
  • BR24 Redaktion

Gemeinsame Probleme gemeinsam lösen: Nach diesem Credo bringt die interkommunale "Odenwald-Allianz" Projekte auf den Weg, um die Herausforderungen des ländlichen Raums zu meistern. Jetzt geht der Verbund mit Hauptsitz in Amorbach (Lkr. Miltenberg) die drohenden Lücken in der ärztlichen Versorgung an. Um einem Ärztemangel in der Region entgegenzuwirken, hat Amorbachs Bürgermeister Peter Schmitt (CSU) jetzt ein Modell vorgestellt, das bayernweit einmalig sein soll: die Gründung einer Genossenschaft für die hausärztliche Versorgung.

Ärzte und Kommunen als Genossenschaftsmitglieder

Das Ziel ist klar: Die Arbeitsbedingungen für Mediziner in der Region sollen verbessert werden, um so die ärztliche Versorgung zu sichern. Vor allem junge Ärzte soll das Projekt ansprechen. Denn in den nächsten Jahren drohe der Region ein massiver Ärztemangel, so Peter Schmitt, weil viele Hausärzte kurz vor dem Rentenalter stünden.

Das Modell sieht vor, dass die bayerischen Kommunen der Odenwald-Allianz und Michelstadt im benachbarten Hessen einer neuen Genossenschaft beitreten. Auch Ärzte können Mitglieder werden. Mit Kommunen und Ärzten als Mitgliedern soll die Genossenschaft dann in Amorbach ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) betreiben, in dem Mediziner auch Angestellte arbeiten können.

Neues Gesundheitszentrum soll in Amorbach entstehen

In Amorbach soll zudem ein Gesundheitszentrum entstehen, in dem das MVZ seinen Standort haben wird. Nach Abstimmung in den Kommunen soll die Genossenschaft voraussichtlich im Juni gegründet werden. Der Betrieb der ersten Praxen als MVZ ist ab März 2022 geplant.

Noch im Mai werden laut Bürgermeister Schmitt die Städte- und Gemeinderäte über die Pläne abstimmen. Zur Odenwald-Allianz gehören die Kommunen Amorbach, Kirchzell, Laudenbach, Rüdenau, Miltenberg, Schneeberg und Weilbach. Die Gemeinde Eichenbühl denkt über einen Beitritt nach.

Vorteile für Ärzte: flexiblere Zeiteinteilung und weniger Bürokratie

Aber welche Vorteile soll die Genossenschaft den Mediziner konkret bieten? Peter Schmitt ist überzeugt, dass vor allem für junge Ärztinnen mit Familie eine Anstellung dann attraktiver werden würde - zumal auch eine Arbeit in Teilzeit möglich sei. Mehr als die Hälfte der Studierenden an den Unis im Fachbereich Medizin seien aktuell junge Frauen. "Work-Life-Balance" und Flexibilität spielten auch für diese Berufsgruppe eine immer wichtigere Rolle, so Schmitt.

Die Genossenschaft soll die Mediziner künftig auch bei der wachsenden Bürokratie in den Praxen unterstützen, damit mehr Zeit für den Umgang mit den Patienten und auch für die Ärzte selbst bleibt.

Verpflicht zum Gemeinwohl als Grundlage

Ein Eckpunkt in der Satzung der geplanten Genossenschaft wird die Verpflichtung zum Gemeinwohl sein. Dies soll ausschließen, dass bei den Mitgliedern ein vorrangiges Kapitalinteresse besteht. Das erwirtschaftete Kapital soll wieder in die Genossenschaft zurückfließen. Mit dem Geld sollen beispielsweise Fortbildungen oder neue Ausstattungen für die Praxen finanziert werden.

Das Konzept dieser Art von Genossenschaft wurde von der Diomedes GmbH mit Sitz im hessischen Melsungen entwickelt. Die Firma hat sich laut Amorbachs Bürgermeister auch angeboten, auf Wunsch die Geschäftsführung der Genossenschaft zu übernehmen.

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