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Genossenschaft im Kloster: Kommt das Wohnprojekt in Schlehdorf? | BR24

© picture alliance / Goldmann

Kloster Schlehdorf

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    Genossenschaft im Kloster: Kommt das Wohnprojekt in Schlehdorf?

    Noch gehört das Kloster Schlehdorf den Missionsdominikanerinnen. Dieses Wochenende aber will die Münchner Genossenschaft wogeno beschließen, ob sie das Gebäude kaufen will - um ein besonderes Wohnprojekt in den Klostermauern zu errichten.

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    Die Umgebung und die 300 Jahre alten Mauern in Schlehdorf am Kochelsee haben es Peter Schmidt angetan. Er ist Vorstandsmitglied und Projektverantwortlicher der Münchner Wohngenossenschaft wogeno. Er kommt aus dem Schwärmen über diese Immobilie gar nicht mehr heraus: "Es ist ein Nukleus der Vielfalt, den findet man selten in Bebauungen, die meistens bestimmten einseitigen Zwecken zugeordnet sind. Und ein Kloster ist kein einseitiger Zweck – wir haben hier 222 Räume, von der Besenkammer zur Kapelle, es ist ein Raumgefüge, das in sich schon atemberaubend vielfältig ist."

    Gemeinschaftliches Wohnen in Klostertradition

    Die Genossenschaft will einen Teil des Klosters, den ehemaligen Schwesterntrakt, kaufen, um Wohnungen und Arbeitsräume zu schaffen. Und Peter Schmidt verspricht: einige Ideen eines Klosterlebens – eines Wohnens in Gemeinschaft - sollen hier weiterleben: "Wir wollen Wohnen und Arbeiten zusammenbringen. Wir wollen menschlichen Austausch fördern, das soziale Miteinander, des gemeinschaftliche, und das ist hier natürlich ein Ort, der über Jahrhunderte dem gemeinschaftlichen Leben gedient hat. Das ist ein sinnfälliger Ort, um solche Dinge weiterzumachen. Die Zukunft der Städte kann nicht darin liegen, dass Vereinzelung weitergeht. Und ein Ort wie dieser hier ist ein schönes Trainingsfeld, um gemeinschaftliche Wohnmodelle zu üben. "

    Ein "Wohnplatz", wie Peter Schmidt es nennt, soll dann warm zwischen 350 und 500 Euro Monatsmiete kosten – je nach Größe der Zelle. Insgesamt wird es 50 solcher Wohnplätze geben – hinzu kommen noch Ateliers und Großraumbüros – so genannte Co-Working Areas. Konkret könnte das Wohnen im Kloster dann so aussehen: "Die Klosterzelle bildet die atomare Einheit des Wohnens und in die kann man sich zurückziehen, seine Tür hinter sich zusperren. Und so bald man die Zelle verlässt, ist man in Gemeinschaft. Und bereitet sich das Essen in einer Gemeinschaftsküche zu. Man ist dort nicht gezwungen, auf immer dieselben Leute zu treffen – also eine Ausweichmöglichkeit ist geschaffen hier im Haus."

    Große Pläne und Ideen

    Und Peter Schmidt verspricht: Das Kloster soll auch weiterhin in den Ort hineinwirken – offene Türen haben. Das hört Stefan Jocher gerne. Der gebürtige Schlehdorfer ist ehrenamtlicher Bürgermeister und gemeinsam mit dem Gemeinderat involviert in die Verkaufsverhandlungen. "Das ist schon eine gute Sache, dass es nicht ein Einzelner ist, der damit macht, was er will und das dann wieder abstößt und zerlegt oder wie auch immer. Uns ist schon auch dran gelegen, auch, weil die Realschule in dem Gebäude ist, dass das entweder eine soziale Richtung, oder Bildungseinrichtung wird, und wir würden das entsprechend auch baurechtlich unterbinden, dass da Eigentumswohnungen entstehen."

    Mit Genossenschaften haben die Schlehdorfer inzwischen schon erste Erfahrungen gesammelt: Vor acht Jahren ging die klösterliche Landwirtschaft an einen Zusammenschluss von Menschen über, die anders wirtschaften wollten. Permakulturen statt Profit – also eine andere Landwirtschaft als bisher. Der Name: Klostergut. Die Schlehdorfer fremdelten zunächst etwas, die Schnittstelle ist unter anderem der kleine Bioladen.

    Eine der wenigen Genossenschaftlerinnen vom Klostergut, die aus der Region kommen, ist Birgit Jocher. Sie ist einst in Schlehdorf zur Schule gegangen und sieht sich und ihre Mitstreiter in einer guten Tradition des Klosters. Nachhaltig wirtschaften und gemeinschaftlich leben: Es gehe darum, das weiterzuführen, was die Schwestern übertragen hätten.

    Schlehdorfer hoffen auf das Projekt

    Dass es weiter geht mit dem Kloster wünschen sich auch die alteingesessenen Schlehdorfer. Die Stammgäste beim Fischerwirt erzählen Anekdoten, die sie mit ihrem Kloster verbinden. Gabi Zeiler, die im Kloster zur Schule ging, spricht vom Kloster als Fels in der Brandung. Hans Liegsalz erinnert sich an seine Ministrantenzeit bei den Schwestern, die schon viele Jahrzehnte zurückliegt. Das, was heute mit dem Kloster passiert, beobachten sie mit Interesse und hoffen auf das Projekt der Genossenschaft.

    Sorge um baurechtliche Bestimmungen

    Doch unterschrieben ist bislang nichts – dieses Wochenende will sich die wogeno rund um Peter Schmidt endgültig entscheiden. Die Grundstimmung innerhalb der Genossenschaft ist positiv, aber es gibt auch Ängste davor, sich mit den denkmalgeschützten alten Mauern einen unkalkulierbaren Klotz ans Bein zu binden - etwa, was Brandschutz oder Denkmalschutzauflagen angeht.

    Doch im Dorf erzählt man sich, dass die Missionsdominikanerinnen täglich dafür beten – dass nach ihrem Auszug mit dem Genossenschaftswohnprojekt wieder gemeinschaftliches Leben einkehrt in die jahrhundertealten Mauern.