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Markus Blume, Horst Seehofer und Markus Söder (Archivbild)
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Markus Blume, Horst Seehofer und Markus Söder (Archivbild)

Im aktuellen ARD-Deutschlandtrend zur Bayern-Wahl kommt die CSU nur noch auf 33 Prozent. Das wäre ein historisches Tief für die Partei, die früher einmal das Wahlziel 50+x ausgegeben hatte. Eine Woche vor der Landtagswahl am 14. Oktober ist zwischen CSU-Chef Horst Seehofer und Ministerpräsident Markus Söder nun offener Streit über die Verantwortung für die miserablen Umfragewerte entbrannt.

Blume fordert "maximale Geschlossenheit"

CSU-Generalsekretär Markus Blume hält nichts von Schuldzuweisungen so kurz vor der Landtagswahl. Die Aufgabe sei es jetzt, die fast 50 Prozent unentschlossenen Wähler noch zu erreichen und dafür zu sorgen, dass die CSU stabil bleibe, sagte er im BR-Interview.

"Dafür braucht es jetzt maximale Geschlossenheit in der Partei und maximale Unterstützung für unseren Ministerpräsidenten. Und deswegen kann ich an alle nur appellieren, dass wir die Kräfte jetzt konzentrieren auf unseren Wahlkampfendspurt und uns nicht mit anderen Themen beschäftigen." CSU-Generalsekretär Markus Blume

Schuldfrage: Streit zwischen Söder und Seehofer

Statt interne Diskussionen zu führen, sollten sich nun alle im Wahlkampfendspurt engagieren, macht Blume deutlich: "Es ist jeder gut beraten, jetzt die entsprechenden Kräfte auch darauf zu konzentrieren." Auch wenn der Generalsekretär explizit keine Namen nennt - wen er hiermit meint, ist klar: Ministerpräsident Söder und Parteichef Seehofer.

Markus Blume

Markus Blume

Söder hatte zuvor insbesondere die Berliner Politik für die schlechten Umfrageergebnisse verantwortlich gemacht.

"Insgesamt hat Berlin im letzten Jahr für die eine oder andere Unruhe gesorgt. Das kann man auch an anderen Umfrageergebnissen ablesen wie bei der SPD." Ministerpräsident Markus Söder

Seehofer: Söder für Wahlkampf zuständig

Seehofer spielte nun den Ball zurück nach München. Er habe sich in den letzten Monaten weder in die bayerische Politik noch in die Wahlkampfführung eingemischt, sagte der Bundesinnenminister der "Süddeutschen Zeitung". Und nicht er, sondern Söder sei zuständig für strategische Überlegungen im Wahlkampf. Ähnlich hatte sich Seehofer auch am Mittwoch am Rande der Gedenkfeierlichkeiten zum 30. Todestag von Franz Josef Strauß in Rott am Inn geäußert. "Landtagswahlen sind immer zuerst Landtagswahlen", sagte er. Und auf seine persönliche Verantwortung angesprochen, betonte der CSU-Chef: "Ich habe jetzt auf der Herfahrt hier kein Plakat von mir gesehen."

Seehofer schließt Rücktritt aus

Auch nach der Landtagswahl will Seehofer Innenminister im Bundeskabinett bleiben. Das stellte er in der "Welt am Sonntag" klar. "Ich habe ein großes Werk zu verrichten", sagte Seehofer der Zeitung. Auf die Frage, ob er nach der Bayern-Wahl auch den Parteivorsitz behalten wolle, sagte er: "Ich bin von meinem Parteitag bis zum Herbst nächsten Jahres gewählt."

CSU-Politiker befürchten heftige Parteikrise

Sollte das Ergebnis am 14. Oktober für die CSU tatsächlich so desaströs ausfallen, wie die aktuellen Umfragen, erwartet man in CSU-Kreisen eine heftige Krise. Dann werde der Streit sofort und umso heftiger ausbrechen, vermutet ein CSU-Landtagsabgeordneter und warnt: Dann könnte es eventuell sogar für beide eng werden.

Wer führt die Koalitionsverhandlungen?

Laut Nachrichtenmagazin "Spiegel" machen die Gegner von Parteichef Horst Seehofer schon jetzt mobil. Mehrere Mitglieder des CSU-Vorstands wollen Seehofer von möglichen Koalitionsverhandlungen ausschließen, heißt es in dem Bericht. Ein entsprechender Beschluss solle für die Sitzung des Gremiums am Montag nach der Wahl vorbereitet werden. CSU-Generalsekretär Blume will sich dazu nicht äußern. Solche Fragen stellten sich jetzt nicht, so Blume.

Merkel sieht Streit in Großer Koalition als Ursache

Unterdessen hat sich auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zu den schlechten Umfragewerten vor der Landtagswahl in Bayern geäußert. Für sie steht fest, dass die Konflikte in der Großen Koalition daran durchaus eine Mitschuld haben – vor allem der langanhaltende Unionsstreit über die Migrationspolitik. Auf dem Deutschlandtag der Jungen Union in Kiel sagte die CDU-Vorsitzende: "Ich weiß auch, dass wir durch unseren Streit dazu beigetragen haben, dass die Umfragen so sind wie sie sind."

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt beschwor danach den Zusammenhalt der Union. "Die Gemeinsamkeit von CDU und CSU ist unverrückbar, auch wenn wir uns im Detail mal unterscheiden", sagte Dobrindt in seiner Rede auf dem Deutschlandtag der JU. Von politisch extremen Rändern grenzte er die Union klar ab. Die Union habe nichts gemein mit den Populisten auf der linken wie auf der rechten Seite, betonte er auch mit Blick auf die AfD.

Gemeinsamer Wahlkampfauftritt am Montag

Spannend dürfte es angesichts der Auseinandersetzungen in der CSU am Montagabend in Ingolstadt werden. Dann treten Söder und Seehofer gemeinsam im Wahlkampf auf. CSU-Generalsekretär Blume sieht diesen Termin trotz des offenen Streits nicht in Gefahr: "Ich bin mir sicher, dass alle in der Partei das beste Ergebnis für die CSU wollen. Deswegen werden wir das bei den vier noch anstehenden Kundgebungen auch unterstreichen."

JU-Landeschef Reichart mit BR-Moderatorin Ursula Heller

JU-Landeschef Reichart mit BR-Moderatorin Ursula Heller