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Gemüseernte und Corona: Landratsamt Würzburg testet Erntehelfer | BR24

© pa-dpa

Erntehelfer auf einem "Gurkenflieger"

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    Gemüseernte und Corona: Landratsamt Würzburg testet Erntehelfer

    Angesichts des Corona-Ausbruchs auf einem Gemüsebauernhof in Niederbayern baut das Landratsamt Würzburg sein bestehendes Kontrollsystem weiter aus. Bereits Ende Juni hat das Amt begonnen, Erntehelfer zu testen. Bisher gab es einen Corona-Fall.

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    Knapp 180 infizierte Erntehelfer, Massen-Tests und Reisebeschränkungen wegen Corona. Was derzeit im niederbayerischen Landkreis Dingolfing-Landau vor sich geht, beobachtet der Würzburger Landrat Thomas Eberth (CSU) mit höchstem Interesse. Schließlich sind auch Teile seines Landkreises ein traditioneller Schwerpunkt des Gemüseanbaus. Derzeit läuft die Gurkenernte bei den Erzeugern im nördlichen Landkreis. Und weil dort insgesamt rund 500 ausländische Saisonkräfte im Einsatz sind, hat das Landratsamt Würzburg vor einigen Wochen erste Maßnahmen getroffen.

    Landratsamt Würzburg: Bisher ein Corona-Fall bei Erntehelfern

    So hat das Landratsamt gemeinsam mit dem Gesundheitsamt im Juni damit begonnen, landwirtschaftliche Betriebe zu kontrollieren und die Erntehelfer auf Corona zu testen. Laut Thomas Eberth sind am 26. Juni sämtliche Mitarbeiter eines ersten Gemüsebetriebs durchgetestet worden, weitere Betriebe folgten. Dabei sei Mitte Juli bei einer neu angekommenen Gruppe von neun Erntehelfern aus Rumänien ein positiver Corona-Fall aufgetreten, die Gruppe sei dann umgehend in Quarantäne isoliert worden.

    Neu angekommene Erntehelfer besonders im Fokus

    Laut Johann Löw, dem Leiter des Würzburger Gesundheitsamts, müsse der Fokus der Kontrollen besonders auf den Neuankömmlingen liegen. "Denn diese Saisonarbeiter bringen die jeweilige Corona-Lage aus ihrem Heimatland mit. Wir schauen hier bereits sehr genau hin und werden dies weiter tun." Die bestehenden Kontrollen sollen nun intensiviert werden.

    Vorgabe aus München: "Prüferteams" sollen entstehen

    Gemäß der Vorgabe des Bayerischen Gesundheitsministeriums bildet das Würzburger Landratsamt ein "Prüferteam" aus Mitarbeitern des örtlichen Gesundheitsamts, der Gewerbeaufsicht sowie des Amts für Landwirtschaft und Forsten. Ziel soll sein, im Landkreis alle landwirtschaftlichen Betriebe mit Erntehelfern auf Hygieneschutzmaßnahmen, Betriebsabläufe und Unterkünfte hin zu überprüfen. Dabei sind laut auch unangekündigte Kontrollen möglich. Bisher sind im Landkreis Würzburg keine unangekündigten Kontrollen oder Tests durchgeführt worden. "Wir haben eine Offenheit, die Tests in den Betrieben noch offensiver anzugehen", so Johann Löw vom Würzburger Gesundheitsamt.

    Landwirt: "Ich kann meine Erntehelfer nicht einsperren."

    Bei bereits vorgenommenen Tests im Landkreis Würzburg sind laut Johann Löw auch die Unterbringungen in Augenschein genommen worden. Bis zum Bekanntwerden der Testergebnisse seien verhältnismäßig viele Arbeiter auf engem Raum verblieben, anschließend seien sie meist in Dreier-Unterkünften in Containern untergebracht worden. Das größte Risiko sieht Löw in der Freizeitgestaltung der Erntehelfer.

    "Irgendwann ist die Arbeit vorbei und kein Landwirt kann vollständig kontrollieren, dass sich die während der Arbeit getrennten Teams von Erntehelfern in ihrer Freizeit nicht mischen, selbst wenn die Unterkünfte mehrere hundert Meter voneinander entfernt sind." Dr. Johann Löw, Leiter Gesundheitsamt Würzburg

    Ähnlich sieht es ein Gemüselandwirt aus dem Landkreis Kitzingen, der nicht namentlich genannt werden möchte: "Wir tun im Betrieb alles, um Corona zu vermeiden. Meine Familie verbietet sich alle unnötigen Außenkontakte, selbst meine Kinder halten sich daran. Aber ich kann meine Erntehelfer nicht in ihren Wohnungen einsperren und ich kann ihnen auch nicht hinterherlaufen und kontrollieren, was sie in ihrer Freizeit tun. Aber sie wissen, dass sie sich an die Schutzbestimmungen halten sollen."

    Gemüsebauern wollen keine Negativschlagzeilen

    Generell ist bei Gemüsebauern in den Landkreisen Würzburg, Kitzingen und Schweinfurt eine starke Verunsicherung spürbar. Viele möchten sich nicht vor einem Mikrofon zum Thema äußern. Zu groß ist die Befürchtung, mit dem Corona-Ausbruch in Niederbayern irgendwie in Verbindung gebracht zu werden. "Diese Ernte läuft unter so schweren Bedingungen und die Corona-Problematik ist bei vielen Kunden ohnehin schon das Thema. Da möchte ich nicht auch noch namentlich in der Presse erscheinen – selbst wenn wir uns vor keiner Kontrolle fürchten und alles für den Hygieneschutz tun, was in unserer Macht steht", so ein Landwirt aus dem Landkreis Schweinfurt.

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