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Der evangelische Pastor Olaf Latzel wurde 2020 vom Amtsgericht Bremen wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt.

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    Gemeinde lädt verurteilten Hetz-Prediger nach Unterfranken ein

    Der evangelische Pfarrer Olaf Latzel wurde 2020 vom Amtsgericht Bremen wegen Volksverhetzung verurteilt. Trotzdem soll er ab Donnerstag in einer evangelischen Kirchengemeinde in Unterfranken predigen. Kritiker sind entsetzt.

    Von
    Anna KemmerAnna KemmerIrene EsmannIrene Esmann
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    Homosexualität sei "todeswürdig", die sogenannte LGBTI-Community ein "Gender-Dreck": Olaf Latzel ist für Aussagen wie diese berühmt und berüchtigt. Trotzdem hat die evangelische Kirchengemeinde Rentweinsdorf im Landkreis Haßberge den umstrittenen Pfarrer aus Bremen für mehrere Tage zum Predigen nach Unterfranken eingeladen.

    Die Kirchengemeinde wirbt unter anderem auf Facebook und im örtlichen Mitteilungsblatt für die Veranstaltungen mit Latzel, der vom 28. bis 31. Oktober über die "Nachfolge Jesu" sprechen soll. Unter Gemeindemitgliedern sorge das für "Verzweiflung", so wird ein Gemeindemitglied im schwul-lesbischen Online-Magazin queer.de zitiert. Es kenne keine einzige Person in der Gemeinde, die sich diesen Auftritt wünsche.

    Bedford-Strohm nennt Aussagen Latzels "unerträglich"

    Auch Wolfgang Schürger, Pfarrer der bayerischen Landeskirche und Vorstandsmitglied der AG Schwule Theologie e.V., sieht die Einladung kritisch: "Olaf Latzel gilt bei den extrem konservativen Teilen des Protestantismus als charismatischer Prediger. Aber es mutet schon etwas seltsam an, wenn eine bayerische Gemeinde für eine vierteilige Themenreihe zur Nachfolge Christi einzig und allein einen erstinstanzlich wegen Volksverhetzung verurteilten Pastor aus dem hohen Norden als Referent einlädt. Es wäre spannend zu wissen, wie dies vom zuständigen Dekan gesehen wird."

    Ob Olaf Latzel in Rentweinsdorf auftritt, liegt im Entscheidungsbereich der Kirchengemeinde, sagt ein Sprecher der evangelischen Landeskirche in Bayern. Zu den Äußerungen und Predigten von Olaf Latzel habe sich der bayerische Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm aber bereits klar geäußert: "Intoleranz ist gegen das Evangelium, abwertende und diskriminierende Haltungen dürfen in der Kirche keinen Platz haben. Die Aussagen von Olaf Latzel sind unerträglich. Jesus steht für eine radikale Menschenliebe." So kommentierte Heinrich Bedford-Strohm im vergangenen Jahr den Fall.

    Pfarrer: Einladung ist "Statement für die Freiheit"

    Der zuständige Gemeindepfarrer, Gerhard Barfuß, distanziert sich persönlich von den homophoben Aussagen Latzels. Diese würden nicht seiner Theologie entsprechen. Gleichzeitig nennt er den Auftritt Latzels einen "Grenzfall". Er wisse, dass Latzel umstritten sei, so Barfuß im Gespräch mit BR24. Dass er Latzel sogar am Reformationssonntag in seiner Kirche predigen lassen wird, bezeichnet der Gemeindepfarrer als "Statement für die Freiheit":

    "Ich habe die Freiheit, auch jemanden reden zu lassen, der nicht nur das standardmäßige konturlose Christentum nach außen bringt". Gerhard Barfuß, ev. Pfarrer in Rentweinsdorf

    Kirchenvorstand einstimmig für Einladung Latzels

    Die Idee, Latzel einzuladen, sei in einer Kirchenvorstandssitzung aufgekommen, der Beschluss fiel laut Barfuß einstimmig. Hintergrund sind persönliche Beziehungen von Gemeindegliedern zu Latzels Anhängern in Bremen. Seine Gemeinde beschreibt der Pfarrer als sehr heterogen. Es gebe eine "starke erzkonservative, streng evangelische Strömung, sowie viele Anhänger der charismatischen Gemeindeerneuerungsbewegung und die Gemeindeglieder, die dem traditionellen landeskirchlich geprägten Milieu" entstammten, erklärt Barfuß.

    Die Vorträge an drei aufeinanderfolgenden Tagen sind ohne anschließende Diskussion geplant. In der Gemeinde solle dann aber in den nächsten Wochen eine Nachbesprechung erfolgen. Aus weiten Teilen Bayerns haben sich Gäste angekündigt. Es gebe eine große Anhängerschaft, so Pfarrer Barfuß. Die Gemeinde habe aber auch schon anonyme Hassbotschaften wegen der Einladung Latzels erhalten. Die Polizei im Landkreis Haßberge ist bereits informiert und hat angekündigt, die Veranstaltungen im Blick zu behalten.

    Zum Hass gegen Homosexuelle aufgestachelt

    Das Amtsgericht Bremen hat den umstrittenen Pastor aus der Bremischen Evangelischen Kirche 2020 in erster Instanz wegen Volksverhetzung zu einer Geldstrafe verurteilt. In der Urteilsbegründung hieß es, Latzel habe in einem "Eheseminar" auf Youtube zum Hass gegen Homosexuelle aufgestachelt. Später entschuldigte sich der Pastor für seine Äußerungen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Latzel ging in Berufung, das neue Verfahren wird voraussichtlich Anfang 2022 beginnen. Zwischenzeitlich hat sich Olaf Latzel für seine Äußerungen entschuld

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