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Bildrechte: BR / Florian Regensburger

Die vier Windkraftanlagen von Fuchstal stehen auf der Flur der Gemeinde im Sachsenrieder Forst.

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    Gemeinde Fuchstal will Energie-Selbstversorger werden

    Mit Windrädern, Sonnenenergie und einem Biomassekraftwerk setzt Fuchstal schon seit gut einem Jahr auf lokal erzeugten Ökostrom. Neue Speicheranlagen und ein Nahwärmenetz sollen die Gemeinde bis 2030 zum Energie-Selbstversorger machen.

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    Von
    • Florian Regensburger

    Vier Windräder, zwei Photovoltaikanlagen und ein Biomassekraftwerk erzeugen in Fuchstal Strom vor Ort. Mit einem eigenen Tarif bietet die Gemeinde ihren Bürgern lokal erzeugten Ökostrom aus den gemeindeeigenen Erzeugungsanlagen an. Der Preis entspricht in etwa dem des örtlichen Grundversorgers, die Gemeinde erzielt dabei nach eigenen Angaben keinen Gewinn.

    5,2 Millionen Euro für lokal erzeugte Energie

    Jetzt geht Fuchstal den nächsten Schritt und will mit neuen Speicheranlagen und einem Nahwärmenetz weitgehend energieautark werden. Der Bund fördert das 5,2 Millionen Euro teure Vorzeigeprojekt zu 75 Prozent. Aktuell laufen die Schweißarbeiten an einem 5000-Kubikmeter-Warmwasserspeicher, einem sogenannten "Wärmetopf", sowie einem Batteriespeicher für den selbst erzeugten Strom.

    Weitere Windräder sind geplant

    Mit der 3,4-Megawatt-Batterie, so Bürgermeister Erwin Karg, wäre es theoretisch möglich, die Gemeinde etwa zwei Tage lang mit Strom zu versorgen. Die Stromerzeugung wird auch noch ausgebaut: Eine dritte Photovoltaikanlage soll Anfang Februar in Betrieb gehen, drei weitere Windräder sind laut Karg geplant, das Genehmigungsverfahren laufe.

    Energieautark bis 2030?

    Eine sogenannte "Power-to-Heat-Anlage" (P2H) wird künftig neben dem Biomassekraftwerk und einer Hackschnitzelanlage ebenfalls per Strom das Wasser im Wärmetopf erwärmen können. Die Windkraft- und Photovoltaik-Anlagen werden dazu an die P2H-Anlage und an den Batteriespeicher angeschlossen.

    Außerdem wird ein Nahwärmenetz aufgebaut, an das zunächst die Hauptorte der Gemeinde, Asch und Leeder, angeschlossen werden. Über die Leitungen soll das warme Wasser zu den Haushalten gelangen. Mit einem weiteren Ausbau des Nahwärmenetzes könnte die Gemeinde bis 2030 energieautark werden, so Bürgermeister Karg.

    Nicht abhängig von der Witterung

    Ein häufiges Problem solcher lokaler Energieprojekte sei, dass man sich einseitig auf witterungsabhängige Energieträger wie Wind und Sonne stütze, die "zu bestimmten Zeiten zu viel oder zu wenig beziehungsweise überhaupt keine Energie bereitstellen", sagt Dr. Stephan Bosch, Energieexperte am Geographischen Institut der Universität Augsburg. Indem man in Fuchstal Wind und Sonne die "grund- und spitzenlastfähige Bioenergie" und zusätzlich Speicherkapazitäten zur Seite stelle, "scheint dieses Problem erkannt und in hervorragender Weise gelöst zu sein".

    Wasserstoffproduktion geplant

    Auf dem Projektgelände "Energiezukunft Fuchstal" östlich der Hauptorte Asch und Leeder, wo sich der Wärmetopf, der Batteriespeicher und die P2H-Anlage befinden, ist außerdem eine Freifläche für künftige Wasserstoffprojekte im Rahmen der "Wasserstoffregion" vorgesehen. Das Förderprojekt treibt die Gemeinde zusammen mit der Stadt Kaufbeuren und dem Landkreis Ostallgäu voran. Mittelfristig soll dort mit Wind- und Sonnenkraft Wasserstoff produziert werden.

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