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Geheimnisvolle Holztür zeugt von jüdischem Leben in Nürnberg | BR24

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Seit mindestens 1.700 Jahren leben Juden auf dem Gebiet des heutigen Deutschlands. Das Festjahr wird mit zahlreichen Veranstaltungen, rund um das jüdisches Leben begangen. Wir zeigen ein Beispiel aus Nürnberg.

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Geheimnisvolle Holztür zeugt von jüdischem Leben in Nürnberg

Überraschung bei der Renovierung des Pfarrhofes von St. Sebald: Völlig unverhofft tauchte auf einer alten Holztüre ein hebräischer Schutzspruch auf. Jetzt gibt es viele Fragen aber auch viele Hoffnungen.

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Von
  • Julia Hofmann

Die dunkle Holztür, die im Pfarrhof von Sankt Sebald entdeckt wurde, ist über 500 Jahre alt. Sie besteht aus drei senkrechten Brettern, die mit aufwändigen Eisenbeschlägen zusammengehalten werden. Sie hat drei verschiedene Schließmechanismen und ein Guckloch. Als bei der Tür-Restaurierung dann die vielen Farbschichten abgetragen waren, wurde der hebräische Schutzspruch sichtbar: "Durch diese Türe möge kein Unglück kommen".

Spannende Fragen

Wie kommt ein hebräischer Schutzspruch auf eine Tür in einem christlichen Pfarrhof? Die über 500 Jahre alte Brettertür wirft viele Fragen auf, für Pfarrer Martin Brons ist das auf jeden Fall ein spannender Fund, der schon eines bewirkt hat: einen engen Austausch zwischen der Israelitischen Kultusgemeinde und der Pfarrei Sankt Sebald.

Alte Holztür weist auch in die Zukunft

Denn die Türe könnte zur Initialzündung werden für ein schon lange verfolgtes Projekt: die Einrichtung eines Gedächtnisorts für die lange und wechselvolle Geschichte der Juden in Nürnberg. Für Jo-Achim Hamburger, den Vorsitzenden der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg, ist diese Tür nicht nur ein Zeugnis der Vergangenheit. "Die Türe symbolisiert sicherlich auch die wechselnde Geschichte der Juden in dieser Stadt, weist aber auch heutzutage auf die Kontinuität hin. Denn die Juden leben ja wieder in dieser Stadt – mit der ganz, ganz kleinen Anzahl nach 1945 und jetzt durch die Kontingentflüchtlinge sind wir wieder zweieinhalb Tausend in dieser Stadt, in dieser Gemeinde.“

Gedächtnisort für jüdisches Leben

Die alte Brettertüre verschloss im Eingangsbereich des Pfarrhofs von St. Sebald schon immer einen kleinen Raum. Wenn die Renovierungsarbeiten der umliegenden Gebäude abgeschlossen sind, wird sie dort auch wieder hinkommen. Für Pfarrer Martin Brons wäre dieser kleine Raum mit dem hebräischen Schutzspruch an der Tür der Ausgangspunkt für konkrete Pläne. Zumal direkt über der Tür noch ein eingemauerter jüdischer Grabstein aus dem 14. Jahrhundert zum Vorschein kam. "Ich sehe diesen Ort hier tatsächlich als Kristallisationspunkt für das jüdische Leben in Nürnberg, weil es die ältesten Funde sind in der Altstadt Nürnbergs, die von diesem reichen jüdischen Leben Zeugnis geben."

Geplantes Einraummuseum

Noch im Januar gibt es im Rathaus Gespräche zu dem geplanten "Einraummuseum", das Innenministerium hat bereits Fördergelder in Aussicht gestellt. Dann wäre endlich der Anfang gemacht, für die seit Langem geforderte museale Aufarbeitung des jüdischen Lebens als wichtiger Teil der Nürnberger Stadtgeschichte.

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Pfarrer Martin Brons und Jo-Achim Hamburger, Vorsitzender der Israelitischen Kultusgemeinde Nürnberg vor der Tür in Sankt Sebald.

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