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Geheimnisumwitterte Ruinen: NS-Bauten im Wald bei Oberhausen | BR24

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Streng geheim waren die Forschungsanlagen der Nazis im Wald bei Oberhausen. Betreiber war die "Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft". Deren Geschichte haben Heimatforscher aus der Umgebung zusammengetragen und sie zeigen uns die Anlagen im Wald.

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Geheimnisumwitterte Ruinen: NS-Bauten im Wald bei Oberhausen

Besseres Flugbenzin für die Wehrmacht - das war der Forschungsauftrag der NS-Organisation "wifo". Damals war die Anlage geheim, heute sind ihre Überreste schwer zu finden. Wir machen uns auf Spurensuche nach dem NS-Geheimlabor im Wald nahe Neuburg.

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Spurensuche in einem großen Buchenwald zwischen Donauwörth und Neuburg an der Donau, genauer: zwischen den Orten Oberhausen und Burgheim: Die Heimatforscher Mini Forster-Hüttlinger, Horst Schwark und Roland Holzmayr führen uns zu den Ruinen des sogenannten "Geheimlabors". So nennt man es zumeist im Landkreis Neuburg-Schrobenhausen, denn ein offizieller Name ist nicht bekannt.

Forschung für Flugbenzin

Ab 1942 wurden Teile der "Deutschen Versuchsanstalt für Luftfahrt, Abteilung Kraftstoffprüfung" von Berlin hierher verlegt. Die Wissenschaftler sollten hier an der Herstellung von Zusätzen für Flugbenzin forschen, zum Beispiel damit es in großen Flughöhen flüssig blieb. Horst Schwark führt uns zu einem Ort, an dem einstmals ein langgezogenes Forschungsgebäude stand. Der Keller ist bis zur Kellerdecke noch erhalten, allerdings stark überwuchert. Die Grundrisse der Zimmer im Erdgeschoss sind sogar noch erkennbar, mehr sieht man aber nicht mehr.

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Mini Forster-Hüttlinger, Roland Holzmayr und Horst Schwark (von links) an den Überresten der NS-Anlage.

"Kriegswichtige Anlagen" - nie vollendet

Während dieses Gebäude wohl tatsächlich genutzt wurde, ist die größte Bauruine nie in Betrieb gegangen. Das spektakuläre Gebäude, bei dem auch mehrere Meter hohe Mauern des Erdgeschosses stehen, wurde nie fertiggestellt. Im Inneren wachsen Bäume, die Mauern ragen in den Himmel, eine Zimmerdecke gibt es nicht. Ein faszinierender Ort, auch für die Heimatforscher. Allerdings immer vor dem Hintergrund, dass die Nationalsozialisten hier kriegswichtige Anlagen betrieben.

Unter der Erde: das riesige Tanklager einer NS-Tarnfirma

Und das Geheimlabor ist nur ein kleiner Teil von kriegswichtigen Anlagen in diesem Wald. Denn das Labor wurde hier gebaut, weil zwei Kilometer entfernt die Nationalsozialisten ab 1937 ein riesiges Tanklager bauten. Betrieben wurde das Lager von einer Tarnfirma. Sie hieß "Wirtschaftliche Forschungsgesellschaft", kurz wifo – und hatte die Aufgabe, Treibstoff für die Wehrmacht vorzuhalten. Die unterirdischen Tanks im Wald mit mehr als 100.000 Kubikmetern Fassungsvermögen wurden nach dem Krieg nicht zerstört und werden heute von einem großen Tankunternehmen betrieben.

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Bilder des geheimnisvollen Areals: Die "Wifostraße" ..

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... führt uns zum nie vollendeten NS-Geheimlabor.

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Mauern schirmen die Anlage ab.

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Der Stacheldrahtzaun am heutigen Tanklager.

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Dieser Teil des Geheimlabors war in Betrieb. Rechts: Heimatforscher Mini Forster-Hüttlinger, Roland Holzmayr und Horst Schwark (von links).

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Heute noch in Betrieb: der Bahnhof des Tanklagers.

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Wifo-Siedlung in Oberhausen.

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Blick aus dem Keller der ehemaligen Wifo-Verwaltung.

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Treppe an den Ruinen des Geheimlabors: Hier ging es zum Kasino.

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Längst hat Moos die Stufen überwuchert, eine Art grünen Teppich gebildet.

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Überall erobert sich die Natur das geschichtsträchtige Terrain zurück - im Großen ...

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... wie im Kleinen.

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Erkunden die Ruinen des Geheimlabors: Mini Forster-Hüttlinger, Horst Schwark und Roland Holzmayr (von links).

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Bombensplitter.

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Rost und Moos.

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Die Mauerreste der wifo-Verwaltung ..

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... vermitteln einen Eindruck von der Größe der Anlage.

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Außer den direkten Nachbarn wissen heute nur noch wenige, was sich hinter dem Zaun verbirgt.

Ruinen und Bombensplitter

Zerstört wurde allerdings das so genannte Buchenberglager, die Verwaltung der wifo, Werkstätten, Unterkünfte, Kantine, Kino und Sporteinrichtungen. Auch hier sind anhand der Keller noch die Grundrisse zu erkennen.

Heimatforscher Roland Holzmayr zeigt uns die Ruinen:

"1945 ist hier alles zerbombt worden, man sieht noch die Bombentrichter. Die Fundamente haben es weitgehend überstanden. Die Baracken darauf waren aus Holz und die wurden zerstört bzw. die Reste wurden für den Wiederaufbau in den Dörfern verwendet."

Und Horst Schwark zieht auch den scharfkantigen Metall-Splitter einer Bombe aus einer Tasche. Es ist nicht auszuschließen, dass sich im Wald noch Munitions- und Bombenreste finden.

"wifo-Kinder" belebten Oberhausen

Schließlich zeigt uns die 2. Bürgermeisterin von Oberhausen Mini Forster-Hüttlinger die sogenannte wifo-Siedlung in ihrem Heimatort. Und auch sie ist ein so genanntes "wifo-Kind", allerdings erst nach dem Krieg geboren. Ihre Eltern kamen nach Oberhausen, weil ihr Vater für die wifo arbeitete. Und die wifo-Werksiedlung mit solide gebauten Häusern steht noch heute.

Rund 800 Menschen kamen damals zusätzlich nach Oberhausen, was auf der einen Seite für Spannungen sorgte. Später jedoch, so nimmt die 2. Bürgermeisterin es wahr, wurden die Menschen aufgeschlossener. Viele der "wifo-Kinder" leben heute auch in der Rente in Oberhausen.

Neues Buch von Heimatforschern

Horst Schwark, Mini Forster-Hüttlinger und andere Heimatforscher haben das Wissen über die wifo und die Geheimlabors in einem Buch zusammengetragen: „Die WIFO Unterhausen mit Werksiedlung – Vom geheim geplanten Tanklager zum modernen Unternehmen“ – mit der Faszination auf der einen und der notwendigen kritischen Distanz zu den Nationalsozialisten auf der anderen Seite.