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340 leerstehende Anwesen haben die sieben Bürgermeister der "Hofheimer Allianz" im Landkreis Haßberge seit 2008 verkauft und mit neuen Hausherren wiederbelebt. Ziel des eigenen Förderprogramms: das Dorfkernsterben stoppen.

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Gegen Landflucht: Projekt der "Hofheimer Allianz" erfolgreich

340 leerstehende Anwesen haben die sieben Bürgermeister der "Hofheimer Allianz" im Landkreis Haßberge seit 2008 verkauft und mit neuen Hausherren wiederbelebt. Ziel des eigenen Förderprogramms: das Dorfkernsterben stoppen.

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Von
  • Norbert Steiche

Der Hofheimer Bürgermeister Wolfgang Borst (CSU) ist der Motor für das Revitalisierungsprojekt. Durch seine bundesweit beachtete Initiative wurde die Ausweisung von Neubaugebieten gestoppt, als man erkannte, dass immer mehr Häuser in den Ortskernen leer standen und zum Teil verfielen.

Bürgermeister makeln ehrenamtlich

Wolfgang Borst und seine sechs Bürgermeisterkollegen sind regelmäßig als ehrenamtliche Immobilienmakler unterwegs. Die Anfragen kommen von Menschen aus der ganzen Bundesrepublik. Sie wurden von Preisen für Häuser ab 10.000 Euro gelockt. Die ehrenamtliche Maklertätigkeit der Bürgermeister in den sieben Kommunen mit 53 Ortsteilen war bis jetzt so erfolgreich, dass 340 Anwesen verkauft werden konnten.

"Leerstand wieder mit Leben füllen"

Im Augenblick gibt es gar keine Anwesen mehr, für die die Eigentümer Käufer suchen. Wolfgang Borst sagt: "Wir wissen ja aufgrund der Bevölkerungsentwicklung, dass sehr viele Immobilien im ländlichen Raum – da sind die Bewohner 80 und älter – in den nächsten Jahren auf den Markt drängen. Und das sind eine ganze Menge, das heißt: Es ist extrem wichtig, dass wir hier am Ball bleiben und jeden Leerstand, der entsteht, wieder mit Leben füllen."

Eigenes Förderprogramm aufgelegt

Dazu gehört, dass Bau-Interessenten eine kostenlose Architektenberatung erhalten, damit die potentiellen Käufer eine Vision entwickeln können, wie ein Haus mal aussehen kann. Der "Allianz-Manager" kann bei allen möglichen Förderprogrammen vom Land und vom Bund beraten werden und auch Unterstützungsmöglichkeiten von Denkmalbehörden aufzeigen. Das eigene Förderprogramm der Kommunen sieht so aus, dass Bauherren für den Umbau 50 Euro pro Quadratmeter Wohnraum erhalten und Unterstützungen für jedes Kind. Unter dem Strich heißt es für Bauherrn jedoch: Ein Umbau kann ebenso viel kosten wie ein Neubau.

Vom "Haus des Grauens" zum Schmuckstück

Anna-Lena Vierneusel ist mit ihrem Mann und ihren drei Kindern erst jetzt im Winter nach zwei Jahren Umbauzeit in einen ehemaligen Bauernhof eingezogen. Eigentlich wollte die Realschullehrerin mit ihrem Mann ein schickes, neues Einfamilienhaus bauen. Und dann stieß die Familie im Hofheimer Stadtteil Rügheim auf den alten Dreiseithof aus dem 18. Jahrhundert. Das Haus stand viele Jahrzehnte leer. Die Fachwerkfassade war bereits eingewachsen.

Anna-Lena Vierneusel hätte das Anwesen am liebsten abgerissen und neu gebaut. Mit der Architektenberatung bekam die Familie dann jedoch eine Vorstellung von der Umbaumöglichkeit, den Kosten und dem zeitlichen Bauaufwand. "Ich weiß nicht, ob das für andere eine Alternative wäre, so etwas zu machen. Wobei ich sagen kann: Ich würde es immer wieder so machen. Wir sind absolut glücklich, wie das Ganze für uns ausgegangen ist", so Anna-Lena Vierneusel.

Bauen als Lebensaufgabe

Florian Wachter hat in Aidhausen im Landkreis Haßberge einen alten Bauernhof von 1870 übernommen. Der 23-Jährige kommt aus der Nähe von Bad Steben in Oberfranken. Seine Großeltern hatten das Haus geerbt und dann Stück für Stück renoviert. Florian Wachter war schon als Kind dabei. Und als es darum ging, das Haus zu verkaufen, sagte er, dass er hier einziehen wolle. Das hat er getan.

Einen Job als Sozialpädagoge fand er ganz in der Nähe. "Ich finde so alte Häuser einfach schön. Jedes alte Haus hat etwas Einzigartiges, weil es anders gebaut wurde, und ich finde, da steckt so viel handwerkliches Können drin," sagt Florian Wachter. Diese Bausubstanz zu erhalten, halte er für ganz wichtig – den Umbau und den Erhalt des Hauses als Lebensaufgabe.

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