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Gegen den Hass: Augsburger Ausstellung über Antisemitismus | BR24

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Im Augsburger Textilmuseum hat die Ausstellung "Die Stadt ohne. Juden Ausländer Muslime Flüchtlinge“ eröffnet. Sie beschäftigt sich mit Antisemitismus und Fremdenhass und untersucht heutige Parallelen zur gesellschaftlichen Polarisierung der 1920er.

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Gegen den Hass: Augsburger Ausstellung über Antisemitismus

Wie breitet sich in einer Gesellschaft der Hass aus? Darum geht es in einer Ausstellung in Augsburg, die jetzt begonnen hat. Zu sehen sind geschichtliche und aktuelle Dokumente - auch kleine Dinge, die das Leid der Opfer veranschaulichen.

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Ein alter Schlüssel hängt an einer Ausstellungswand. Ein Schlüssel, der eng mit der Geschichte einer jüdischen Familie aus Binswangen in Nordschwaben verbunden ist. 1937 flieht die Familie vor den Nazis. "Sie haben ihre Sachen gepackt, sind aus ihrem Haus raus, haben abgesperrt und den Schlüssel mitgenommen", erzählt Barbara Staudinger, die Leiterin des Jüdischen Museums in Augsburg.

Der Schlüssel hing dann viele Jahre am Schlüsselbrett in der neuen Wohnung der Familie. "Die Idee war: Eines Tages kommen wir zurück, sperren wieder auf und sind wieder zuhause", sagt Staudinger. Die Familie ist aber nie nach Deutschland zurückgekehrt. Die Enkeltochter des geflohenen Paares hat den Schlüssel vor einigen Jahren dem Museum gegeben. Jetzt ist er in der Ausstellung „Die Stadt ohne. Juden Ausländer Muslime Flüchtlinge“ zu sehen. Staudinger hat sie zusammen mit zwei weiteren Kuratoren organisiert.

Ausstellung untersucht Antisemitismus mit filmischen Elementen

Der Titel der neuen Ausstellung im Textil- und Industriemuseum (tim) geht auf einen Roman von 1922 zurück: In "Die Stadt ohne Juden" nimmt der österreichische Schriftsteller Hugo Bettauer die historische Entwicklung vorweg. Er beschreibt, wie Juden nach und nach aus Wien vertrieben werden. Bettauer wurde 1925 von einem Attentäter getötet, der Anhänger der Nationalsozialisten war.

Der Roman wurde verfilmt, und hier setzen die Ausstellungsmacher an. Sie erzählen entlang einzelner Filmszenen, wie sich der Antisemitismus in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts immer mehr ausgebreitet hat.

Antisemitismus damals und heute

Die Ausstellung geht der Frage nach, ob und welche Parallelen es zwischen damaligen und heutigen Entwicklungen gibt: "Viele Menschen stellen sich die Frage, ob man diese Zeit von damals mit heute vergleichen kann oder muss", sagt Hannes Sulzenbacher, einer der Organisatoren. Man wolle die Geschichte aber nicht mit heutigen Entwicklungen gleichsetzen, sondern strukturelle Ähnlichkeiten aufzeigen.

Außer Gegenständen aus der NS-Zeit sind auch Dokumente aus der jüngsten Vergangenheit zu sehen. So etwa eine Zeitungskarikatur, die den Facebook-Gründer Zuckerberg mit übergroßer Nase zeigt - ein antisemitisches Klischee. Gezeigt wird auch ein zynisches Brettspiel, mit dem die NSU-Terroristen ihren Judenhass zur Schau gestellt haben.

Jüdisches Museum und Textilmuseum arbeiten zusammen

Zum ersten Mal war die Ausstellung vergangenes Jahr in Wien zu sehen. Das Jüdische Museum Augsburg hat sie zusammen mit dem "tim" so überarbeitet, dass sie nun einen regionalen Schwerpunkt hat. Begleitend zur Ausstellung gibt es eine Reihe von Veranstaltungen, zum Beispiel ein "Rave gegen Rechts" in einer Augsburger Disko. Mehr Infos finden Sie hier.