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Gegen das Vergessen: Erste Stolpersteine in Gersthofen verlegt | BR24

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In Gersthofen sind am Dienstag erstmals Stolpersteine verlegt worden - im Gedenken an von den Nazis verfolgte und getötete Bewohner der Stadt.

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Gegen das Vergessen: Erste Stolpersteine in Gersthofen verlegt

Ein Haus, davor ein kleines Mahnmal, eingelassen in den Bürgersteig. Mit solchen "Stolpersteinen" wird in vielen Städten Europas an Holocaust-Opfer erinnert. Jetzt auch in Gersthofen bei Augsburg.

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Seit April vergangenen Jahres gibt es in Gersthofen bei Augsburg eine Stolperstein-Initiative. Am Dienstag wurden hier zum ersten Mal solche Steine in den Boden eingelassen - in Erinnerung an Bürgerinnen und Bürger der Stadt, die dem Nazi-Terror zum Opfer fielen. Anders als bei vielen anderen Stolperstein-Initiativen wird in Gersthofen ausdrücklich auch der Verfolgten gedacht, die den Holocaust überlebten.

Stolperstein in Erinnerung an Sebastian Zacher

Am Dienstagvormittag wurden die ersten fünf Messing-Tafeln verlegt. Schauplatz war unter anderem ein Haus an der Ludwig-Hermann-Straße. Dort hatte Sebastian Zacher gelebt, bis er in die "Heil- und Pflegeanstalt" Kaufbeuren gebracht wurde. Dort bescheinigten ihm die Ärzte eine "paralytische Demenz" - als Folge eines Unfalls. Er wurde mit Malariablut behandelt. Nach anfänglicher Besserung ging es ihm laut der Krankenakten bald schlechter.

Stolpersteine in Gersthofen erinnern auch an Widerstandskämpfer

Der Mann sei "für leichte Arbeiten noch gut zu gebrauchen", schrieb der zuständige Arzt in Kaufbeuren an Zachers Frau. Am Tag vor seinem 55. Geburtstag, im November 1940, wurde Zacher in Grafeneck durch Gas getötet. Unter den Menschen, an die mit den Gersthofer Stolpersteinen erinnert wird, sind auch die Widerstandskämpfer Georg Kottmair und Leonhard Wanner.

Künstler will mit Stolpersteinen Erinnerung an NS-Opfer wach halten

Kottmair überlebte die Konzentrationslager Dachau und Buchenwald - nach Angaben seiner Verwandten schwer traumatisiert. 1994 starb er in München. Wanner war kurzzeitig im KZ Dachau, wurde immer wieder verhaftet und verurteilt, dann an die Front nach Russland versetzt, wo er 1944 fiel.

Neben den Stolpersteinen in Gersthofen sollten am Dienstag auch drei weitere in Augsburg verlegt werden. Die Initiative geht auf den Künstler Gunter Demnig zurück. Seit den 90er Jahren verlegt er Gedenktafeln - mit Namen, Geburts- und Sterbedaten von Nazi-Opfern. Dort, wo sie vor der Deportation gelebt haben.

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