BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Gegen Agrarpolitik: Unterfränkische Bauern bei Demo in Koblenz | BR24

© BR

Agrarindustrie, Tierfabriken und Höfesterben: Dagegen demonstrieren Landwirte aus ganz Deutschland in Koblenz. Mit dabei sind auch Bauern aus Unterfranken. Sie fühlen sich von der Politik im Stich gelassen.

51
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Gegen Agrarpolitik: Unterfränkische Bauern bei Demo in Koblenz

Agrarindustrie, Tierfabriken und Höfesterben: Dagegen demonstrieren Landwirte aus ganz Deutschland beim Treffen der EU-Agrarminister in Koblenz. Mit dabei sind auch Bauern aus Unterfranken. Sie fühlen sich von der Politik im Stich gelassen.

51
Per Mail sharen

Landwirt Martin Gleichmann aus Friesenhausen im Landkreis Haßberge arbeitet seit 33 Jahren in seinem Beruf. Vor fünf Jahren hat er auf Bio-Landwirtschaft umgestellt – sowohl bei der Milchviehhaltung, als auch beim Ackerbau. Er bewirtschaftet etwa 150 Hektar Ackerland und besitzt 90 Kühe. Mit den Erlösen aus seinen Produkten kommt er "gerade so über die Runden", sagte er zum Bayerischen Rundfunk.

Beim Milchpreis jedoch müssten sich die Preise erhöhen – auch für Biomilch. Derzeit müsse Landwirt Gleichmann draufzahlen. Die Produktion koste ihn rund 55 bis 60 Cent. Von der Molkerei in Coburg bekomme er aber lediglich rund 50 Cent.

Bauern aus Unterfranken bei Demo in Koblenz

Zusammen mit anderen Landwirten aus Unterfranken geht er deshalb auf die Straße und macht seinem Ärger Luft. Von Würzburg aus haben sich etwa 15 Bauern mit ihren Traktoren auf den Weg gemacht zu einer Agrar-Demo in Koblenz in Rheinland-Pfalz. Dort findet in diesen Tagen die EU-Agrarministerkonferenz statt und es gibt mehrere Protestveranstaltungen. In Koblenz treffen die unterfränkischen Landwirte auf ihre Kollegen aus dem gesamten Bundesgebiet sowie dem benachbarten EU-Ausland.

Zentrale Forderung: Systemwechsel in der Landwirtschaft

Die Bauern fordern kostendeckende Preise für ihre Produkte, um die höheren Anforderungen der Politik erfüllen zu können. Denn neue Auflagen, so die Landwirte, seien ohne steigende Erzeugerpreise nicht mehr finanzierbar. Zudem wollen sie ihre Ideen und Vorschläge in die Verhandlungen mit einbringen.

Viele landwirtschaftliche Betriebe leben von der Substanz

"Die Lebensmittel müssten mehr Wert geschätzt werden – und sie müssten teurer werden", fordert Landwirt Gleichmann. Sonst sieht er für familiengeführte, bäuerliche Betriebe schlechte Zukunftsaussichten. Sollte die Politik die Sorgen der Landwirte nicht ernst nehmen, werden noch mehr Höfe sterben. Gab es 1987 noch mehr als 600.000 Betriebe in Deutschland, waren es 2018 nur noch 266.000. Seiner Tochter könne er jedenfalls nicht empfehlen, den elterlichen Hof einmal zu übernehmen.

"Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

© BR

In ganz Deutschland fuhren heute Landwirte mit ihren Traktoren nach Koblenz. Dort tagen die EU-Agrarminister und beraten über die Verteilung von Fördergeldern. Die Bauern fordern mit ihrer Sternfahrt ein grundlegendes Umdenken.