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Großer Bedarf, viele Hürden: Jobs für geflüchtete Frauen | BR24

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Auf dem deutschen Arbeitsmarkt gäbe es genug Angebote für weibliche Flüchtlinge /Symbolbild)

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    Großer Bedarf, viele Hürden: Jobs für geflüchtete Frauen

    Geflüchtete Frauen haben Schwierigkeiten, auf dem Arbeitsmarkt Fuß zu fassen – obwohl ihre Arbeitskraft in vielen Branchen gebraucht wird. Wirtschaftsverbände wollen das ändern, auch das Bayerische Wirtschaftsministerium kündigt ein Projekt an.

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    Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (vbw) fordert Kinderbetreuungsangebote für Frauen, die einen Sprachkurs machen wollen sowie mehr Teilzeit-Ausbildungsplätze für geflüchtete Mütter. Die Industrie- und Handelskammern sehen großes noch ungenutztes Potenzial bei weiblichen Geflüchteten, sagte Manfred Gößl, IHK-Hauptgeschäftsführer für München und Oberbayern dem Bayerischen Rundfunk. Er ist der Meinung:

    "Wir müssen den jungen Frauen nahelegen, dass es in Deutschland durchaus üblich ist, arbeiten zu gehen und sich nicht nur um die Familie zu kümmern." Manfred Gößl, IHK-Hauptgeschäftsführer für München und Oberbayern

    317.400 Menschen aus den acht wichtigsten Asylherkunftsländern gehen einer Beschäftigung oder Ausbildung nach. Nur elf Prozent von ihnen sind Frauen, so die aktuellsten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit vom Mai 2019. Wirtschaftsverbände kritisieren, dass es noch zu wenigen geflüchteten Frauen gelingt, sich am Arbeitsmarkt zu behaupten.

    Neues Projekt für geflüchtete Frauen

    Das bayerische Wirtschaftsministerium kündigt ein neues Projekt speziell für geflüchtete und zugewanderte Frauen an, die nicht im Schulsystem integriert sind: Innerhalb von zwei Wochen sollen sie verschiedene Ausbildungen und Berufe kennenlernen und Bewerbungstipps erhalten, so das Ministerium auf BR-Anfrage. Das Projekt "sprungbrett into work – hop-on hop-off! Für geflüchtete und zugewanderte Frauen" soll 2020 starten.

    Jede fünfte geflüchtete Frau hat keine Schule besucht

    Eine Hürde, die es zu überwinden gilt: Jede fünfte geflüchtete Frau hat in ihrem Herkunftsland keine Schule besucht, so das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung des Instituts der Deutschen Wirtschaft Köln. Dennoch bringen viele Berufserfahrungen mit, zum Beispiel als Fabrikarbeiterinnen. Was ihnen aber oftmals fehlt, sind Zeugnisse, denn diese auszustellen sei unüblich in vielen Herkunftsländern. Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung betont: Prinzipiell könne der deutsche Arbeitsmarkt in fast allen Branchen geflüchtete Frauen gut gebrauchen, vor allem in Gesundheits- und Pflegeberufen.

    Gefragte Kompetenzen

    Auch der bayerische Hotel- und Gaststättenverband klagt seit Monaten über Mitarbeitermangel: Immer mehr gut laufende Restaurants in Bayern verkürzen ihre Öffnungszeiten, weil ihnen das Personal fehlt, manche müssen sogar schließen. Laut Susanne Droux, Geschäftsführerin für Berufsbildung und Branchenförderung beim Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband, können Geflüchtete dieses Problem nicht gänzlich lösen, weil oftmals Sprachkenntnisse fehlen. "Aber dass sie kochen können, dass sie backen können, dass sie in der Lage sind, im Service tätig zu sein, die bringen all ihr Handwerk, all ihr Wissen aus anderen Ländern mit, das ist sehr wertvoll", so Droux weiter.

    Auch Arabisch-Kenntnisse seien sehr gefragt wegen der vielen arabischen Touristen in Bayern; und so würden beispielsweise Syrer auch an Rezeptionen eingesetzt. Schon jetzt stammen die Mitarbeiter in der bayerischen Hotellerie und Gastronomie aus 150 Nationen.