BR24 Logo
BR24 Logo
BR24

Geflüchtete finden Unterschlupf bei Anwohnern | BR24

© BR/Kerler

BR-Reporterin Christine Kerler (2. v. l.) findet bei Brasilianerin Unterschlupf (

Per Mail sharen

    Geflüchtete finden Unterschlupf bei Anwohnern

    Hinter Christine Kerler liegen Stunden der Angst: Die BR-Reporterin wollte gerade im Olympia-Einkaufszentrum ein Buch kaufen, als Schüsse fielen. Sie floh mit anderen Kundinnen in einen Wohnblock, wo sie Unterschlupf bei einer Brasilianerin fanden.

    Per Mail sharen

    Die Leute rennen. Panik, Schreie, Tränen. Wo eben noch Kunden fröhlich shoppten, herrscht das Chaos. BR-Reporterin Christine Kerler (2. v. l.) steht ahnungslos in einer Buchhandlung im Olympia-Einkaufszentrum im Münchner Norden, als im Gang vor dem Laden das Gekreische anschwillt.

    "Da waren weinende Kinder, da waren weinende Frauen. Ein Kind sagte gleich zu mir: Da wurde geschossen, da wurde geschossen!" BR-Reporterin Christine Kerler, zufällig im OEZ München

    Rennen, nur noch rennen

    Da wurde der Mitarbeiterin der BR-Hörfunkredaktion schlagartig klar, dass es jetzt auch um sie selbst geht. Sie rennt mit den anderen Kunden um ihr Leben - direkt auf die nahen Wohnblocks zu. Eine Kundin klingelt an einem fünfstöckigen Haus am Werner-Friedmann-Bogen. Die Haustür geht auf. Christine Kerler rennt mit zwei Frauen immer weiter nach oben, während unten Schutzsuchende nachdrängen.

    Da öffnet sich eine Wohnungstür: Zwei Brasilianerinnen bitten die Flüchtenden herein. Elisangela Oliveira, 33 Jahre alt, hat ihre Freundin zu Gast. Als es an der Tür klingelt, hat sie keinen Augenblick gezögert.

    "Ich habe die Leute gesehen auf der Straße - eine Katastrophe. Mein Herz hat das gehört und die Tür geöffnet." Elisangela Oliveira, Anwohnerin des OEZ

    Brasilianerin bietet den Geflüchteten Schlafplätze an

    Die Polizei ruft die Bevölkerung auf, in den Häusern zu bleiben. Die möglichen Täter seien noch flüchtig. Die Brasilianerin bietet den drei Frauen an, bei ihr zu übernachten. Die sind erleichtert. Schnell hat die 33-Jährige die Wohnzimmercouch zum Bett umgebaut und provisorische Schlafplätze eingerichtet.

    Die Frauen ratschen - über die Schüsse, das Chaos, die Angst. Elisangela Oliveira hat eine zehnjährige Tochter. Fünf Minuten vor dem Amoklauf wollte das Mädchen eigentlich mit Freunden im OEZ Klamotten kaufen. Ihre Mutter hat instinktiv Nein gesagt. Die sieht das nun als Fügung des Himmels.

    Überwältigende Hilfsbereitschaft gegenüber fremden Menschen

    Auch für Christine Kerler hat sich alles gefügt. Sie ist überrascht von der Hilfsbereitschaft gegenüber wildfremden Menschen.

    "Die zwei Brasilianerinnen haben sofort gesagt: Ja, sie können hereinkommen. Das ist schon überwältigend gewesen. Ich weiß nicht, wie ich reagiert hätte. Das war für sie selbstverständlich, uns die Tür zu öffnen." BR-Reporterin Christine Kerler, geflohen vor dem Amokschützen

    Weil die Polizei auch am späten Abend noch keine Entwarnung gegen kann, entschließt sich die BR-Kollegin zu bleiben. Sie geht zwischendurch auf den Balkon, gibt Interviews am Handy - für B5 aktuell und viele andere Sender. Schlafen kann sie eh' nicht in dieser Nacht, die sie nie vergessen wird. Im Negativen wie im Positiven. München ist in dieser Nacht des Schrecken zusammengerückt, menschlicher geworden.