Bildrechte: dpa-Bildfunk/Armin Weigel

Aus diesem Fenster floh der Mörder.

  • Artikel mit Audio-Inhalten

Geflohener Mörder: Polizei räumt Mitverantwortung ein

Nach der Flucht eines Mörders aus dem Regensburger Justizgebäude haben Polizei und Justiz Fehler bei der Bewachung eingeräumt. Er konnte fliehen, weil die zu seiner Bewachung abgestellten Polizisten die örtlichen Gegebenheiten nicht kannten.

Im Fall des am 5. Januar aus dem Amtsgericht in Regensburg geflohenen Mörders hat die Polizei nun eine Mitverantwortung für die Flucht eingeräumt. Demnach lag es im Ermessen der für ihn zuständigen Polizisten, den 40-Jährigen in der Verhandlungspause außerhalb des Sitzungssaals wieder zu fesseln.

Das und eine lückenlose Überwachung des Fensters hätten "die Flucht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit verhindert", so das Fazit der Polizeipräsidien Unterfranken, Oberpfalz und des Amtsgerichts Regensburg bei deren Nachbereitung des Falls.

Sicherheitsmaßnahmen überprüfen

Die Behörden wollen die Regelungen für Gefangenentransporte und die Sicherungsmaßnahmen in Gerichtsgebäuden überprüfen. Zudem sollen ortsfremde Polizeikräfte enger mit dem örtlichen Sicherheitspersonal zusammenarbeiten. Denn die Polizisten, die den Gefangenen von Würzburg nach Regensburg begleiteten, kannten sich im Regensburger Gerichtsgebäude nicht aus.

Das Amtsgericht hat in einer gerichtsinternen Anordnung nochmals betont, dass das Anwaltszimmer nicht für Gespräche mit Mandanten konzipiert sei. Gitter vor den Fenstern soll es nicht geben: Bauliche Veränderungen seien nicht geplant, hieß es am Montag in einer Mitteilung. Bei der Prüfung und Anpassung der Abläufe soll ein besonderer Fokus auf die noch konsequentere und stringentere Umsetzung der Vorgaben zur Fesselung gelegt werden.

Mörder zu weiterer Haft verurteilt

Der Häftling soll voraussichtlich noch im Januar aus Frankreich nach Deutschland ausgeliefert werden. Wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte wurde er zwischenzeitlich zu einem Jahr zusätzlicher Haft verurteilt.

Der mittlerweile wieder gefasste 40-Jährige hatte 2011 mit einem Komplizen eine 76 Jahre alte Besitzerin eines Nürnberger Lottoladens umgebracht und war zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Zunächst saß er im Hochsicherheitsgefängnis in Straubing, wurde wegen Widerstands gegen die dortigen Vollstreckungsbeamten jedoch nach Würzburg verlegt. Für einen Gerichtstermin am 5. Januar hatten unterfränkische Polizisten den verurteilten Mörder nach Regensburg gebracht.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!