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junger Igel

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Gefahr für Igel und andere Gartentiere

Rasenroboter ziehen - wie von Geisterhand gesteuert - ihre Runden und kürzen den Rasen. Doch leider nicht nur den: Oft verletzen sie auch Gartentiere. Mit schrecklichen Folgen, wie Tierschützer berichten. Von Gabriel Wirth

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Den Anblick werden Oliver Lincks und seine Tochter Rebecca nicht vergessen: Die beiden haben bis vor kurzem eine Igelstation in Weyarn geleitet. Ein Gartenbesitzer aus dem Tegernseer Tal brachte ihnen einen Igel, der von einem Rasenroboter verletzt wurde. Die hintere Seite war offen, wie von einer Flex weggehobelt. Lincks brachte den Igel dann zum Tierarzt. Der hat die Wunde genäht, allerdings konnte sich der Igel dann nicht mehr zusammenrollen. Deshalb musste ihm noch der linke Fuß abgenommen werden.

Beobachtungen aus einer Schweizer Igelstation

Diesen und weitere von Rasenrobotern verletzte Igel, die ihm gebracht wurden, konnte Lincks noch retten. Für viele Tiere allerdings kommt jede Hilfe zu spät, wie Erika Heller schildert. Sie leitet seit 48 Jahren in Winterthur in der Schweiz eine große Igelstation. Dort sind Rasenroboter bei Tierschützern schon länger ein Thema.

"Kleine Igel, wenn sie das Nest verlassen, liegen häufig ausgestreckt auf dem Rasen. Und der Roboter kommt dann und zerschnetzelt sie." Erika Heller

Gefahr droht auch Blindschleichen und Kröten

Dabei werden nicht nur kleine Igel von Rasenrobotern überrollt, sondern auch Größere. Und viele andere Tiere, wie Blindschleichen, Feuersalamander und Kröten. Darauf weist unter anderem der LBV hin.

"Es gibt natürlich Tiere, die bei Geräuschen die Flucht ergreifen. Die Roboter arbeiten allerdings sehr leise; oft ist es auch eine ganz neue Situation und die Tiere werden dann einfach überrascht." Martina Gehret, NaBu

Hersteller hüllen sich in Schweigen - oder wissen von nichts

Offizielle Daten, wie viele Tiere der Roboter nun verletzt oder tötet, gibt es nicht. Unter anderem die Firma "Wolf Garten" hat solche Rasenroboter im Angebot, die als wahre Alleskönner angepriesen werden. Was das Thema Igel betrifft, wollte das Unternehmen auf Anfrage keine Stellung nehmen. Ein weiterer großer Anbieter ist Husquarna, der Mutterkonzern von Gardena. Seit 1995 verkauft der Konzern Mähroboter, in einer schriftlichen Stellungnahme heißt es:

"Seit dieser Zeit haben uns direkt keine konkreten Anwenderberichte in Bezug auf tatsächliche Verletzungen von Igeln, Kröten, Schnecken oder anderen Kleintieren erreicht."

Wer auf einen Rasenroboter nicht verzichten will, dem empfiehlt die Igelexpertin vom LBV, Gehret: "Zuerst unbedingt die Wiese absuchen und den Roboter unter Beobachtung fahren lassen; am besten tagsüber."

Roboter nur unter Beobachtung mähen lassen

Deshalb sollte man zum Beispiel auf den Roboter verzichten, wenn man im Urlaub ist. Experten befürchten, dass Igel schon bald auf der roten Liste stehen könnten, wenn es so weitergeht. Denn auch ohne Rasenroboter haben sich die Umweltbedingungen für die possierlichen Tiere schon deutlich verschlechtert, durch die zahlreichen Eingriffe der Menschen in die Natur: Straßen, Versiegelung der Landschaften, Monokulturen in der Landwirtschaft und wenig Unterschlupfmöglichkeiten.

Wer mithelfen will, mehr über Igel zu erfahren: der BR hat zusammen mit dem LBV die Aktion "Igel in Bayern" gestartet.

© pa/dpa/Uli Deck

Mähroboter der Firma Festo/Esslingen