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FSME: Unterschätzte Gefahr bei Zeckenstichen | BR24

© Bayerischer Rundfunk

Eine junge Frau wird mit unerträglichen Kopfschmerzen und hohem Fieber ins Klinikum Nürnberg eingeliefert. Diagnose: FSME - eine durch Zecken ausgelöste Entzündung der Hirnhaut. Dagegen gibt es kein Heilmittel. Wie sinnvoll ist eine Impfung?

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FSME: Unterschätzte Gefahr bei Zeckenstichen

Eine junge Frau wird mit unerträglichen Kopfschmerzen und hohem Fieber ins Klinikum Nürnberg eingeliefert. Diagnose: FSME – eine durch Zecken ausgelöste Entzündung der Hirnhaut. Dagegen gibt es kein Heilmittel. Wie sinnvoll ist eine Impfung?

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Vor einigen Wochen geht es Luisa Sturm plötzlich von Tag zu Tag schlechter – ohne erkennbaren Grund. Das ist sehr beängstigend für die 24-Jährige und ihre Familie. "Angefangen hat es mit schlimmen Kopfschmerzen und großer Müdigkeit. Ich habe fast die ganze Zeit geschlafen, war niedergeschlagen und kraftlos", sagt die Studentin rückblickend. Als sie auch noch Fieber bekommt, bringen ihre Eltern sie ins Klinikum Nürnberg.

FSME: Virus-Erkrankung im zentralen Nervensystem

Die Diagnose steht schnell fest: FSME – Frühsommer-Meningoenzephalitis – eine durch Zecken übertragene Virus-Erkrankung im zentralen Nervensystem. Durch den Stich können sich Gehirn, Rückenmark und die Hirnhäute entzünden. Zwar hat Luisa Sturm keine Zecke und keinen Einstich an ihrem Körper entdeckt, doch das sei nicht unüblich, sagt der Neurologe Frank Erbguth, Chefarzt am Klinikum Nürnberg. Die Tiere sind sehr klein und fallen oft schnell wieder ab. Das von ihnen übertragene Virus kann eine Hirnhautentzündung verursachen, so wie bei Luisa Sturm, und es kann auch die Zellen im Rückenmark schädigen.

Lebenslange Lähmungen sind möglich

Jedes Jahr erkranken rund 500 Menschen in Deutschland an FSME. Das ist keine besonders hohe Zahl, doch 90 Prozent der Betroffenen leben in Süddeutschland. Manche genesen wieder vollständig, aber manche behalten bleibende Schäden.

"Es gibt eine Form der FSME, die der Kinderlähmung ähnelt, so dass die Betroffenen unter Atemlähmung und Muskelschwund leiden. Ich kenne Patienten, die auch nach Jahren noch beatmet werden müssen und im Rollstuhl sitzen. Das ist sehr schlimm." Neurologe Frank Erbguth, Chefarzt Klinikum Nürnberg

Wer bleibende Schädigungen erleidet, trägt ein schweres Schicksal. So wie die 54-jährige Claudia Köhler. Seit sie sich vor sechs Jahren mit dem FSME-Virus infizierte, ist sie ein Pflegefall.

Frau wird durch FSME zum Pflegefall

Claudia Köhler war komplett gelähmt und musste wochenlang beatmet werden. Mühsam kämpfte sich die 54-Jährige zurück ins Leben. Bis heute leidet sie unter Muskelschwund. Noch immer sind die Muskeln im Rücken so schwach, dass sie ihre Arme und den Kopf kaum kontrollieren kann. Täglich macht Claudia Köhler Kräftigungsübungen im Wasser. Die wenige Muskulatur, die sie noch hat, will sie so gut es geht erhalten.

"Ich bin von einem Tag zum anderen zum Pflegefall geworden. Das hat mich mit voller Wucht getroffen, denn vorher habe ich ein sehr selbständiges Leben geführt." Claudia Köhler, FSME-Patientin

Eine Hoffnung auf Heilung gibt es für Claudia Köhler nicht.

Wie schütze ich mich vor FSME?

Wer sich vor Zecken und damit vor FSME schützen will, kann draußen in der Natur lange, geschlossene Kleidung tragen, insektenabwehrende Sprays nutzen und seinen Körper nach Ungeziefer absuchen. Der beste Schutz aber ist eine Impfung. Sie wird vom Robert-Koch-Institut (RKI), der ständige Impfkommission (STIKO) und dem Bayerischen Gesundheitsministerium all denjenigen empfohlen, die in besonders betroffenen Regionen leben. Fast ganz Bayern gilt als Risikogebiet, 91 von 96 Landkreisen und Städten sind betroffen. Nur in den Landkreisen Dillingen an der Donau und Fürstenfeldbruck sowie in den Städten Augsburg, München und Schweinfurt besteht kein erhöhtes FSME-Risiko.

Impfung gegen FSME ist meist gut verträglich und risikoarm

Um einen vollständigen Impfschutz zu erhalten, müssen sich die Patienten dreimal im Abstand von mehreren Monaten impfen lassen. Erst nach der zweiten Teilimpfung ist der Schutz sicher. Geimpft wird mit einem Totimpfstoff. Manche Menschen berichten nach der FSME-Impfung über Müdigkeit und Unwohlsein, doch die meisten vertragen sie ohne Nebenwirkungen. Auch der Neurologe Frank Erbguth beschreibt sie als eine risikoarme Impfung, die er sehr befürwortet: "Denn wenn Sie an FSME erkranken, kann Ihnen die Medizin nicht mehr ursächlich helfen. Wir können nur die Symptome lindern, aber bei schweren Verlaufsformen stehen wir hilflos daneben."

Luisa Sturm ist auf dem Weg der Besserung

Familie und Freunde von Luisa Sturm, der jungen Frau, die kürzlich mit Symptomen ins Klinikum Nürnberg eingeliefert wurde, haben sich mittlerweile gegen FSME impfen lassen. Sie haben hautnah miterlebt, wie schlecht es der 24-Jährigen nach der Infektion ging. Noch immer spürt Luisa Sturm die Folgen: Langes Sitzen und Lernen für die Uni machen sie müde. Auch körperliche Anstrengungen muss sie noch vermeiden. Doch Luisa Sturm ist froh, dass sie keine bleibenden Lähmungen erlitten hat. Die Ärzte im Klinikum Nürnberg sind sicher: Die junge Frau wird wieder ganz gesund.

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