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Mobbing mit falschen Todesanzeigen: Schüler verurteilt | BR24

© BR/Judith Zacher

Wegen Cybermobbing ist ein 15 Jahre alter Schüler gestern am Nördlinger Amtsgericht zu einer Woche Dauerarrest und 120 Stunden gemeinnützige Arbeit verurteilt worden.

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Mobbing mit falschen Todesanzeigen: Schüler verurteilt

Todesanzeigen, Droh-Mails, falsch gebuchte Tickets - so hat ein 15-Jähriger aus Nördlingen monatelang seine Mitschüler in Angst versetzt. Jetzt ist er vom Amtsgericht der schwäbischen Stadt dafür verurteilt worden. Der Schulträger begrüßt das Urteil.

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Von
  • Judith Zacher
  • Werner Bader
  • Mario Kubina

Eine Woche Dauerarrest und 120 Stunden gemeinnützige Arbeit, so lautet das Urteil des Amtsgerichts Nördlingen gegen einen Jugendlichen, der seine Mitschüler über einen längeren Zeitraum via Cybermobbing gequält hatte. Außerdem muss der 15-Jährige einen Aufsatz zum Thema "Mobbing aus Sicht der Opfer" schreiben. Er und seine Eltern hätten das Urteil akzeptiert, sagte Amtsgerichtsdirektor Dieter Hubel dem BR. Das Urteil ist rechtskräftig.

Jugendlicher verschickt Morddrohungen per Mail

Der Fall machte im Herbst bundesweit Schlagzeilen: Der 15-jährige Nördlinger hatte eine gefälschte Todesanzeige eines Mitschülers in der Zeitung veröffentlicht. Außerdem hatte er Mitschülern über Monate hinweg Drohmails geschickt – teilweise auch mit Todesandrohungen versehen. Er hatte Flugtickets auf ihren Namen gebucht und ihnen Links mit pornographischen Inhalten gemailt. Zwei weitere gefälschte Todesanzeigen wurden vor der Veröffentlichung entdeckt.

Reif genug, um das Unrecht seiner Taten zu verstehen

Zum Zeitpunkt der Taten war er erst 14 Jahre alt. Die Staatsanwaltschaft Augsburg war dennoch überzeugt, dass er reif genug gewesen sei, um zu verstehen, dass seine Taten Unrecht seien. Er sei sich darüber bewusst gewesen sei, dass er seine Mitschüler so öffentlich demütige und sie beleidige.

Schulträger begrüßt Urteil zu Cybermobbing

Der Junge ging damals auf die Realschule Maria Stern in Nördlingen. Der Schüler wurde kurz nach Bekanntwerden der Taten von der Schule abgemeldet. Damit hatte die Schule keine Möglichkeit mehr, privatrechtlich gegen den Jungen vorzugehen. Aus Sicht des Schulträgers geht das Urteil vom Montag in die richtige Richtung. Das hat Peter Kosak, Direktor beim Schulwerk der Diözese Augsburg, im BR-Gespräch deutlich gemacht.

Motiv für Mobbing weiter unklar

Mit dem Urteil ist der Jugendliche laut Kosak zum einen zur Buße angehalten. Zum anderen diene es der Abschreckung: Es zeige die Folgen auf, die ein solches Verhalten haben kann. Warum der Teenager sich so verhalten hat, sei allerdings auch nach dem Urteil unklar. Kosak hat nach eigenen Worten mit den Eltern gesprochen, aber auch das habe keine Klarheit gebracht.

"Medienscouts" sollen gegen Mobbing helfen

Um solche Fälle künftig zu verhindern, setzt der Schulträger auf Prävention. Verbote seien nicht hilfreich. Stattdessen müssten die Jugendlichen möglichst früh in die Lage versetzt werden, verantwortungsvoll mit sozialen Netzwerken umzugehen. Als Beispiel nennt Kosak sogenannte Medienscouts, also geschulte Jugendliche. Diese würden etwa Aussagen aus Chatgruppen auf Plakate schreiben und damit auf die Straße gehen. So würde jeder und jedem klar, dass solche Aussagen öffentlich sichtbar seien, auch wenn die Situation in Chatgruppen ein Gefühl von Anonymität vermittele. Die Botschaft sei klar: "Jeder kann es lesen."

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