BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: BR

Bilder vom perfekten und verschneiten Winterwunderland im Allgäu locken viele Menschen in die Berge. Doch der Schein trügt: Es liegen zurzeit nur wenige Zentimeter Schnee - und das ist gefährlich für Mensch und Natur.

13
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten
  • Artikel mit Video-Inhalten

Run auf Allgäuer Berge hält weiter an

Bilder vom perfekten und verschneiten Winterwunderland im Allgäu locken viele Menschen in die Berge. Doch der Schein trügt: Es liegen zurzeit nur wenige Zentimeter Schnee - und das ist gefährlich für Mensch und Natur.

13
Per Mail sharen
Von
  • Katharina Reichart
  • Veronika Scheidl

Gut zehn, vielleicht 15 Zentimeter Schnee liegen zurzeit im Gunzesrieder Tal im Landkreis Oberallgäu. Für Michael Fracaro vom Alpenverein in Immenstadt ist das die gefährlichste Schneelage, die es überhaupt gibt: "Da ist ein Stück Fels, von oben so gut wie nicht sichtbar. Und wenn man drüberfährt, ist im besten Fall nur der Ski kaputt. Wenn es blöd läuft, das Bein." Fracaro sagt, dass Krankenhäuser im Moment andere Sorgen haben, als sich um vermeidbar gebrochene Beine zu kümmern.

Gefahren lauern unter dem Schnee

Die Gefahren sind vielfältig und nur wenige 100 Meter vom Parkplatz entfernt zu finden: Hier Zaunpfähle, die noch weit aus dem Schnee herausschauen, da ein Stück Weidezaundraht, das direkt in die Skispur hineinragt oder eben ein Felsen, der sich zwischen Grasbüscheln unter der dünnen Schneedecke verbirgt.

Alpenverein mahnt Ski-Sportler zur Zurückhaltung

"Pack die Steinski ein", also Skier, die alt sind und deshalb kaputtgehen dürfen, ist derzeit ein verbreiteter Tipp auf gängigen Touren-Portalen, wenn es um Ski-Ausflüge ins Allgäu geht. Michael Fracaro vom Alpenverein hält davon wenig, denn so mache man sein Equipment kaputt - und hätte so weder Spaß beim Aufstieg noch bei der Abfahrt. "Der Schnee schaut zwar schön aus, aber es ist zu wenig. Da sollte man schauen, dass man sich noch ein Stück weit zurückhält."

Natur leidet unter dem Wintersport

Zurückhaltung würde auch der Natur guttun. Die belastet das, auch wenn Wintersportler mit dem Ski vermeintlich nur über einen Felsen scheuern, sagt Rolf Eberhardt, Chef des Naturparks Nagelfluhkette. "Es ist so, dass der Fels natürlich auch Standort und Lebensraum ist für speziell angepasste Pflanzen. Für sukkulente Pflanzen zum Beispiel wie den Weißen Mauerpfeffer. Die werden dann schon stark gestört."

Dass etwas weiter oben schon die Grasnarbe aus dem zerfahrenen Schnee schaut, will Eberhardt nicht überbewerten. Aber: "Dramatischer wird es dann, wenn es im Wald passiert und junge Bäume zerstört werden." Das betreffe unter anderem junge Weißtannen, die angesichts des Klimawandels dringend gebraucht werden.

© BR
Bildrechte: BR

Trotz corona-bedingter Kontaktbeschränkungen füllen sich Parkplätze im Allgäu. Die Gemeinden und die Natur vor Ort ächzen unter dem Andrang.

Naturpark-Ranger klären Wintersportler auf

Das Naturpark-Team hatte deshalb in den vergangenen Wochen alle Hände voll zu tun, selbst an Weihnachten und Silvester haben sie gearbeitet. Denn die Parkplätze im Tal waren voll, die vielen Freizeitsportler mussten informiert werden: So erklärten die Ranger den Wintersportlern naturverträgliche Routen, damit Pflanzen und Wildtiere nicht beeinträchtigt werden. Außerdem klärten sie im Internet über verantwortungsvolles Verhalten am Berg auf.

Positives Fazit trotz vieler Skitourengeher

Die Maßnahmen haben die Freizeitsportler offensichtlich erreicht. Denn ein erstes Fazit von Naturpark-Geschäftsführer Rolf Eberhardt fällt jetzt zufrieden aus. Trotz der großen Menge an Skitourengehern und Schneeschuhwanderern habe es im Gelände bisher kaum Störungen im Wald und von Wildtieren gegeben. Auch Wildparker gebe es kaum. Das führt der Naturparkchef auf das gute Management der Gemeinden zurück, die teilweise mit Unterstützung der Feuerwehr den Verkehr regeln.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!

Sendung

Abendschau - Der Süden

Von
  • Katharina Reichart
  • Veronika Scheidl
Schlagwörter