Zurück zur Startseite
Bayern
Zurück zur Startseite
Bayern

Gefährliche Gumpen-Trends in Bayern | BR24

© BR

Die Buchenegger Wasserfälle bei Oberstaufen locken immer mehr Erlebnishungrige an: Animiert von spektakulären Videos im Internet, stürzen sich die jungen Menschen dann die Felsen herab ins Wasser. Nicht ganz ungefährlich ...

1
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Gefährliche Gumpen-Trends in Bayern

Zur Beliebtheit der bayerischen Gumpen tragen zahlreiche Internetvideos bei, die spektakuläre Sprünge ins Wasser zeigen. Schwere Verletzungen können die Folge sein. Doch nicht nur das Gumpenjucken kann schnell gefährlich werden.

1
Per Mail sharen
Teilen

Gumpen sind natürliche Wasserbecken inmitten von Felsen. Beim Gumpenjucken springt man in genau diese kleinen Becken hinein; je tiefer, desto mehr Nervenkitzel. An den Buchenegger Wasserfällen bei Oberstaufen im Allgäu ist das Gumpenjucken besonders beliebt, dort geht es an manchen Stellen bis zu 30 Meter in die Tiefe. Gerade bei jungen Leuten ist das Springen hier sehr angesagt - im Netz kursieren Videos mit mehr als zehntausend Aufrufen.

Gumpen für Rettungskräfte schwer erreichbar

Was spektakulär aussieht, kann aber auch ziemlich gefährlich sein. Denn wer falsch landet, riskiert schwere Verletzungen. Und Hilfe zu holen, kann zum Problem werden, denn das Handynetz im Gelände ist sehr schlecht. Dazu kommt, dass die Stelle für Rettungskräfte schwer zu erreichen ist; ein Krankenwagen hat kaum eine Chance, es bräuchte schon einen Rettungshubschrauber. Viele Springer passen gut auf, trotzdem gab es schon Unfälle, sagt Christian Heidrich von der Bergwacht Oberstaufen:

"Wir können es nicht verbieten, es passiert auch relativ wenig. Wenn, dann ist es ein spektakulärer Einsatz. In unserer Zeit waren es zwei Einsätze, das waren dann Wirbelsäulenverletzungen." Christian Heidrich, Bergwacht Oberstaufen

Nicht nur das Hineinspringen, auch das Schwimmen in solchen Gumpen kann zur Gefahr werden. Das Wasser in einer Gumpe ist naturgemäß ziemlich kalt. Da sie sich aus Gebirgsbächen speist, hat eine Gumpe auch im Hochsommer meist nicht mehr als 15 bis 16 Grad. Das kann für den Körper schon zur Herausforderung werden.

Vorsicht vor starken Strömungen!

Außerdem herrschen in den Becken durch das viele Schmelzwasser oft starke Strömungen, wie in einer Waschmaschine. Gerät man beim Schwimmen in so eine Wasserwalze, kann man sich auch als guter Schwimmer alleine nicht mehr befreien, warnt die Wasserwacht.

Riskantes Fotomotiv über dem Königssee

Und noch eine Gumpen-Attraktion gibt es in Bayern. Was früher ein Geheimtipp der Einheimischen war, ist heute ein extrem beliebtes Fotomotiv der Generation Instagram: Die hoch über dem Königssee gelegene Gumpe am Königsbach-Wasserfall, die gerne auch als "natürlicher Infinity-Pool" bezeichnet wird. Die Aussicht ist tatsächlich atemberaubend schön – und darum pilgern hier an Sommertagen schon mal mehrere hundert Menschen hoch für den perfekten Schnappschuss. Das Problem: Es gibt keine offiziellen Wege hinauf, nur ungesicherte Trampelpfade.

"Die Gäste, aber auch die Einheimischen unterschätzen die Gefahren. Das Gelände rund um den Wasserfall ist als hochalpin einzustufen." Martin Planegger, Mitglied der Berchtesgadener Wasserwacht.

Viele Besucher marschieren nur in Bikini und Badelatschen zur Badestelle. "Das ist natürlich sehr problematisch. Dort herrscht akute Steinschlaggefahr und es gibt an ausgesetzten Stellen besonders rutschige Steine", gibt Planegger zu bedenken. Erst Ende Juli ist hier eine Touristin abgestürzt. Also auch bei dieser Trend-Gumpe gilt: mit Vorsicht genießen!

© BR

Früher waren die Buchenegger Wasserfälle im Allgäu ein Geheimtipp und ein Ort, wo sich die Einheimischen Mutproben geliefert haben beim Gumpenjucken. Doch das Gumpenspringen ist inzwischen so etwas wie ein Trendsport, ein lebensgefährlicher.